... ein gutes Fotosujet
date 24 January 2005 07:44
subject Re: ???
Liebe Malou
Danke Dir für die Mails. Ich hatte zwar einen Rattenschwanz von
mindestens 20 erwartet. Aber man muss sich nun einmal mit den
Realitäten zufrieden geben.
Die Zeit dort unten in Sharm el Sheikh war gut. Es war ja in der Tat
ein Hotel der SAS, Radisson, dieselbe Kette, wo wir montags am Mittagunser Clubessen in Basel haben. Aber ich habe nicht viele Schweden
oder Nordländer beobachtet. Einmal war ich auf einem kleinen
Tauchboot, womit wir das Riff und die wunderbaren Fische beobachtet
haben, neben ein paar Dänen. Sie waren schon älter, nett aber hässlich
und sie benutzen eine fürchterlich klingende Sprache. Aber im Hotel
gab es viele Russen (Ukraine), Italiener, Franzosen, Deutsche und ein
paar Schweizer. Wir waren oft mit einem Paar zusammen, das aus Luzern
kommt. Sie waren ziemlich nett und auch unternehmungslustig.
Die Russen gelten dort unten als absolut kulturlos und ohne
sprachliche Möglichkeiten. Und man konnte es am Buffet bemerken, wie
sie gewohnt waren, um ihre Lebensressourcen zu kämpfen. Sie waren laut
und unangenehm, nahmen nicht Rücksicht auf andere Leute.
Die Temperaturen waren, na ja: mild. Am meisten Einfluss hatte der
Wind. Er wehte fast ständig entweder von Mekka oder von Kairo her. Und
wenn man aus dem Meerwasser stieg, war es kühl. Aber die meisten
Touristen lagen in der Sonne herum meist hinter Paravents, und
rösteten sich goldbraun. Das mochte ich nicht. Ich machte lange
Wanderungen, fast Märsche muss man sagen, oder ich hing in der
Hotelhalle herum und las. Und gelegentlich besuchte ich das
Fitnesscenter und die Sauna, meist abends, um so zu tun, als ob ich
die gewonnen Kilos wieder loswerden wollte.
Das Rote Meer ist nicht rot, wie Du vielleicht denkst ;-)). Es ist
dunkelblau und sehr klar. Man sieht über mehrere Meter Meerwasser
hinunter bis auf den Grund. Und die hübschen Fische, die alle wie in
einem riesigen Aquarium herumschwimmen, kann man schon vom Ufer aus
beobachten. Und dazu ist es salzig wie eine verdorbene Bouillabaise
(schreibt sich das so?).
Für einen Tag waren wir in Kairo und haben - zusammen mit dem
erwähnten Paar - die Stadt und die Pyramiden von Giseh angeschaut.
Pyramiden sind sehr steinig, das lass Dir gesagt sein. Wir waren schon
morgens dort drüben auf der Westseite des Nils und konnten anfangs
nichts sehen wegen des Nebels. Aber gegen Mittag löste sich diese
Brühe auf und es war eindrücklich zu sehen, wie die riesigen Dinger
langsam zum Vorschein kamen. Vor den grandiosen Steinhaufen tigerten
eine ganze Menge von Aegyptern mit ihren Kamelen herum, um ein gutes
Fotosujet abzugeben. Sie waren absolut komisch und sehr agil, konnten
in fast allen Sprachen ihre Angebote und Preisvorstellungen ausrufen.
Ich sass schliesslich auch auf einem solchen Wüstenschiff und ich kann
Dir sagen, Malou, wenn es geruht, sich zu erheben, hat man den
Schreck, kopfüber ins nichts zu fallen. Es erhebt ja, weil es in der
Wüste auf wirklich niemanden Rücksicht nehmen muss, erst den Hintern.
Und wenn man oben sitzt, scheint es so, als ob es einen vorwärts
Purzelbaum zu machen gedenkt. Wenn man sich nicht wirklich krampfhaft
am Nocken hält, dann liegt man unversehens im Wüstenstaub. Auch sein
Gang ist nicht besonders angenehm, einfach zu grossschrittig für uns
Menschen. Es schauchkelt vor und rückwärts, und man kann bestimmt ganz
leicht seekrank werden.
Wir haben in Kairo auch den Bazar, das ägyptische Museum und ein
Papyrusmuseum angeschaut. Alles hat mich ziemlich an Teheran erinnert.
Doch die Ägypter sind durch ihren Tourismus etwas verwöhnter. Sie
neigen körperlich oft zur Fülle, haben aber Charme und viel
kommunikative Fähigkeiten. Sie sind freier als die Perser. Man sieht
zwar viele Mädchen mit Kopftüchtern, aber durchaus auch solche ohne.
Etwa 20 km von unserem Hotel gab es die Ortschaft Sharm el Scheikh.
Ihre ersten Häuser sollen von den Israelis nach dem 5 Tage-Krieg und
der Eroberung des Sinai gebaut worden. Aber heute ist es wieder fest
in ägyptischer Hand. Der Hafen mit den Hotels ist sehr hübsch und
sauber. Aber der alte Markt ist so schmutzig, wie ich noch nie eine
Ortschaft gesehen habe. Und dabei gibt es fast nur Geschäfte für die
Touristen mit Souvenirs, neben ein paar anderen für alltägliche
Gebrauchs- oder Lebensmittel. Das konnte ich nicht begreifen. Als
Ausrede gibt es nur den Wind, der eben den Dreck des Nachbars vor die
eigene Tür bläst und die Reinigung zu einer Sisyphusarbeit macht.
Das Wasser war um die 25° und wie gesagt überhaus klar und sauber. Mit
Brille und Schnorchenl konnte man den Riffs entlang segeln und die
Wunderwelt beobachten. Das war eindrücklich.
Und jetzt, wie gesagt, bin ich hier in der Kälte zurück. Die Nase
läuft wieder. Und das Pult ist voller Arbeit.
Wie geht es Dir. Habt ihr Eure Romreise schon geplant, oder reicht der
Wortschatz noch nicht. Und wie geht es mit der schwedischen
Stromversorgung? Sien wieder alle mit Elektrizität versorgt? Das ist
ja doch im Winter besonders wichtig.
Nebenbei gesagt, schadest Du Malou meinem guten Ruf wenn Du schreibst:
Du wirst wohl dies erst lesen, wenn du wieder im Büro bist und dann
wirst du wahrscheinlich so viel zu tun haben, dass du es nur ein
bisschen beschnuppern wirst. Ach, wie schade! Aber es ist nicht so,
dass ich alles überlese. Ich erinnere mich sehr gut an Inger,
ehemalige Schönheit mit klaustrophoben Tendenzen. Oder an Deine
Römer-Brieffreunde, sie in der Stadt, er auf dem Gut. Olala! Du bist
ein Glückspilz, hast eine Freundin mit einem italienischen
Schwiegersohn. Was eigentlich könnte man sich mehr wünschen?
Liebe Grüsse und Küsse

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