Mittwoch, 21. März 2012

Montag Morgen - 07:04

Subject: momo
Date: Mon, 7 Apr 2003 07:04:50 +0200

Liebe Marlena
Ich habe nur ein klitzekleines Bisschen Zeit heute morgen. Muss sofort nach
Basel weiterfahren, wo wir die Sitzung haben. Wenn ich nach 07.00h losfahre,
komme ich in den Stau und strapaziere meine Nerven. Das mag ich nicht, schon
gar nicht gleich am Montag Morgen.
Es ist auch hier kühl geworden. Der Himmel iost zwar blau und nur wenig
bewölkt. Doch während der Nacht war es mindestens -2°. Ich frage mich, was
mit den Pflanzen passiert ist, die wir bereits hinausgestellt haben. Nun ja,
sie stehen zwischen den Häusern, wo sie etwas geschützt sind.
*
Gestern war ich allein bei Onkelchen. Und ich habe auch selbst gekocht. Hör
mal an, gekocht! Nun ja, einige Dinge waren bereits vorbereitet. Ich meine,
den Reis hatte S schon zubereitet: Tomatenreis mit Bohnen, meine
Lieblingsvariante. Un auch den Salat hatte sie schon gewaschen. So musste
ich nur noch den Fisch anbraten. Das ist gut gelungen. Auf jeden Fall fand
O. das alles köstlich, auch die vorbereitete Crème . Kurz und gut, ich
musste nur den Kaffee selbst anbrühen. Und etwas Maionnaise in der Tube
haben wir in einem Kasten auch noch gefunden. Es war köstlich. Nächstes Mal
wollen wir wieder einmal auswärts essen. Eigentlich hatte er mich eingeladen,
unter Männer sozusagen, ins Restaurant zu gehen. Doch ich habe mit Hinweis
auf  S diesen Anlass verschoben. Es ist gut, wenn S. dabei ist,
schliesslich macht sie die Hauptarbeit. Und so soll sie das Restaurant
geniessen. Onkelchen macht sich immer ganz chick, wenn wir auswärts gehen,
zieht die schönste Kravatte an und den besten Anzug. Und beim Bestellen ist
er nicht kleinlich. Früher, als er mit seiner Frau unterwegs war, haben sie
natürlich Lokalitäten berücksichtigt, die auch bei ihnen eingekauft hatten.
Und da ging es nicht an, sparsam zu erscheinen. Sie gaben ihr Geld
grosszügig aus. Und das tut er noch heute. Er beginnt gleich am Anfang mit
einem Champagne, wählt dann mindestens drei Gänge, und ist auch beim Wein
während des Essens nicht kleinlich. Einzig mit der Tatsache, dass seine
Zähne nicht mehr die besten sind, hat er zu kämpfen. Er kann nicht schnell
essen. Und die Portionen sind so gross, dass er Mühe hat, sie zu beenden.
Und das wiederum kann er nicht aufgeben. S. hat die letzten Male veranlasst,
dass man ihm die Resten einpackt. Das hat ihn dann beruhigt. Doch in
neuerer Zeit bekommt er die Mahlzeiten von auswärts. Und so hat er zuhause
kaum mehr Gelegenheiten, Reste aufzuessen. Jedesmal kommt gleich eine neue
Portion.
Ist es nich gut, das alles zu wissen. Wenn wir mal alt und zitternd vor der
Tür stehen, um im Kesselchen die Mahlzeiten entgegen zu nehmen, dann wissen
wir schon, worauf es ankommt. Es ist auch gut, eine gefrässige alte Katze im
Haus zu haben. Sie hilft, die Resten zu vertilgen und schnurrt einem die
Einsamkeit von der Seele.
*
Bald ist Ostern. Ich hoffe, das Wetter wird wärmer und freundlicher. Das ist
doch, was wir alle wünschen. Schnee um Ostern ist wie Nachsitzen in der
Schule. Es ist eine herbe Strafe, und niemand lernt was dabei.
*
Mittlerweile ist sieben geworden. Heute abend haben wir im Club
Generalversammlung. Das ist, nach einer turbulenten Diskussion ums Budget,
immer vor allem ein grossen Fressen. Ich hungere mich ein bisschen durch bis
abends, damit ich dort nicht wie Onkelchen am Tisch die Teller anknabbern
muss.
Ich wünsche Dir einen schönen Wochenanfang.
Mit einem lieben Gruss
...

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