Subject: Nochmals...
Date: Thu, 19 Feb 2004 14:04:49 +0100
Lieber ...,
Ich warte immer noch auf die Handwerker. Das gehört wohl dazu. Habe eine Weile auf der Terrasse gesessen. Der Himmel ist leicht beschleiert, also kein scharfes Sonnenlicht. Im Blumenbeet leuchten Schneeglöckchen. Ich versuche mir einzubilden, dass ich nie mehr in den Beruf muss. Es will mir nicht richtig gelingen. Ich glaube wirklich, man sollte sowas beizeiten üben.
"Le présent n‘est qu'une membrane entre le passé et le futur." sagt Ungerer. Das ist schön und gut ausgedrückt.
Lustig, wie du über Rilke schreibst. Ich glaube nicht, dass man einen Menschen so sehr mit seinem Werk gleichstellen sollte. Tust du ja auch nicht. Denn Rilkes Werk ist viel mehr als er selbst je sein könnte. So war es doch auch mit Mozart. Die schönen tiefen Gedanken, die seine Musik bei uns erweckt, waren sicher nicht in seinem Kopf als er sie schrieb. Ich glaube fast der liebe Gott (oder das Schicksal, wenn du das bevorzugst) wählt einen Menschen zu seinem Instrument aus und spielt darauf seine schönen Melodien. Die schönsten Gedichte, die ich kenne, hat Rilke geschrieben.
Warum traust du ihm nicht zu eine Frau mit Fleisch und Blut geliebt zu haben?
Er hatte doch die Auffassung "... dass Liebe eigentlich Ferne und Verzicht ist." Ich würde es vielleicht nicht Liebe nennen, das was er da beschreibt.. aber vielleicht "maladi". ;-)) Denn Maladi ist Sehnsucht nach einer Liebe, die nicht möglich ist. Man muss kein hässlicher Mann sein, der Schwierigkeiten mit dem anderen Geschlecht hat, um von Maladi betroffen zu werden. Ganz im Gegenteil. Nun lachst du wohl.. denke ich.
*
Jetzt war der Handwerker endlich hier und hat ein bisschen gemessen. Und jetzt ist er verschwunden um das notwendige Material zu kaufen. Handwerker sollte man sein. Dann ist man König.. und verdient sicher auch königlich. :-)
So lasse ich dich nochmals. Kommst du eine Tasse Kaffee mit mir trinken?
Gruss und Kuss,
Malou
Subject: Letzter freier Abend..
Date: Thu, 19 Feb 2004 19:43:43 +0100
Lieber ...,
Heute verwöhne ich dich zu sehr. Ich weiss, und ich habe Angst dass du dir dabei den Magen verdirbst.
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Irgendwo habe ich gelesen, dass Ungerer, wenn er allein in ein Restaurant geht und ein Platz neben ihm frei ist, ganz einfach einen schon verstorbenen Freund einlädt dort mit ihm zu sitzen. Und er fühlt, dass dieser dann wirklich da ist. Machst du es auch so? Oder holst du dir Leute aus Fleisch und Blut an den Tisch? Vielleicht bist du auch gern mit deinen Gedanken allein.
Hast du auch gesehen, was Ungerer über NY schreibt? Scheinbar war er ebenso verliebt in die Stadt wie du. Die Stadt muss etwas besonderes an sich haben.
Heute ist mein letzter freier Abend. Ich meine der letzte an dem ich hier allein bin und dir ungestört schreiben kann. Zehn Tage lang wird es dann nicht so sein. Und du? Wirst du nächste Woche deinen Wunsch wahr machen und verreisen? Ganz frei bist du wohl nicht, oder?
...

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