Date: Tue, 15 Aug
Liebe Marlena
Letztes mal habe ich, so glaube ich, die Anrede vergessen. Weißt du, ich habe teilweise zuhause geschrieben, und ich wollte nicht gleich allen zeigen, dass ich meiner Marlena schreibe. Und zum Schluss, beim hineinkopoeren ins Hotmail, habe ich es wohl vergessen. Tut mir leid, meine Liebste. Nimm es nicht tragisch. Machst Du doch nicht, oder?
Heute ist mein zweiter Arbeitstag. Und ich bin immer noch nicht richtig im Geschäft. Ich bin zwar auch heute sehr früh erwacht und schon um 530h im Büro gewesen. Aber es geht alles noch ziemlich harzig. Das ist nich so wie bei Dir. Wenn die die neuen Gesichter siehst, dann packt es dein Herz und du bist wieder Feuer und Flamme für Deinen Beruf. Ich sehe hier fast nur Papier, und das packt mir nicht das Herz.
Habe ich Dir schon erzählt, dass eine Tante von S mir einen Job in Teheran angeboten hat. Sie ist Professorin für Psychologie an der Universität Teheran und sie ist sehr bekannt im Land, weil sie oft an Radio und Fernsehen auftritt. Sie hat gesagt, von den 60 Millionen Persern würden sie mindestens 40 Millionen kennen. Aber du weißt ja, die Perser schneiden manchmal auch ein bisschen auf. Aber trotzdem hat sie mir das Angebot gemacht, zusammen eine Klinik namens Pasdaran zu führen. Pasdaran ist das bürgerliche Quartier, wo wir gewohnt haben. Sie meint, es gebe hier genug reiche Leute und es gebe auch genug Probleme. Ich habe zwar kleine Einwände gemacht, dass man ja doch schon ein bisschen die Sprache sprechen sollte als Psychologe, oder dass man die kulturellen Bedingungen bestens kennen müsste. Aber sie fand, dass sich das alles schon geben würde und dass wir sehr erfolgreich sein könnten. Gerade in Schulpsychologie hätten sie zur Zeit im Land einen grossen Bedarf. Man würde mich sicherlich auch als Berater beiziehen. Und weil sie selbst im Gremium sitzt, das Praxisbewilligungen erteilt, sieht sie überhaupt keine Probleme.
Du siehst, wie es läuft. Es ist schon verlockend, eine solche Möglichkeit zu haben. Schliesslich ist das Leben und vor allem die Arbeit machmal ein bisschen grau hier in Basel. Aber andererseits gibt es hier die Sozialversicherungen, die Krankenversicherungen und all die Dinge, die wir nun schon soviele Jahre bezahlt haben. Ich war ja nie ein allzu grosser Abenteuerer und ich bin auch nicht mehr unbedingt in einem Alter für sensationelle Abenteuer. So haben wir uns zwar sehr begeistert gezeit, aber bedauert, dass unsere Kinder zuerst ihre Studien beenden müssten. Und das braucht nocht 5 bis 7 Jahre. Und das wäre ja dann bald einmal mein Pensionsalter. Dann sehen die Perspektiven wieder anders aus. Da würde ich ein solches Engagement schon wagen, mit einer guten Pension, in Schweizerfranken ausbezahlt. Man könnte sie ja praktisch mit 10 hochrechnen. Da hätte ich Leben wie ein Krösus in Teheran, mit meiner blossen Rente aus der Schweiz. Ich könnte damit noch einen ganzen Haushalt mit Gehilfen und Dienern unterhalten. Das wäre alles kein Problem.
Na ja, Marlena, du siehst, wie man so ins Träumen kommt. S weiss auch zu erzählen, dass viele UNO-Experten, mit denen sie damals zusammengearbeitet hatte, sagten, das Teheraner Klima wäre sehr angenehm. Viele von ihnen wollten sich nicht mehr versetzen lassen.
Es gäbe auch viele andere Möglichkeiten im Iran.
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Und bei Euch oben in Schweden,...
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