Montag, 22. November 2010

Mystikerin?

Bist du eine Mystikerin, Marlena? Als Rilke-Liebhaberin musst du das haben, diese Nähe zur Jenseitigkeit, zum Überirdischen, zum Platonischen. Das hat auch was Lebensfremdes an sich. Fühlst du dich als eine Frau des praktischen Lebens oder als eine, die sich zum Mystischen hingezogen fühlt? Auf dem Foto, das du mir per e-mail gesendet hast, schaust du auf eine gewisse weise in die Ferne, ins nirgend wohin, was durchaus mystisch wirkt, ein bisschen weltverloren, muss ich sagen. Und dabei kommt mir in den Sinn, dass ein Freund und Kunstkenner über meine ersten Bilder gesagt hat, sie hätten etwas Mystisches an sich. Manchmal habe ich den Eindruck, ich sei nicht von dieser Welt. Und dabei bin ich nicht einmal so unpraktisch. Ich finde, ich wäre an sich ein guter Handwerker geworden, wenn das mein Lebensweg gewesen wäre. In meiner Jugend habe ich viel gebastelt und gehämmert und genagelt, alles praktische Dinge. Und die Idee, Architekt zu werden, ist zumindest zu 50% ein durchaus praktisches Vorhaben, denn ein Haus muss solide und stabil gebaut sein, sonst sollte man es lieber vergessen. Und man baut es aus soliden und kompakten Steinen meist, oder vielleicht aus Beton. Das ist doch praktisch und materiell, wie es praktischer und materieller nicht sein könnte!

Dieses Wochenende haben wir Besuch. Ein Paar kommt aus dem Tessin, aus dem Süden der Schweiz. Vielleicht habe ich nicht sehr viel Zeit, an „meinem Tagebuch" zu „arbeiten". Aber ich freue mich, von dir zu hören. Und ich bin zuversichtlich, dass du mich mit deiner Erkältung nicht anstecken wirst.

Mit einem lieben Gruss
...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen