Sonntag, 18. März 2012

Back in town

Ämne: backintown
Datum: den 4 mars 2004 20:46

Liebe Malou
Soeben wind wir aus dem Schwarzwald zurück. Es war ganz gut. Nach bloss 3 Tagen hat man den Eindruck, eine ganze Woche weg gewesen zu sein. Auf alle Fälle deuten die Kilos, die ich zugelegt habe, auf eine satte Woche.

Wir waren in einem Hotel am Fusse des Feldberges. Das ist offenbar der höchste Berg des Schwarzwaldes. Und überall sind die Leute Ski gefahren.

Unser Hotel war ein altes, umgebautes Schwarzwaldhaus, sehr gemütlich und alles in Holz. Nur die Zimmerwände und die Böden wurden nachträglich gemauert, so dass man nicht vom Nachbarsraum her das Nebenprogramm im Fernsehen hören konnte. Das Badezimmer neu gemacht mit allem Firlefanz, und das Essen, wie gesagt, wunderbar. Wir haben lange nicht soviel und so gut gegessen. Die Leute waren sehr nett, sprechen ja auch beinahe denselben Dialekt wie wir Schweizer. Die Bedienung in der Tracht, so süss!! Und am Mittwoch hatte es auch durchgehend Sonne. Was will man mehr? Wir sind gewandert, daneben habe ich - abgesehen vom Essen - gelesen.

Und jetzt versuche ich, mich hier wieder zu orientieren: die Post, die Pendenzen, die Mails, all die Dinge, die noch herumliegen. Ach, das Leben hat einen schnell wieder. Und die Basler Fasnacht ist auch vorbei. Man sieht noch ein bisschen Schmutz, Konfetti da und dort. Aber im Prinzip ist das alles vorbei, was die Basler „die drei schönsten Tage im Jahr“ bezeichnen.

Ach, Du hast unsere Tauben angetroffen? Du meist, die Liestaler wären soweit nach Norden geflogen. Das glaube ich nicht. Wenn ich sie hier auf dem Dach sehe, denke ich eher, sie sind ein bisschen faul. Das muss eine andere Rasse sein, die bei Euch oben gurrt.
Na ja, die Briefe. Ich habe nicht viele alte Briefe aufbewahrt, obwohl ich früher viel geschrieben und auch bekommen habe. Ich fand das auch stets wundervoll, einen Brief zu öffnen von jemandem, den man kennt. Und damals hatte man auf solche Dinge montagelang gewartet, nicht war. Heute rutschen wir schon ungeduldig auf dem Sessel, wenn ein Mail ein paar Stunden überfällig ist. Ach, die Zeiten haben sich geändert. Stimmt, die Schrift war ein spezielles persönliches Merkmal. Ich sehe noch heute die Schrift jener Engländerin, mit der ich jahre- wenn nicht jahrzehntelang verkehrte. Ihre Unterlängen hatten eine spezielle Ausprägung. Und ich bewunderte immer die Regelmässigkeit der Schrift. Und dann wieder gibt es luftige Zeilen, die nur so daherstürzen und die man kaum lesen kann. Schade, dass die Schrift und das Schriftliche so sehr verloren gehen. Es hatte eine wunderbare Aura. Stattdessen haben wir es heute mit dem Tempo.

Gerade finde ich eine Fotokopie eines Zeitungsartikels. Es ist ein Brief eines berühmten Mannes an seine Frau. Ich frage mich, ob Du herausfindest, wer das gewesen sein könnte?
Er sagt dabei:

A. Du sorgst dafür,
1.) dass meine Kleider und Wäsche ordentlich im Stand gehalten werden
2.) dass ich die drei Mahlzeiten im Zimmer (Unterstrichen) vorgesetzt bekomme
3.) dass mein Schlafzimmer und Arbeitszimmer stets in guter Ordnung gehalten sind, insbesondere, dass der Schreibtisch mir allein zur Verfügung steht.

B. Du verzichtest auf alle persönlichen Beziehungen zu mir, soweit deren Aufrechterhaltung aus gesellschaftlichen Gründen nicht unbedingt geboten ist. Insbesondere verzichtest Du darauf,
1.) dass ich zuhause bei Dir sitze
2.) dass ich zusammen mit Dir ausgehe oder verreise.

C. Du verpflichtest Dich ausdrücklich, im Verkehr mit mir folgende Punkte zu beachten:
1.) Du hast weder Zärtlichkeiten von mir zu erwarten, noch mir irgendwelche Vorwürfe zu machen
2.) Du hast eine an mich gerichtete Rede sofort zu sistieren, wenn ich darum ersuche
3.) Du hast mein Schlaf- bzw. Arbeitszimmer sofort ohne Widerrede zu verlassen, wenn ich darum ersuche

D. Du verpflichtest Dich, weder durch Worte noch durch Handlungen mich in den Augen meiner Kinder herabzusetzen.

Voilà! Das ist ein scharfes Bombardement, Szenen einer Ehe.
Ach, was sind wir doch glückliche Menschen!

Mit lieben Gs und Ks
..

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