Sonntag, 1. Juni 2014
Problem des Dichters
den 10 september 2001 22:23
Re: na ja ... einfach so
(3)
Ich habe bei einem deutschen Boulevarddichter gehört (war es Simmel oder der andere? Er wirkt recht neurotisch und stammelt seine Sätzchen geradezu ins Mikrofon), wie man schreiben muss. Er hat gesagt, dass er abends, wenn er Feierabend macht, mitten im Satz aufhört. Mitten in einem Satz, wohlbemerkt. Und weshalb tut der arme Kerl so. Damit er am nächsten Morgen einen leichten Anfang hat.
Ich kann mir das Problem des Dichters am frühen Morgen sehr gut vorstellen. Du trinkst einen Kaffee und denkst, dass Du gleich nachher mit der Arbeit beginnen willst. Dann hörst Du den Briefträger, öffnest zuerst noch rasch die Post. Dazu vielleicht noch einen Kaffee. Dazu blättert man natürlich gemütlich die Zeitung durch. Ach, diese Börsenkurse!! Dann siehst Du die Birne in der Lampe wieder, die seit 5 Tagen nicht mehr brennt. Weshalb nicht gleich wechseln? Du suchst die Birnen, sie waren doch immer in der untersten Schublade!! Es ist schlimm, vielleicht gehst Du rasch einige einkaufen? Wenn es gut geht, springt das Auto gleich an. Ach den Teppich sollte man wieder mal reinigen. In unserem Auto ist immer eine Schweinerei. So weit so gut. Möglich, dass Du unterwegs M. triffst, mit dem Du ohnehin mal zusammensitzen wolltest, wegen der Frage des Rasenmähers, den er immer noch ausgeliehen hat. Um Viertel nach neun denkt M immer noch, dass ich ihm dankbar sein muss, dass er den Rasenmäher hütet. Und er lässt dich die Zeche begleichen, der Schuft. Um halb zehn kommst du (diesmal klein geschrieben ...) mit den 6 Birnen heim, bemerkst , dass sie alle bloss 40 Watt verbrennen. Also zu dunkel! Zum Trost vielleicht noch einen Kaffe, oder vielleicht schon einen Cognac? Ganz abgesehen davon, dass Du deiner Liebsten versprochen hast, den Abfall hinaus zu tragen.
Kurz und gut, um halb elf ist das weisse Papier bereits vergilbt und Dein Kopf vom dritten Cognac zwar vergnügt, aber auch nicht mehr allzusehr in Schreiberlaune. Nein, da ist es besser, zuerst das Mittagessen und den ruhigen Nachmittag abzuwarten. Am Nachmittag schreibt es sich ohnehin leichter.
Nein, Schreiben als Beruf ist nicht leicht. Das ist eine mittlere Lebensstrafe. Ausser vielleicht Hemingway, der sich daneben auf der Jagd, im Stierkampf, im spanischen Bürgerkrieg und bei den schönen Frauen vergnügt hat. Vom Alkohol nicht zu reden. Doch auch H. hat es nicht bis zum bitteren Ende ausgehalten.
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Es ist lustig, mein Vater hat ...
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