Sonntag, 2. Februar 2014

Gute Woche


Ämne: gute Woche !
Datum: den 23 oktober  07:49


Liebe Marlena
Ach, Du sagst wieder, dass ich Dich zu sehr lobe, dass Du meine Augen scheuen wirst. So sollst Du nicht denken, meine Liebe. Wenn ich jemanden mag, bin ich überhaupt nicht kritisch. Ich toleriere alles. Du kannst dann daherkommen wie eine Zigeunerin, Tischmanieren wie Clochard demonstrieren, und weiss Gott was alles. Ich würde Dir alles verzeihen. Vielleicht nicht ewig, aber doch die erste Zeit, bis ich ein wenig realistischer gewowrden bin. Doch im ersten Moment droht gar keine Gefahr, da bin ich eher blind, glaube ich.
Aber es gibt auch gar keinen Grund, bei Dir die Augen verschliessen zu müssen. Und das weißt Du ja sehr wohl.
Aber auf Deiner Seite war ich doch auch schon überrascht, welch kritischen Worte Du für einige Deiner Kollegen finden kannst. Da finde ich doch eine gewisse Strenge. Du weißt was ich meine. Ich kann zwar Deine Haltung nicht genau beurteilen, denn ich kenne ja die Typen nicht. Vielleicht würde ich genau so urteilen wie Du. Aber ich fand Deine Worte erstaunlich hart.
Und süss finde ich, liebe Marlena, dass Du mich beschützen möchtest. Das klingt sehr mütterlich. Nun ist das für einen Mann sicherlich eine alte Sehnsucht, beschützt und behütet zu werden. Aber es ist auch ein wenig gefährlich, oder konfliktträchtig, glaube ich. Aber wir sind ja weit davon entfernt, dass Du das wirklich machen kannst. Und deshalb geniesse ich Deine Absicht, Marlena, und ich danke Dir für Deine lieben Worte.
*
Gester abend waren wir wieder bei Onkelchen. Und er hat mir etwas erzählt, was mich doch erstaunt hat. Er hat erzählt, dass er am vorigen Abend noch zwei Gläser Bordeaux getrunken habe. Und dann hatte er einen schlechten Traum. Er habe geträumt, dass in seiner Bachstube irgend etwas mit dem Teig für die Fastnachtsküchlein falsch gelaufen sei. Und er habe sich sehr geärgert und sei in Aufregung geraten und er musste seiner Frau, die oben in Laden und Tea Room tätig war, er musste ihr mitteilen, dass diese Küchlein nun einfach nicht bereit seien. Und er sei in Angst und Unruhe auftewacht und froh gewesen, dass es bloss ein Traum war.
Schau mal an, Marlena, 25 oder 30 Jahre, vielleicht mehr, nach seiner Arbeit , träumt er immer noch davon. Das zeigt eigentlich, wie tief die Spannungen und Aufregungen der Arbeit im Körper sitzen, wie stark sie unsere Psyche belasten und in Bewegung setzen. Ich habe nämlich dasselbe von meinem ehemaligen Lehrer gehört. Er hat mir auch geschrieben, dass er anfangs, nach seiner Pensionierung, richtiggehende Angstträume gehabt hat.
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Sehen wir uns also vor, meine Liebe. Im Moment haben wir die Belastung der Arbeit, und später, im troisième âge haben wir die Belastung der Träume. Es geht immer weiter. Sehen wir uns vor. Wir müssen das alles lockerer nehmen.
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Ich wünsche Dir eine feine Zeit, meine liebe Marlena
Mit vielen KKKK und mit S
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