Freitag, 11. August 2017
Bonjour bonheur.. :-)
Subject : Bonjour bonheur.. :-)
Date : Sat, 19 Aug 10:18
Lieber ...,
Es ist früh am Morgen und alle schlafen noch. Du weisst wie ich diese Morgenstunden liebe wenn die Welt um mich herum ganz still ist.
Vor mir auf dem PC-möbel steht auch die Karte mit den zwei Elchen die sich so lieb begrüssen. Es sieht so zärtlich aus und genau so möchte ich es nun auch mit dir tun.
Dein letztes Mail war nicht gerade nett. Ich habe den Eindruck du warst mir ziemlich böse und ich kann wirklich nicht verstehen warum.
Natürlich weine ich nicht wenn ich deine Mails (mit -s) lese. Im Gegenteil. Aber das letzte (das ich beantwortet habe) hat mir die Tränen in die Augen getrieben so wie dir damals im Chat. Ich hatte eine zeitlang das Gefühl du wärest von mir emigriert und nun warst du wieder ganz bei mir. Es waren mehr Tränen vor Freude. Nun, ich werde nicht mehr wegen dir weinen. Ich werde versuchen alles so zu arrangieren dass es mir nicht mehr passiert.
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Das was du über Worte und Gefühle schreibst ist eine interessante Theorie über die ich sicher stundenlange mit dir diskutieren könnte. Am liebsten im Real-life. Denn hier kann es ja keine Diskussion werden sondern eher eine Beschreibung unserer eigenen Auffassung. Du bist ja doch schliesslich ein Expert auf diesem Feld :-)
Das was ich nun schreibe ist mehr als Spass.. Werde mir bitte deshalb nicht böse.
Worte sind wichtig, sagst du immer. Und natürlich sind sie es in grossem Mass hier im Mailen. Es ist das einzige was uns verbindet. Und woher finden wir diese Worte? Warum möchten wir sie gern dem anderen sagen? Weil unser Gefühl uns dazu veranlasst.
Nun, ich messe den Worten nicht so grosse Bedeutung zu. Es könnte etwas darin liegen - kann aber auch wieder ganz anders sein. Auch glaube ich dass Männer und Frauen hier etwas verschieden sind.
Ihr Männer bastelt ein bisschen an der Welt. Wollt dem lieben Gott an seiner Schöpfung helfen. Zerlegt die Welt in kleine Bestandteile - Worte - um sie dann wieder zusammensetzen zu können. Manche, weniger geschickte als du, verlieren vielleicht dabei ein paar Stücke, kriegen es nicht mehr richtig hin weil plötzlich etwas fehlt. Oder weil sie nicht mehr wissen wohin alle Stücke im Puzzel gehören.
Wir Frauen sehen wohl die Welt genauso wie ihr. Wir betrachten sie und freuen uns darüber. Alles ist schön und gut. Es existiert schon. Wir müssen es nicht erst erfinden. Wir beschreiben sie vielleicht - auch mit Worten - aber wir bauen sie nicht.
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Ja, ich hatte etwas Angst du könntest nun woanders sein. Du versteht mich schon. Alle diese Menschen die dir täglich gezeigt haben wohin du gehörst, welches deine Pflichten sind - wo man seine Siesta verbringen soll etc. Es gibt natürlich auch andere Stellen wohin du dich verirrt haben könntest. ;-)
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Nein, ich hatte keinen Gedanken an meinen Brieffreund als ich das Reiseziel wählte. Er existierte eigentlich nur mehr als Namen in meinem Gedächtnis. Aber ich hatte nichts zu tun als Anna im Pool schwamm und so kam mir die Idee nach ihm zu fragen. Ich dachte ein Musiker und Künstler müsste doch auf dieser Insel allen bekannt sein. Ich hatte nicht das Gefühl mit einem Mann Kontakt aufzunehmen, sondern eher mit meiner eigenen Vergangenheit.
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Ja, ich wollte mal Sängerin werden. Eigentlich war es nicht meine Idee. Es waren immer andere die mir sagten ich müsste das tun. (---)
Aber weisst du, ehrlich gesagt, ich kann nicht gut singen. Und wenn ich gesagt habe ich hätte eine Stimme wie Lys Assia dann ist das auch falsch. Ich kann sie ziemlich gut imitieren, aber es ist nicht meine eigene Stimme.
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Die erste Woche ist also vorüber und ich (auch meine anderen Kollegen) waren so ziemlich kaputt gestern. Auch habe ich mir noch Arbeit mit nach Hause gebracht. Dringende Bücherbestellungen und dergleichen. Die kleine aus Canada ist nicht mehr an unserer Schule. An ihrem Platz in unserem Zimmer (neben dem etwas düsteren G) sitzt nun ein Amerikaner der bei uns Englisch gibt. Er ist ein sympatischer Mensch scheint es mir, immer freundlich und hilfsbereit. A. hat mich begrüsst, wie du es getan hättest, mit einer grossen Umarmung. Er ist wirklich ein aufrichtiger Freund von mir. Und es ist schön einen Menschen um sich zu haben von dem man weiss, dass er dieselbe Einstellung in beruflichen Dingen hat wie man selbst. (Die meisten haben sie aber man trifft sie selten, nur beim Freitagskaffee).
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Heute Abend werden wir nochmals an einem Krebsfest teilnehmen. Diesmal sind wir von unseren Nachbarn eingeladen. Das ist bequem.. man hat nicht weit nach Hause.. ;-)
Ich werde dir später wenn ich mehr Zeit habe mehr davon erzählen wie man es feiert.
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Ach ja, noch etwas. Ich fühle mich absolut nicht als Sklave d.h. in meinem Privatleben. Wenn ich was backe für meine Gäste dann ist es mir eine Freude dies zu tun, denn ich liebe es meine Gäste zu verwöhnen. Auch Anna ist froh wenn ich es tue und möchte gern mithelfen. Diese ”Jimmys Träume”, wie sie heissen sind so dass sie immer zwischen den Zähnen steckenbleiben. Deswegen vermute ich dass das Rezept von einem Zahnarzt stammt der sich neue Kunden verschaffen will ;-)
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Ich will mich nicht beklagen über mein Schicksal. Meisten bin ich ein glücklicher Mensch. Alle tragen ihre heimliche Last, oft staunen wir wenn wir später darüber erfahren. Es gibt schwere Dinge in meinem Leben und du weisst davon. Aber sie sind ein Teil von mir geworden.
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Gestern hast du mich im Chat gesehen als ich in der Mailbox nach etwas von dir suchte. Leider wusste ich nicht dass du dort warst (wieder gleichzeitig :-) Es hätte mich sehr gefreut ein paar Worte mit dir wechseln zu können.
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Muss nun dies abschicken damit du es bekommst bevor du dein Büro verlässt.
Schreibe mir bitte bald wieder
G+K
Marlena
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