Lieber ...!
Ich konnte kaum meinen Augen trauen als ich deine Mails entdeckte. Ich kam gerade, in ein Badehandtuch gewickelt, aus dem Badezimmer und Anna fragte: soll ich was nachschaun bevor ich rausgehe (aus dem Internet). ”Kannst du ja machen... aber es ist noch nichts da..” Und dann waren da plötzlich diese kleinen roten Pfeile vor deinem Namen und ich konnte es fast nicht glauben.
Ja, ich verstehe, dass die Umstellung für dich nun ziemlich gross sein muss. Und vielleicht sollte ich dir erst etwas Ruhe lassen ;-) bis du dich wieder eingearbeitet hast. Doch ich kann es nicht. Habe dich so lange vermisst. Deine schönen lieben Mails, all diese Worte die so tief in mein Inneres dringen.. dein wunderbarer Humor, der mich lächeln und lachen lässt. Wie könnte ich freiwillig darauf verzichten. Auch habe ich das Bedürfnis mit dir zu ”sprechen”. Es ging einigermassen gut oben im Norden, aber als ich wieder nach Hause kam wurde es immer schlimmer..
Du hast richtig gesehen. Im Liegestuhl mit einem guten Buch.. aber nicht nur das. Ich werde dir dann mehr darüber erzählen. Die letzten drei Tage meiner Ferien habe ich sehr genossen und ganz zu meinem Eigentum gemacht. (K war schon seit Montag weg). Das Wetter war so herrlich, mit strahlender Sonne und wir sind an einen See gefahren und erst immer spät am Abend zurückgekehrt. Kannst du dir das vorstellen, vier Personen in Liegestühlen, jeder tief in ein Buch vertieft (ich liebe diese stille Gemeinsamkeit sehr) und wenn man aufschaut ist es da, das glitzernde Wasser und die schöne grüne Natur.
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Am Donnerstag ging es los. Es war ein Tag mit verschiedenen Vorträgen. Man ist es nicht mehr gewöhnt so lange still zu sitzen. Zum Glück kann man sich schriftlich mit dem Nachbarn unterhalten ;-)
Erst am Dienstag kommen dann die ersten Schüler und die wirkliche Arbeit beginnt. Vorher kann ich manchmal etwas nervös sein, so wie ein Pferd dass auf die Rennbahn muss. Aber wenn ich sie dann sehe, die jungen Leute, ist alles wie es sein soll. Man hat mir aus Versehen (glaube ich) ein bisschen zu viel Stunden gegeben und ich werde versuchen eine Klasse einem Kollegen zu überlassen sonst weiss ich dass ich überhaupt keine Freizeit mehr haben werde.
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Bevor ich dich kennenlernte, wusste ich sehr wenig von Iran und nun habe ich fast den Eindruck das ich dort gewesen sei. Du hast meine Welt wieder grösser gemacht, meinen Horizont erweitert. Ich möchte dir auch dafür danken.
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Was für Worte machen dich traurig, mein Liebling? Ich will doch nur etwas Positives in deinem Leben sein. Vielleicht hast du manchmal Angst dass ich mehr will als du geben kannst. Aber so ist es nicht. Ich kenne unseren Turm so gut. Ich kenne die §§§ die unsere ”Mausfreundschaft” umgeben (obwohl es mir auch Spass macht sie manchmal zu ignorieren). Ich kenne sie doch, diese unausgesprochenen, heimlichen Grenzen. Du musst dir keine Sorgen machen deswegen, chéri. Manchmal tut es sehr weh.. aber es ist es doch wert.
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Ich habe dir schon vorige Woche geschrieben. Eigentlich wollte ich das Mail aufheben für später, für einen Tag an dem ich nicht zum schreiben komme, damit du deinen bekannten ”Hunger” stillen kannst. Aber es gehört irgendwie mit deinem ”Fliegen-mail” zusammen und so hänge ich es hier unten dran.
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Ich werde besser aufpassen müssen, dass ich dir nicht gleich wieder dein neues ”nüchternes” Leben mit einem Doppelten Grogg verderbe. ;-)
Vai Khodah! Ich liebe dich!
Marlena
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