date 9 May 2005 06:21
subject Re: Siehst du..
subject Re: Siehst du..
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Ach, was kann ich dir erzählen von diesem langen Wochenende? Vielleicht von der Basler Buchmesse? Gerade höre ich, dass sie einen Rekordbesuch hatten. Es waren 405 Verlage, die ausgestellt haben, und es waren 40300 Besucher während der 3 Tage. Und dabei hatten gleichzeitig in Solothurn die Literaturtage stattgefunden. Darüber ist man zufrieden im dritten Jahr dieser Veranstaltung. Ich kann bestätigen, dass diese Messe ganz in Ordnung war. Ich war am Samstag schon um 930h, als geöffnet wurde, vor dem Eingang. Damals gab es noch nicht zuviele Leute, und man konnte bequem in den einzelnen Ständen herumwühlen und sich einen Überblick verschaffen. Nach und nach zogen die Zuschauer an. Und gegen Mittag war es schon ziemlich warm unter den grossen Leuchtern. Man hatte drei oder vier verschiedene Publikumsforen oder Arenen eingerichtet, in den ständig Diskussionen oder Lesungen stattfanden. Einige kleine Verlagen waren so verlegen, ihre Autorinnen und Autoren direkt am Stand lesen zu lassen. Doch das waren veritable Spiessrutenläufe. Es gab dann einige Agenten, die im Publikum Zettel verteilten über die Autorin, die gerade in Aktion war. Aber manchmal hörte man absolut nichts, denn die armen Leute mussten ohne Mikrophon auskommen. Bei irgend einem deutschen Esoterik-VErlag geriet ich an eine Blondine. Sie war recht hübsch und, wie man sehen konnte, las aus einem ihrer Manuskripte. Kein Mensch hörte zu. Man konnte auch nichts hören, weil sie eine fast tonlose Stimme hatte. Ich ging in ihre Nähe, versuchte, in einigen Büchern zu blättern, um gleichzeitig zu hören, worüber sie überhaupt las. Es war ein Text über eine Relaxation-Methode. Für mich hörte es sich an wie autogenes Training. Sie las weiter ähnlich, wie wenn man am Fernseher den Ton ausgeschaltet hätte. Und inzwischen hatte sie auch bemerkt, dass sie einen Hörer gewonnen hatte. Zwischen ihren Blicken auf das Manuskript schaute sie mich immer wieder, und wie mir schien, ziemlich verzweifelt an. Ich glaube, sie war froh, dass sich einer genähert hatte, und dass nicht alle Leute einfach achtlos vorbeigingen, während sie lass. Sie war eine ganz hübsche Blondine, hatte halblanges, volles und goldenglänzendes Haar und ein Gesicht mit Sommersprossen. Sie war gut geschminkt. Allerdings trug sie einen wollenen Pullover unter ihrer Jacke, ich glaube, es war eine Wildlederjacke. Diese Wolle sah etwas robust und provinziell aus. Aber sonst war sie ganz ok und sie umklammerte mich mit ihren schönen, grossen blauen Augen um mich in der Nähe zu behalten, und um nicht wieder wie Demosthenes mit den Steinen im Mund hinaus ins rauschende Meer zu reden. Und ich fügte mich ihrem Hilferuf und blieb einen Moment, blieb solange, bis ein paar neue Leute stehen blieben, um dann diskret zu verschwinden. Ja, sie las über autogene Entspannungsübungen. Und sie las so, als ob sie annahm, ich würde das alles zum ersten Mal hören. Nein, sagte ich leise und ebenso tonlos wie sie sprach, nein Helga, sagte ich, das kenne ich nachgerade schon sehr mehr als genug. Nein Helga, ich kenne das alles zur Genüge. - - Ich glaube, dass sie Helga heissten müsste. Denn sie sah in ihrer Blondheit und ihrer gewissen Bodenständigkeit eben aus wie eine Helga. Oder hätte vielleicht Margot besser gepasst?
Am Nachmittag habe ich im Getümmel Frans angetroffen. Er war ...
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