Fortsetzung
Das hat mir auch gut gefallen, wie Du Dich in meinen Fantasien eingenistet hast. Na klar, wir werden später einmal im Süden leben und ab und zu werde ich Dich besuchen, oder umgekehrt. Ich werde Dich natürlich auch porträtieren, unter dem Titel "Die Schöne aus dem Norden". Aber das soll nicht geschehen, wie beim jungen Fräulein, das so schweigsam ist. Es soll eine schöne und lebendige Diskussion sein. Es soll ein vergnügtes Hin und Her geben. Ich will keinesfalls allein referieren. Das mache ich absolut nicht gerne. Ich höre gerade so gerne zu wie Du. Aber ich muss Dich doch warnen. Wenn man jemanden liebt, ist es sehr schwierig, die Person zu malen. Kannst Du Dir das vorstellen? Man ist dann gebunden mit unzähligen Rücksichten und subjektiven Gefühlen, so dass man gar nicht frei und herzhaft die Person wahrnehmen kann. Man will ihr kein Unrecht antun. Alles ist mit süssen Schleiern halb verhüllt. Und das macht keine guten Porträts. Ich habe das lange nicht begriffen. Aber beim Malen ist das grösste Problem die richtige Distanz, oder die richtige Nähe, wie man es nimmt. Man darf der Person nicht zu nahe stehen, durch Gefühle oder andere Bindungen oder Abhängigkeiten, aber man darf natürlich auch nicht zu entfernt sein, sonst fehlt das Interesse und der Eifer. Wenn, dann muss man sich eben in einer Diskussion nähern und in die richtige Position bringen. Man muss sich gut positionieren, in einem psychologischen Sinne.
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Sonntag, 14. November 2010
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