Freitag, 14. Februar 2014

Valentin


Vispterminen

Ämne: Re: von rodolfo valentino ...
Datum: den 14 februari


Liebe Marlena
Solch ein langes Mail habe ich lange nicht gehabt von Dir. Was ist denn in Dich gefahren? Oder war es der Whisky, der Deinen Gedankenfluss so sehr befördert hat? Auf jeden Fall war es schön, soviel von Dir zu hören, von Deiner Arbeit und von den Gedanken. Und es war alles etwas distanziert, als ob Du Dir selbst über die Schulter geguckt hättest.

Ich habe hier wieder einen Tag mit vier Abklärungen hinter mir. Das ist zwar interessant, aber auch insofern energieraubend, als man ziemlich gut organisiert sein muss, und abends recht müde ist. Denn wenn die Eltern mit ihrem Kind einmal dasitzen, muss alles wie am Schnürchen laufen. Da kann man nichts mehr organisieren wollen. Und das ganze findet, wie Du weißt, in Basel statt. Es ist für mich also ein Auswärtsspiel, wie sie im Fussball sagen würden.
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Und dazu ist heute Valentinstag. Ich muss Dir sagen, Marlena, dass ich früher nie im Leben daran gedacht habe, dass es sowas gibt. Nun ja, als ich jünger war, war es überhaupt noch nicht bekannt. Und heute sind die Blumengeschäfte diejenigen, die riesig die Werbetrommel schlagen. Aber ich habe keine einzige Blume organisiert. Nein, das liegt mir überhaupt nicht. Ich finde, Blumen soll man schenken, wenn einem danach ist. Man soll nicht auf diesen Valentin warten.

Dass Du K den Whisky wegtrinkst, finde ich Klasse. Ich würde mich sehr gerne anschliessen. Abends schätze ich wirklich ein Gläschen von diesem Schnaps besonders. Man sagt, es sei auch gesund, sofern man es nicht übertreibt. Ich habe gelernt, dass man ihn in ganz kleinen Schlücklein nippen soll. Dann schmeckt er fantastisch.  ...
Ja, ich glaube, dass unsere Lehrkräfte manchmal schon noch etwas autoritär sind. Nicht alle, aber vielleicht die älteren mehr als die jungen. Und mehr als die schwedischen bestimmt. Wir sind ja doch ein konservatives Land. Und wir sind auch noch nicht so weit, dass man sich duzt. Das nun doch nicht. Seit wann duzt man sich denn in Schweden allgemein? Ich habe gehört, dass es in Dänemark noch nicht so lange her ist, vielleicht eine Generation? Eigentlich könnte ich sowas in der Schweiz einführen! Das wäre ein Ding. Das wäre wirklich ein Schritt vorwärts. Heute kämpfen die Frauen, dass sie sprachlich berücksichtigt werden, dass man immer die beiden Begriffe braucht: Lehrerin und Lehrer. Man könnte doch für die Jugend kämpfen, damit sich alle Du sagen. Das wäre eine echte Revolution, mindestens eine sprachliche.

So schicke ich Dir heute einen besondern Kuss, einen Valentinskuss, wenn Du so etwas magst? Aber er käme ja auch ohne Valentin.
Mit einem lieben Gruss
...

PS: Bei diesem Namen „Valentin“ kommt mir mein alter Schulkollege in den Sinn. Er heisst Valentin. Und er ist heute katholischer Priester, hat in Münster Philosophie studiert. Er war nicht besonders gut in der Schule, aber er hat sich gut entwickelt. Und er hat immer einen guten sozialen Sinn gehabt. Er kommt aus einem kleinen Dorf oberhalb Visp. Das heisst Visperterminen, und ist ein sonniges Dorf. Meine Mutter war dort oben oft in den Ferien und hat meinen Kindern dort oben die dörfliche Lebensart nähergebracht. Valentin ist ein lieber Kerl. Und er ist es, der uns heute unsere Klassenzusammenkünfte organisiert. Er ist auch der einzige von uns allen, der immer noch an der alten Schule ist. Jetzt allerdings als Lehrer. Soviel über Valentin.

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