Samstag, 12. August 2017

Re: Bonjour bonheur.. :-)



Morgenfrische

Subject: Re: Bonjour bonheur.. :-)
Date: Sat, 19 Aug  11:56

Liebe Marlena
Ach endlich wieder einmal ein Mail mit ein bisschen "Fleisch am Knochen", so würde man hier sagen. So bist Du für mich präsent, wenn auch noch ein bisschen nüchtern. Immerhin.
Bitte, Marlena, ich war bestimmt nicht böse, im letzten Mail. Ich war vielleicht ungeduldig (du kennst ja wohl meine Schwäche) und aus der Ungeduld leicht provozierend. Auf jeden Fall musstest Du Etliches richtigstellen, nicht wahr.
Weißt Du, Marlena, ich kann es schwer ertragen, wenn ich höre oder ahne, dass es Dir nicht gut geht. Es ist irgendwie unerträglich, und wenn ich zudem nicht weiss, was es ist, dann kann ich es kaum ausstehen. Das ist eigentlich alles. So einfach ist es. Es ist doch gar nicht kompliziert.
Und was ich versuche, ist eigentlich nur, unsere Mausfreundschaft ein bisschen intensiver zu machen. Es ist doch nicht so kompliziert, was ich möchte. Aber Du hast Kopfschmerzen, bist müde, traurig und weinst über meinen Briefen nach 6 Wochen Ferien und Unterbruch. Ich verstehe das alles nicht so gut.
Aber Schatz, ich möchte nicht gerne Probleme aufwerfen und unangenehm sein. Am liebsten würde ich nur unsere Mails geniessen, die hin und her flitzen, und ich würde mich freuen zu hören, was Du erlebt hast und wie du froh und glücklich bist, und manchmal ja wohl auch unglücklich, wie es zum Leben gehört.
Und wenn Du sagst, es sind eigentlich Freudentränen, die Dir kommen, dann bin ich ja schon sehr erleichtert und würde sie Dir gerne von den Wangen küssen. So hatte ich es bestimmt nicht verstanden, denn gleich daneben hast Du von einer Traurigkeit gesprochen. Diese anderen Tränen kann ich schon verstehen. ---
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Und dann ist da deine Theorie über die Wörter, von denen man nicht zuviel halten sollte, und von den Männern, die mit Worten (und wohl auch mit Taten) wie wild konstruieren. Na ja, meine Liebste, ich hoffe, dass ich Dich recht verstehe.
Ich glaube schon zu verstehen, was Du meinst. Man sagt, das seien alles nur Worte, und Worte sind wie Rauch und so weiter. Aber in den Taten ist manchmal auch viel Rauch, und in den Gefühlen nicht weniger, das kann ich Dir aus meiner Arbeit verraten.
Aber wir beide sind doch gerade ein starker Gegenbeweis. Bei uns waren die Worte zuerst, dh. Gedanken, platonische Zärtlichkeiten, Beschreibungen, Liebesgedichte und vieles dazu. Und daran haben sich dann unsere Gefühle geknüpft.
Wir haben doch wirklich nur die Worte. Was wir machen, ist doch ein verbales Kunststück in Reinkultur.
Du sagst selbst, alles spielt sich in unserem Innern ab (die Vergangenheit, wie sie Walser definiert hat, psychologisch eigentlich). Finde ich auch. Und wenn es wieder aus uns rauskommt, hat es zu 80% die Form von Worten. Es mit den Mitmenschen zu teilen, gelingt fast nur in Form von Worten, dh. sprachlich.
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Nun ja, ich habe neben Deinen Worten noch zwei schöne Postkarten. Sie stehen beide auf meinem Bücherbrett. Die zwei Elche geniesse ich auch wirklich oft. Es gibt mir den Eindruck der Morgenfrische, wenn die Welt noch kühl und unverbraucht ist. Und dann die zarten Gesten dieser zwei doch ziemlich massigen Tiere. Das gefällt mir sehr. Und es gefällt mir auch, weil diese Tiere wirklich aus Deiner Heimat kommen und nirgendwo anders her.
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Ach, ich bin ein bisschen unglücklich über unsere Diskussion. Wenn Du mit deiner Reserve gegenüber Worten meinst, man soll sich nicht in Argumentiererei und wilden Diskussionen versteigen, dann hast Du bestimmt Recht. Ich merke schon, dass ich da hineingeraten könnte, und gleichzeitig möchte ich es meiden.
Aber ich möchte doch, dass Du glücklich bist, mindestens sehr zufrieden. Ich möchte, dass wir uns gegenseitig inspirieren mit unseren Mails. Und ich möchte, dass unsere Mausfreundschaft intensiv ist, so dass sie nicht vertrocknet.
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Ich erzähle Dir zum Schluss etwas Lustiges, oder Schlimmes vielmehr. Ich habe eine neue CD, von Patricia Kaas. Kennst Du sie? Bestimmt kennst Du sie. Sie singt sehr temperamentvoll, die Kaas. Ich brauchte wieder mal etwas Französisches, als Erinnerung an meine Schwedische Liebe. Nachdem mir das Buch mit den französischen Sprichwörtern abhanden gekommen ist auf dem Flug von Teheran nach Zürich. Und das Schlimme? Ich habe die CD geklaut. Schlimm, nicht wahr, in meinem Alter geradezu pervers!! Ich werde bei Gelegenheit einem armen Schlucker die paar Franken schenken, die sie gekostet hätte. Es soll nicht wieder vorkommen.
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Und jetzt, meine liebe Marlena, lass Dich umarmen. Ich danke Dir für dein langes Samstagmorgenmail. Hier spüre ich Dich wieder. So machst Du mir leicht, Dir zu schreiben. So möchte ich Dich in meiner Nähe haben.
Ich grüsse Dich und Deine Lieben und ich wünsche Euch ein schönes Wochenende
KKK
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