Montag, 14. August 2017

Liebe, Musik und Politik



Subject: Re: 12 Stunden verspätet ... sorry
Date: Tue, 22 Aug 06:16


Liebe Marlena
Ich höre wieder die Kaas, aber ich habe nur die eine CD. Ich kann Dir also nicht sagen, was ich von ihr mehr mag als anderes. Ich habe noch wenig Auswahl. Ich mag ihre Stimme. Als Typ Frau mag ich sie eigentlich weniger. Sie ist für mich etwas zu bleich und blutleer. Ich frage mich, ob ich noch eine zweite CD klauen sollte, um mehr Auswahl zu haben. Aber ich glaube, da würde ich dich doch sehr erschrecken.
Ja natürlich mag ich Chansons vor allem wieder, seit ich Dich kenne und eine Beziehung habe zum Französisch. Aber ich wollte Dich natürlich nicht in diese schmutzige Geschichte hineinziehen und Dich sozusagen zur Mittäterin machen. Deshalb das Problem und Deine Frage, ob ich noch andere schwedische Lieben hätte.
Und ich verstehe jetzt Deinen Brief und die Verbindung vom Re: zum Anfang des Briefes. Das ist elegant gemacht, mein Schatz. Wenn Du das "et" oben hingesetzt hättest, wäre ich vielleicht draufgekommen. Du siehst, für mich darfst Du die Konstruktionen nicht zu kompliziert machen, sonst verstehe ich sie mit meinem kleinen Kopf nicht mehr ;--)
Und das Buch mit den französischen Proverbes ist sicherlich längst vergriffen. Es stammt aus dem Verlag Larousse und ist - glaube ich - 1961 herausgekommen. So etwas findet man bestimmt in Europa nicht mehr, bloss in einem verstaubten Second-Hand-Laden in Teheran. Ich habe mir noch einige Proverbes und Maximes notiert in meinem Tagebuch. Aber der Rest ist wohl verloren. Ich hatte gedacht, ich könne dann ab und zu das eine oder andere in meine Mails einflechten und meine Marlena hätte Freude daran. Ich gebe Dir ein paar Muster:

Si tu veux être apprécie: meurs ou voyage!

Pourquoi te servir de poison, si tu peux tuer avec du miel?

Mieux vaut vivre enchaîné près de celui que l'on aime, que libre au milieu des jardins près de celui que l'on hait. (Saadi)

La Fortune vient à pas de tortue, et fuit comme une gazelle.

Qui n'a pas d'enfant n'a pas de lumière dans les yeux.

La femme fidèle et la tourterelle ont un collier au cou.

Ich finde sie hübsch, und ich habe gedacht, ich würde damit wieder ein bisschen französisch lernen. Aber daraus wird jetzt wohl nichts!!!
On revient toujours à ses premiers amours. Das glaube ich trifft zu. Aber das merkt man erst, wenn man älter ist. Es gibt doch ein ähnliches französisches Wort: Plus que ça change plus c'est la même chose .. oder so ähnlich. Die PA meint, die Männer suchen in der Liebe Aspekte der eigenen Mutter, die Frauen Aspekte ihres Vaters. Ich glaube, das trifft schon einigermassen zu. Oder wenn man malt, merkt man sehr, dass alle neuen Bilder untereinander sehr viel Aehnlichkeit haben, obwohl man sich sehr angestrengt hat, etwas Neues zu malen, das heisst, einen neuen Stil zu finden. Man kommt zu sich selbst zurück, könnte man auch sagen. Die grosse Liebe ist diejenige, die so gross ist wie die erste, die man gegenüber den Eltern gehabt hat. Oder man reist in der ganzen Welt herum und landet zum Schluss wieder am Ausgangsort, in der alten Heimat. Auch das gibt es oft.

Ach Marlena, ich weiss nicht, ob Du meine politische Position wirklich ausmachen könntest. Ich wäre Dir sehr dankbar, denn ich kann sie je länger desto weniger. Als meine Mutter politisiert hat, war sie Liberal, aber auf der linken Seite, wenn ich das richtig sehe. Als ich meine erste Stelle hatte, habe ich mit einer jungen Sozialarbeiterin gearbeitet, die sehr sozialdemokratisch gedacht hat. Sie hat mich ziemlich beeinflusst, weil ich vorher eigentlich sehr privat gelebt hatte. Heute würde ich kaum in die Sozialdemokratische Partei eintreten, obwohl mein Chef dort Mitglied ist. Ich finde, die Freiheit umso wichtiger, je älter ich werde. Und je weiter man links denkt, desto weniger wird die Freiheit offen gehalten. Nun ja, wir sind ja im Moment in einer Zeit, da auch die Sozialdemokraten daran sind, ihre Perspektiven zu verändern, wie man in England sieht. Es geht um einen dritten Weg, zwischen rechts und links.
Ich war überigens sehr erstaunt, als ich vor einiger Zeit eine politische Analyse der Parteien in der Schweiz gelesen hatte. Die Sozialdemokraten rekrutieren sich heute vor allem aus Beamten des öffentlichen Dienstes, Lehrkräften etc. Und sie stagnieren zur Zeit etwas. Das macht mir keine Lust, dort beizutreten.
Ich bin in keiner Partei, meine Liebste. Oder anders gesagt, meine Partei hat bloss ein Mitglied. Vielleicht noch ein paar Anhänger, Mitläufer, aber nur ein zahlendes Mitglied. Ich bin eine Minipartei. Und weil ich in meiner Partei völlig allein bin, habe ich natürlich auch keinen Kosenamen. Absolut keinen. Ich glaube, ich habe nie einen gehabt. Das gab es in unserer Familie eigentlich nicht. Da sieht man bloss, wie nüchtern wir Schweizer sind.
Mit dem chérie bin ich etwas glücklicher als mit dem Schatz. Ich glaube einfach, man schmatzt zuviel mit dem Wort Schatz. Obwohl ich mich schon fast daran gewöhnt hatte, und es jetzt ab und zu brauche, weil ich Dir eine Freude machen will.
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Es regnet hier in Strömen, nachdem es so heiss gewesen war in den letzten Tagen. Das ist vielleicht gut für die Natur, aber ich bin noch nicht daran gewöhnt. Es ist toll, wenn lange Zeit schönes Wetter ist. Ich habe wirklich einen heissen Sommer hinter mir. Und alle Schweizer erzählen mir, dass der Sommer wirklich sehr nass und kalt gewesen sei. Ich kann es kaum glauben.
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Jetzt muss ich sehen, dass ich heim komme. Ich wünsche Dir einen schönen Abend und einen süssen Traum.
KKK


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