Donnerstag, 20. Februar 2014

schneeeeeeeeeeeeeeeee


Ämne: schneeeeeeeeeeeeeeeee
Datum: den 24 februari 12:51


Liebe Marlena
Vielen herzlichen Dank für die feine CD. Sie war echt eine Überraschung. Irgendwie hast Du mehrmals davon erzählt, aber das war alles so weit weg und fern, dass ich mir nichts Genaueres vorgestellt habe.
Die Chansons der Gréco mag ich am meisten. ...  Après, après, longtemps après que les poètes ont disparu.. das liebe ich in der ganzen Melancholie. Ich habe es, so glaube ich, auf einer CD von Yves Montand gesungen.

Ja, jetzt sind Deine Ferien vorbei und die unseren sind im Begriffe, anzufangen. Nächste Woche gibt es hier in der Region Fasnacht, nachdem die katholische am Donnerstag geendet hat. Und die folgende Woche dann ist Sache der Basler, ihre Zeremonie zu starten. Das nennen sie die Herrenfasnacht. Ich bin kein grosser Fasnächtler, obwohl ich eigentlich ziemlich gut darin wäre, Schnitzelbänke zu schreiben. Das sind diese Verse, die man mit einer kleinen musikalischen Begleitung vor Publikum singt und damit Politiker, Leute des öffentlichen Lebens oder einfach die Zeitumstände verulkt. Wichtig ist, dass sie sich gut reimen, dass die Sprache witzig ist und komische Assoziationen provoziert, und natürlich, dass die Pointe erst zum Schluss kommt. Das ist alles.

Ich werde mir nächste Woche ein paar Tage frei nehmen. Walter habe ich versprochen, ihn zu porträtieren. Er hat allen Heldenmut zusammen genommen und ist bereit dazu. Und ich habe meiner Hoffnung Ausdruck gegeben, dass er im Nachhinein nicht über Jahre gegen mich prozessieren wird. Na ja, wir werden sehen. Auf jeden Fall habe ich mir für dieses Projekt die vielen Porträts von Varlin, Bonnard und auch Soutine angeschaut. Soutine war Jude und hat Varlin ziemlich stark beeinflusst. Ich glaube, sie waren befreundet in Paris. Vielleicht hat sogar einer dem anderen sein Atelier für eine Zeit überlassen? Soutine hat wundervolle und intensive Porträts gemacht. Von den dreien hat Bonnard die unpersönlichsten Porträts gemalt. Er ist so dekorativ, dass die Figur im Hintergrund verschwimmt und zu einem Bildelement unter vielen wird. Er sagt eigentlich, durchaus modern: ein Bild ist ein Bild, und nicht eine Person. Schon gar keine Pfeife (siehe Magritte).
Auf jeden Fall habe ich im Sinn, wieder etwas zu malen in den nächsten Tagen und vielleicht Jahren. Ich muss zuerst alles einrichten. Und das braucht Zeit. Deshalb will ich diese paar Tage darauf verwenden. Ich werde sehen, was daraus wird. Man muss neben der Arbeit irgendwie eine Tätigkeit haben, die absolut leidenschaftlich ist. Nur so kann man die Arbeit ein wenig begrenzen.
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Samstag
Es schneit. Das Wetter ist kühl. Deshalb sind die Schneeflocken sehr fein. Und auf den Strassen sieht man wenig Effekt. Doch die Landschaft ist etwas heller und die Dächer sind weiss. Heisst das nicht, dass die Häuser gut isoliert sind?
Ich bin wieder einmal im Büro und will ein Paar Fotos scannen. Unsere Maschine ist recht gut. Meine Sekretärin hat mir letzte Woche rasch gezeigt, wie es funktioniert. Und so möchte ich heute probieren. Vielleicht kann ich Dir dann auch ein Bild schicken?
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55 Jahre musste ich warten, bis mich jemand einen Giganten nennt. Das ist eine echt lange Zeit. Und ich bin mir nicht ganz sicher, ob sich das Warten gelohnt hat. Was kommt jenseits der Giganten? Ich glaube die Götter, wenn ich in der Griechischen Mythologie richtig bewandert bin. Wieviele Jahre muss ich denn auf den nächsten Titel warten?
Nein, Spass beiseite. Die 40 Bücher sind natürlich Kinder- und Jugendbücher. Und manchmal brauche ich keine 30 Minuten, um zu sehen, welche Qualität ein Buch hat. Gestern abend habe ich ein lustiges darunter gefunden. Es ist eine Art Aufklärungsbuch. Allerdings ist es gezeichnet und geschrieben von zwei Mädchen, 8 und 10 Jahre. Sie schreiben zum Beispiel: Titel: "Kommt das Baby etwa nackt auf die Welt?". Text: "Ja, einfach ganz nackt. Es kommt warm und kalt gemischt auf diese Welt. Es hat Haare und schreit brutal weil es kalt hat oder weil es Hunger hat oder weil es in die Hose machen muss.". Titel: "Haben Babys auch Schutzengel?". Text: "Ja. Der Schutzengel macht schon im Himmel Bekanntschaft mit dem Baby. Wenn das Baby im Bauch drin ist, ist der Schutzengel heraussen, durchsichtig. Du siehst ihn nicht, ausser du wärest heilig. Nur das Baby kann das Geflatter hören. Wenn es dann herauskommt, dann ist der Schutzengel nebenbei." Und daneben gibt es diese Zeichnungen, Röntgen-Bilder, wo man im Bauch der Mutter das Kind turnen sieht. Es wirkt süss und köstlich, allerdings weiss ich nicht genau, wie informativ es wirklich für andere Kinder sein könnte. Es wäre sicherlich geeignet, neue Mythen aufzubauen.
Am längsten dauern die Romane für Jugendliche. Die sind gelegentlich echt dick und ich zögere immer, solche auszuwählen. Man muss ja nicht gleich den ganzen Roman lesen, aber doch einigermassen über den Plot Aufschluss kriegen und schauen, wie es stilistisch gemacht ist. Und manchmal, wirklich nicht zu oft, ist es so spannend geschrieben, dann man das ganze Buch liest. Und dann möchte ich meine Töchter überreden, es auch zu lesen. Mit zweifelhaftem Erfolg. Na ja, jetzt, da sie frei haben, lesen sie etwas mehr. Es ist wirklich die Schule, die sie vom Lesen abhält.
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Jetzt muss ich an meine NZZ. Es gibt einige interessante Artikel, während ich letztes Wochenende kaum viel fand. Kennst Du NZZ online. Das ist wirklich sehr praktisch. Da kannst du dir die interessanten Artikel herausdrucken. Ich finde, es ist wirklich eine exzellente und grosszügige Zeitung. Und die Inserate, die Dich damals im Flugzeug gestört haben, siehst Du gar nicht.
Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende.
Mit einem winterlichen Gruss

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