Sonntag, 13. August 2017
Oh, Schreck!
Date : Sun, 20 Aug 20:46
Lieber ..,
Ich arbeite am PC und so habe ich eben deinen letzten Brief erhalten. Oh, Schreck! Die Geschichte mit A muss sehr dramatisch gewesen sein. Aber weisst du, wenn es ein verschlagener Dieb gewesen wäre, hätte er sich schnell eine Kopie von dem Schlüssel machen lassen, um dann später mal in Ruhe das Haus zu leeren. Nun ist es sicher nicht so dieses Mal. Es waren junge Leute und wahrscheinlich war er/sie nur auf Geld aus.
Es ist sehr unangenehm wenn man die Schlüssel gestohlen kriegt. Auch Anna ist es vor ein paar Jahren passiert dass man ihr in der Bibliothek die Tasche gestohlen hat mit den Hausschlüsseln. Ich liess sofort einen Schlosser kommen und alle Schlösser austauschen. Dann wurde die Tasche wiedergefunden - in einem Papierkorb - und nur das Geld fehlte.
Sicher haben beide etwas gelernt dabei und werden es nicht so schnell vergessen.
Auch du hast mich so ziemlich erschreckt mit deiner Kleptomanie ;-) Denn hier ist es so, dass du wegen dem kleinsten Ding das du stiehlst registriert wirst und dein Ruf ist für alle Zukunft verdorben. Wie kannst du sowas riskieren, Schatz? Du lachst weil ich glaubte du hättest es meinetwegen getan. Ja, so dachte ich, denn du hast geschrieben : "Ich brauchte wieder mal etwas Französisches, als Erinnerung an meine Schwedische Liebe". Ich habe nicht gewusst dass du auch andere ”schwedische Lieben” hast. ;-)
Mein Brief begann mit der Überschrift. Es sollte also heissen: Je t’aime, mon amour, et tu m’as sauvé la soirée...
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Ach nein, chéri, ich habe grossen Respekt vor Worten. Man muss sie ernst nehmen.. wenigstens meine ;-) Ich meine, sie drücken eine Wirklichkeit aus aber sie schaffen nicht diese Wirklichkeit. Sie existiert schon. Dagegen vermitteln sie diese Wirklichkeit an eine andere Person. Aber während sie eine ”Wahrheit” vermitteln entstehen Gefühle.. da hast du auch wieder recht. Bist ein Schatz!!!
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Ja, ich habe mehrere Songs mit Patricia Kaas gefunden. Sag mir welche dir am besten gefällt und ich werde sehen ob ich sie auch finde. Wie schade, dass du das Buch mit den Sprichwörtern verloren hast. Aber vielleicht gibt es dieses Buch zu kaufen. Es wäre viel schlimmer gewesen wenn deine eigenen Tagebücher und Zeichnungen verschwunden wären. Das hätte ich sehr bedauert. Bist du sicher, dass es stimmt dieses: On revient toujours à ses premiers amours? Manche behaupten man sucht sein Leben lang seine erste grosse Liebe in anderen Personen. :-)
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Das mit Sängerin werden hätte ich schon tun können. Aber meine Eltern meinten eben dass ich zuerst einmal mein Studium beenden sollte bevor ich es tat. Und dann kam ich ja "aus Versehen" an die Lehrerhochschule :-)
Gestern waren wir bis spät bei den Nachbarn. Diesmal war es mehr eine gewöhnliche Einladung aber eben mit Krebsen als Hauptgericht. Hast du schon mal welche gegessen? Es ist eine ganze Zeremonie, dieses Krebsessen, und vielleicht liebt man sie so weil man sich anstrengen muss für jeden Bissen. ;-) Eigentlich feiert man das Fest im Freien, an einem warmen Augustabend, bei Vollmond. Man hängt grosse Lampions auf in der Form eines Mondes und natürlich gehört auch Schnaps dazu.
Etwas später (auch im August) kommen dann die s.g. ”surströmmingskalas” (Sauerheeringfeste) die am meisten von Leuten aus Nordschweden geschätzt werden. Zu dieser Jahreszeit kann man riechen wo jemand aus dem Norden wohnt ;-) Åke wird sicher auch wieder ein solches Fest für alle Surströmmingsliebhaber veranstalten.
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Du findest es komisch dass ich deinen Brief schön fand? Nun weisst du, wenn du mit mir wegen irgendetwas argumentierst dann werde ich doch deswegen nicht böse. Ich liebe es mit Leuten zu argumentieren. Meine eigenen Auffassungen werden dadurch geprüft und manchmal sehe ich sie nachher noch deutlicher. Ich lerne auch gern um. Ich sage von meinen eigenen Auffassungen meistens ”es könnte so sein” und es interessiert mich zu erfahren wie mein Gegner seine Auffassung begründet.
Manchmal hast du politische Anspielungen gemacht und ich glaube so ungefähr zu wissen wo du da stehst. Bei mir wirst du es schwer finden dies zu tun.. Meine Ansichten sind zu komplex um sich in rechts oder links einrangieren zu lassen. Früher war ich sehr an Politik interessiert, heute ist bei uns alles so gleich geworden dass man eigentlich kaum mehr die eine Auffassung von der anderen unterscheiden kann. Die Leute fragen sich: Wozu tauschen wenn doch alle dieselbe Politik führen.
Aber weisst du, ich möchte nicht über Politik mit dir sprechen. Unsere Zeit ist mir zu kostbar dafür.
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Nachdem ich dir mein letztes Mail geschickt hatte merkte ich dass ich wohl ein anderes ”Tempus” hätte wählen sollen. Also, beim Lesen der Mails im ST habe ich festgestellt ”que nous nous sommes aimés” (passé composé). Und man muss es immer wieder erneuern sagst du sonst verschwindet es.
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Ich wollte dir von Uppsala schreiben und so habe ich eben an diese Zeit zurückgedacht.. und nun gehen meine Gedanken ziemlich oft dorthin und immer mehr Erinnerungen tauchen in meinem Gedächtnis auf. Es war eine schöne Zeit in einem schönen Alter. Ich muss dir sobald wie möglich davon schreiben.
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Ja, ich beschäftige mich noch ein wenig mit dem Iran.. habe noch ein Buch wo ich über Sitten und Gebräuche lesen kann. Dann beginne ich auch mit Rom :-) Was mich so interessiert ist wie man unter einem solchen Regime lebt, vor allem diejenigen die es früher sehr gut hatten.. Ja, das Buch solltest du lesen. Es ist nicht grosse Literatur.. aber doch sehr fascinierend geschrieben.
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Einen Kosenamen möchtest du wissen? Ach, ich hatte so viele. Und du? Wie hat man dich genannt?
Sag mir, hat noch jemand ausser dir Zugang zu deiner Mailbox im Swisstalk? Das wäre nicht so gut.
Ich möchte dir noch etwas Liebes sagen. Manchmal wenn ich in der Nacht aufwache denke ich an deine Worte: "Du weisst nicht wieviel man in zwei Stunden küssen kann". Dann muss ich lächeln und versuche mir vorzustellen wie du das gemacht hast.
Ich sehnsuche dich und schaue oft in den ST ob du nicht doch vielleicht einmal dort bist. Aber heute Abend bist du vielleicht bei deinem lieben Onkel. Sicher hat er sich riesig gefreut als er dich nach so langer Zeit wiedersah.
Je te laisse, mon chéri, avec beaucoup de L M et B
Ecris-moi bientôt.
Marlena
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