Samstag, 26. August 2017

Tragische Heldinnen


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Tragische Heldinnen sind bleich. In einem solchen Satz können wir uns treffen. Man könnte darüber einen geistreichen Essay schreiben. Kannst du dir Jeanne d'Arc mollig und mit roten Wangen vorstellen? Nie im Leben! Oder Medea, die nun wirklich eine sehr tragische Gestalt ist.





Es gibt im Basler Antikenmuseum einen spätrömischen Sarkophag, wo die tragische Medea auf einer Seite im Halbrelief dargestellt wird. Die ganze tragische Geschichte, wie sie ihre Nebenbuhlerin durch vergiftete Kleider hinrichtet und wie sie schliesslich in einem göttlichen Gefährt entschwebt. Es ist das schönste Stück im ganzen Museum, und manchmal gehe ich am Sonntagmorgen dorthin, nur um dieses eine Stück anzuschauen. Es ist ein ganzes Reliefband, die Länge des Sarkophages, also in ein einziges Stück Stein gehauen. Und wenn du links zu lesen beginnst, dann ist zuerst die Hochzeit Iasons mit Gauke, der Tochter des Königs von Korinth zu sehen. Medea schickt der Nebenbuhlerin ein mit Zaubermitteln vergiftetes Gewand, das beim Anziehen in Flammen aufgeht, so das Gauke und Iason, der ihr zu Hilfe eilt, verbrennen. Um die Rache an dem ungetreuen Gatten zu vollenden, tötet sie auch ihre beiden Kinder, bevor sie auf ihrem von Drachen gezogenen Wagen entflieht. Es gibt auch ein dramatisches Bild von Delacroix im Louvre, wo sie im Begriffe ist, ihre Kinder zu töten. Ich habe es ziemlich genau in Erinnerung. Dort schaut sie sehr tragisch die erschrockenen und vielleicht schockierten Louvre-Besucher an. Es scheint ihr wirklich ernst zu sein mit ihren Kindern. Und als braver Bürger der Moderne möchte man intervenieren und ihr das Messer aus der Hand reissen. Aber das wagt man nicht, denn sie ist kolossal und bleich.

Und bei diesem Sarkophag, wenn du ein paar Schritte zurücktrittst, siehst du, wie das Band von links nach rechts ziemlich ruhig anfängt. Es gibt diese vielen Figuren, alle ihre Köpfe auf gleicher Höhe (sie sind geordnet und deuten eine Menge an, es gibt dafür einen Namen in der Kunstgeschichte). Und zur Mitte hin wird die Szenerie immer nervöser und unruhiger. Du hast den Eindruck, der Stein ist elektrisiert, und dann nach rechts, zum wunderschönen Wagen Medeas hin, beruhigt sich alles wieder. Es ist wirklich ein wunderbares Stück. Ich weiss nicht, woher die Basler sowas haben. Natürlich ist darin der spätgriechische Einfluss sehr sichtbar, helenistisch heisst das. Es ist also für ein römisches Stück schon sehr fein, eine Spätentwicklung. Da waren die Römer schon ziemlich verweichlicht und verzärtelt, hat man den Eindruck. Das ist schon ihr fin de siecle, ihr langsamer Niedergang nach Augustus
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Wenn du mal nach Basel kommst, würde ich dir dieses Stück zeigen. Ich hätte noch anderes, aber das würde ich dir zeigen. Es ist einmalig schön und fast ohne Beschädigungen erhalten.
Aber wir hatten es doch von den bleichen tragischen Heldinnen. Und von deinem schönen und wahren Satz. Alle, Antigone, Elektra, Iphigenie waren sie bleich, bestimmt waren sie bleich. Ich glaube, das muss auch irgendwo in der kunstgeschichtlichen Literatur zu lesen sein. Das Problem ist, wo sind die modernen tragischen Heldinnen? Vielleicht Marilyn Monroe oder Diana? Auch sie waren ja weiss Gott bleich? Claudia Schiffer, mehr als bleich. Wo sind sie sie denn geblieben, die tragischen Heldinnen? Sind denn das wirklich Heldinnen?

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Also, ich schicke dir diese Post, meine liebste blutrote Freundin. Ich wünsche dir nochmals einen schönen Tag. Und vergiss mich nicht, ich bitte dich.

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1 Kommentar:

  1. Liebe Freundin,
    gern, sehr gern lese ich und lerne dabei, nein, ich vergesse dich nicht, lächel...
    Wir wirken momentan sehr im Garten (Holz für den Winter vorbereiten), die Hecken verschneiden usw. Es ist viel Arbeit über die Jahre liegen geblieben. Aber noch lädt das Wetter nach Draußen ein.
    Lass es dir gut gehen...
    Herzlichst, Edith

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