Dienstag, 29. Mai 2012

Perserkriege - Reise in den Iran


Ämne: Perserkriege
Datum: den 7 maj 2002 07:54

Liebe Marlena

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Ja, ich habe mich schlussendlich entschlossen, diese zwei Wochen auch in den
Iran zu reisen. S meint, es wäre für sie zu anstrengend, alles allein
in die Hand zu nehmen. Und wenn man sich vorstellt, dass sie mitten in
Teheran irgend etwas organisieren muss, was im Iran jederzeit vorkommen
kann, dann würde die ganze Reisegruppe bloss herumstehen und würde sich
langweilen. Meine Aufgabe wird also sein, die Leute ein wenig zu unterhalten
und ihnen Dinge zu zeigen, wenn kein Reiseführer zur Verfügung steht. Ich
weiss natürlich einigermassen, woran Schweizer interessiert sind und was sie
freut. Wir werden quer durch das ganze Land reisen, von Theran in den Norden
ans Kaspische Meer, dann hinunter nach Schiras und nach Isfahan. Das sind
repräsentative Orte. Und ich habe darauf bestanden, dass wir in Isfahan
insgesamt vier oder fünf Tage bleiben. Denn ich glaube, für einen Europäer
ist Isfahan die Stadt, die den europäischen Fantasien des märchenhaften
Orientes am meisten entgegenkommt. Und zugleich ist Isfahan klein,
übersichtlich, sauber, also darauf, was wir bei uns Tourismus nennen, am
besten vorbereitet. Es gibt dort auch viele Reisende, aber die meisten von
ihnen sind Perser selbst. Und dann werden wir auch nach Schiras fliegen. Ich
war damals, auf meiner ersten Reise, man könnte sagen im Honey Moon,
erstmals in Schiras. Aber damals war ich ziemlich übermüdet und heute habe
wenig Erinnerungen übrig. Man nennt Schiras die Stadt der Rosen und des
Weins, wie sie Hafez besungen hat. Ich bin gespannt, wie es heute dort ist.
Im Reiseführer, den ich studiert habe, klingt es ganz attraktiv. Aber darauf
kann man sich nicht immer verlassen. Und Wein gibt es sicherlich keinen mehr
dort heute. Den haben die Revolutionsführer den Schirasi gründlich
ausgetrieben. Damals, vor 30 Jahren, war Schiras der Ort für
Hochzeitsreisende. Die jungen Paare haben sich am Grabmal des grossen Hafez
fotographieren lassen und sich dabei die ewige Liebe versprochen.
Und natürlich ist nicht weit von Schiras Persepolis, das alle Touristen
gerne sehen. Meine Erinnerungen daran sind aber sehr rudimentär. Wir hatten
damals ein Taxi genommen, um hinaus zu den Ruinen zu fahren. Allein schon
die Tatsache, für einen Tag einfach ein Taxi zu mieten, fand ich damals
ausserordentlich. Und es war heiss wie Anton. Ich hatte einen riesigen Durst
und litt unter der Vorstellung, dass man in diesem heissen Land nicht
einfach Wasser trinken durfte. Das war beinahe unterträglich für einen
Walliser, der normalerweise mitten unter besten und trinkbaren Quellen lebt.
Persepolis war vor 30 Jahren noch kaum für die Touristen arrangiert und
vorbereitet. Es lagen Steine und Architekturreste wild herum. Es gab keine
Informationen, kein Restaurant, gar nichts. Nur alte Steine mitten in der
Wüste. Ich war also nicht sonderlich beeindruckt, obwohl die Anlage sehr
gross ist.
Du siehst, es gibt viele gute Gründe, endlich wieder einmal in den Iran zu
reisen und diese Dinge anzuschauen. Ich habe mich kürzlich mit dem Bild
Alexanderschlacht von Altdorfer beschäftigt, ein riesiges Gemälde, das heute
in der Alten Pinakothek in München hängt. Es wurde nach 1400 gemalt und
zeigt vor der Insel Zypern und dem 7-armigen Nil im Hintergrund die beiden
Heere Alexanders und Darius'. Auf einer Art Tafel, die vom Himmel hängt, ist
das Bild beschrieben und erklärt, wie gross die beiden Heere waren, um zu
unterstreichen, dass Alexander im Grunde einer riesigen Übermacht gegenüber
gestanden hatte. Die Perserkriege sind europäische Urgeschichte. Durch den
erfolgreichen Abwehrkampf der Griechen gegen die Perser sind erstere gross
geworden, ähnlich wie später die Römer durch die Punischen Kriege. Und die
grossen Griechen muss man ja wohl als Urzelle Europas betrachten, die mit
ihrer einzigartigen Kultur Europa bis ins Innerste geprägt haben.
Spasseshalber erzähle ich gelegentlich, dass bei uns heute der Bosporus
mitten über den Tisch und durchs Bett geht, und dass wir abends zum Spass
Perserkriege spielen. Vielleicht weißt Du das nicht, aber ich bin immer noch
dabei, Europa gegen diese absolutistischen Mächte aus dem Orient zu
verteidigen ;--))
Mit einem lieben Gruss
...

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