Sonntag, 13. Mai 2012

Wetter , Hundespaziergänge und anderes

(ungekürzt)

Subject Re: :-)

Hallo Malou
Wo bleiben deine Mails? Du schreibst ein kurzes, und nimmst es gleich wieder zurück. Was soll das bedeuten? Sieht mir sehr nach mausfreundschaftlicher Vernachlässigung aus! Wenn nicht gleich Untreue!!
Da erinnere ich mich, dass du mal eine Zeitlang deine Mails zwar geschrieben, aber doch zurückbehalten hast, als ich krank war - so glaube ich. Nee, Malou, so geht das Spiel nicht.

Das stimuliert mich nicht gerade zu sprühenden Sätzen. Und das Wetter gleich nochmals nicht. Es regnet in Strähnen. Und das bleibt mir unverborgen, weil übers Wochenende unsere Putzfrau die Vorhänge zum Waschen mitgenommen hat. Ich sitze hier also so ähnlich, wie jene Damen des Rotlichtmilieus in Amsterdam hinter den grossen Fenstern. Mein Glück, dass ich im 2. Stock oben residiere. So läuft keine Kundin vor meiner Scheibe vorbei und zwinkert mir zu. Sie müsste fliegen. Und das tun - wie man weiss - Kundinnen doch eher selten.

Es ist nicht nur regnerisch. Es ist auch einigermassen frisch. Seit einigen Jahren ist die Gewohnheit entstanden, das Wetter mit statistischen Werten zu vergleichen. Und dann hört man Sätze wie: zu kalt für die Jahreszeit. Ich muss immer ein bisschen schmunzeln, wenn ich das höre. Und als konvertierter Katholik mit islamischen Einschlägen habe ich dann den Eindruck, sie wollten den lieben Gott kritisieren. Es gibt ja eine lustige Walliser Sage, die erzählt, weshalb die Walliser ihre Wiesen und Felder selbst bewässern, etwas, was ich dann auch wieder in den Bergen oberhalb Teheran gefunden habe. Petrus hatte die Walliser nämlich nach ihrer Unzufriedenheit befragt. Sie hatten nämlich reklamiert, wenn es regnete, weil daraus nur saurer Wein entstünde, und hatten ebenso reklamiert, wenn die Sonne brannte, weil dann die Wiesen und Felder eintrockneten. Petrus hat sie dann gefragt, wie sie es haben wollten. Der liebe Gott wolle es so gut wie möglich einrichten, er sei ja selbst praktisch ein Walliser. Als die guten Mannen das hörten, beschlossen sie, selbst zu wässern. Denn ein ausgewanderter Walliser könne das bestimmt nicht besser. Voilà, und seither müssen die guten Leute im Wallis jahraus-jahrein ihre Felder und Wiesen selbst wässern. Ich hatte einen Schulkollegen, der zeitweise die ganze Nacht unterwegs war wegen dieser Aufgabe. In den Dörfern gibt es eigentliche Stundenpläne. Und sie werden strikte eingehalten. Wer Wasser über die Zeiten hinaus auf sein Land leitet, ist ein Verbrecher und wird im ganzen Dorf geächtet. Das tut keiner, kann sich niemand leisten.

Und wenn ich dann aus dem trockenen Wallis jeweils bei meinem Grossmütterchen hier in ... in den Ferien weilte, war ich erstaunt, wie oft es regnen kann, wenn man den lieben Gott nur machen lässt. Regelmässig, wenn wir ins Städtchen einkaufen gingen, war der Asphalt nass. Auf den kleinen Wegen und in den Steinzwischenräumen wuchs echtes, weiches Moos. Die Strassen waren sauber und ohne Staub. Das fand ich doch alles ziemlich zivilisiert. Es war geradezu herrlich. Aber natürlich wurden die Ferienpläne auch oft unterbrochen oder verhindert durch schlechtes Wetter. Das war für mich neu und ungewohnt. Und dann gab es da noch diesen Unterschied, den ich wohl schon öfters beschrieben habe. Im Wallis war das Trinken eine wohlgeschätzte Sache. Jeder konnte das verstehen, wenn einer trank, auch wenn er ein bisschen zuviel trank. In der Hitze des Wetters war doch leicht möglich, dass einer ein paar Bier zu schnell schluckte. Und wenn er dann etwas laut und überschwänglich, lachten alle auf der Strasse und grüssten ihm vergnügt zu. Hier in ... würde ein Beschwipster auf der Strasse mit eiskalter Verachtung bestraft, dass ihm gleich der Schluckauf käme.

Und soeben höre ich im Kopierraum von meinen Mitarbeiterinnen, wie enttäuscht sie sind wegen des schlechten Wetters über die Tage von Auffahrt bis heute. Nicht mal ein kleines Barbecue könne man machen. Es sei eine wahre Schande. Ja, das Wallis hat es besser! Sie können dort jede Menge Barbecues machen. Und sie können mit dem lieben Gott hadern, weil er ihre Matten vertrocknen lässt.

Du meinst, es interessiere mich nicht, dass deine Gudrun umzieht. Na ja, erstens setzt du hinter 'beste Freundin' ein Fragezeichen. Allein daraus könntest du bestimmt ein Buch schreiben. Ist sie jetzt deine beste Freundin oder ist sie es nicht? Wirst du sie vermissen? Vielleicht kannst du sie in Stockholm jeweils besuchen und du hättest dort eine praktische Absteige? Ich bitte dich, es ist doch nicht einfach so, dass mich etwas interessiert oder nicht interessiert. Ach, was erkläre ich da. Das weisst du doch alles selbst.

Ich hatte mal in Zürich für kurze Zeit eine Freundin namens Gudrun. Na ja, Freundin ist vielleicht viel gesagt. Sie war eine Bekannte, die zeitlich befristet in Zürich weilte. Wir haben uns zwei oder dreimal getroffen. Ist ja wirklich nicht viel. Sie war sehr anständig. In ihrem ordentlich aufgeräumten Zimmer hatte sie eine grosse Schlale voller Zigarettenpäckchen HB. Und sie hatte einen persischen Freund, der im Iran lebte. Ich glaube, sie zeigte mir sein Foto. So platonisch war unsere Beziehung. Gudrun ist mir vor allem in Erinnerung geblieben, weil sie mich, bevor sie dann nach einigen Monaten wieder nach Deutschland zurückging, nochmals anrief, um ein kleines Abschiedsessen zu vereinbaren. Wir gingen - wohl auf meinen Vorschlag - in die Walliserkanne, ein dunkles Restaurant im Niederdorf, wo man vor allem Käsespezialitäten und ziemlich rustikale Dinge essen konnte. Sie war nett, meine Gudrun. Und ihr Name blieb mir immer ein Rätsel. Gudrun, das klingt irgendwie nordisch-geheimnisvoll. Na also, ist vielleicht eine etwas lose Assoziation zu deiner besten (?) Freundin Gudrun!

Ist schade, dass die 4 Tage Auffahrt bis Sonntag schon vorbei sind. Ich hatte ein bisschen im Garten gearbeitet. Im moment gehe ich in den Garten und lasse die kleinen Spaziergänge bleiben. Bloss gestern Abend war es so nass im Garten, dass ich meinen Spaziergang gemacht habe. Dabei hatte ich eine lustige Idee. Ich habe gedacht, dass diese Spaziergänge doch eigentlich Hundespaziergänge sind. Damit meine ich, dass Menschen, die einen Hund haben, solche Spaziergänge machen: regelmässig, kurz, täglich, gleiche Route. Und weil ich ja nun keinen Hund habe, ist mir ein Witz jenes etwas merkwürdigen Mannes eingefallen, der stets seine Zahnbürste an einer Schnur hinter sich hergezogen hat, um zu behaupten, das sei sein Hund. Er kam in die Psychiatrie und man versuchte, seinen Wahn zu heilen. Schliesslich war er soweit, dass er entlassen werden konnte. Im Schlussgespräch fragte ihn der Arzt, ober jetzt sicher und gewiss sei, dass dies eine Zahnbürste und niemals ein Hund sei, den er hinter sich herziehe. Es sei alles absolut klar. Das sei kein Hund, sondern eine Bürste, gab der Expatient zu verstehen. Man verabschiedete sich. Beim Gehen gab der Mann zu bedenken, dass er sicher sei, dass die Bürste kein Hund sei. Aber was gibt ihm die Garantie, dass die andern Menschen dies auch wüssten?

Kurz und gut. Wenn ich durch das Einfamilienquartier hier walke, ziehe ich in Zukunft in Gedanken eine Zahnbürste hinter mir her. Das hilft meiner Motivation, überhaupt zu gehen und diese tägliche Mühe auf mich zu nehmen. Und natürlich hoffe ich von den Passanten, die mich sehen, dass sie glauben, dies wäre mein Hund. Es muss ja nicht gleich ein Berhardiner sein! Ich werden dann bestimmt an den Zaunecken stehen bleiben, um dem kleinen Köder die Gelegenheit zu geben, sein Geschäftchen zu machen. Soll ich bloss eine rote oder eine blaue Bürste nehmen?

Du siehst, wieviel Quatsch man in 15 Minuten schreiben kann. Ich hoffe, dass reicht bis Pfingsten?
MLG
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