Mittwoch, 26. Januar 2011

Marcel Reich Ranicki

Lieber ...,
Mit unserem Gast neulich habe ich mich auch ein wenig über diesen
Marcel Reich Ranicki unterhalten. Er nannte plözlich seinen Namen und
ich wurde neugierig. Leider können wir ja nicht diese sicher sehr
interessanten Sendungen hier sehen. Unser Gespräch endete damit dass
ich mir im Internet seine Memoiren bestellen wollte. ”Mein Leben”
nennt er sie schlicht, glaube ich. Aber es ist erst im Oktober
lieferbar. Ich werde mir ein paar interessante Bücher mitnehmen in den
Norden und natürlich auch das ”Italienisch-Buch”. Meine Vorsätze sind
sehr gross, mal sehen was daraus wird ;-)
*
Re: Marcel Reich Ranicki
....
Überigens, du hast Marcel Reich-Ranicki erwähnt. Du wolltest seine
Biographie lesen? Lass mich dich ein bisschen warnen: Marcel
Reich-Ranitcki ist zwar so etwas wie der deutsche Literaturpapst
geworden. Aber man muss wissen, dass er in akademischen Kreisen nicht
so ernst genommen wird. Er betreut den Literaturteil der Frankfurter
Allgemeinen und alle kennen ihn, weil er in seiner Fernsehsendung "Das
literarische Quartett" zu den Büchern pointiert Stellung nimmt. Aber
man muss auch sagen, er hat einen konservativen Geschmack und er ist
alt geworden. Er mag Bücher, die linear geschrieben sind, die man
leicht versteht. Er vertritt sozusagen den Geschmack des
Fernsehpublikums. Und es gibt ja fast nur noch Bücher von diesem
Niveau. Wenn ein Buch im Quartett gelobt wird, dann ist es am nächsten
Tag in den Buchhandlungen ausverkauft. So hat er eine grosse Wirkung
auf den Markt. Natürlich ist er nicht allein. Aber man sieht auch,
dass die Sendung ein bisschen wie eine Show aufgezogen wird. Sie
inszenieren geradezu einen Streit, und die Leute mögen das. Das
Schweizer Fernsehen hat auch eine Literatursendung. Und sie ist feiner
und intelligenter, manchmal vielleiht nicht so spannend.
---
Also, Marlena, wenn Du Reich-Ranickis Biographie liest, dann gehörst
du zu den alten Leuten. Das macht noch nichts, ist nicht schlimm. Aber
man muss es wissen. Sein Leben selbst ist sicherlich nicht
uninteressnt. Er ist Jude, ging in Berlin zur Schule, wurde nach dem
Krieg nach Polen abgeschoben, und kam dann zurück nach Deutschland.
Während der Nazizeit hat ihm und seiner Frau ein einfaches Ehepaar das
Leben gerettet, indem sie sie versteckt und durchgefüttert haben. Und
ich glaube, Reich musste ihm als Entgelt Geschichten erzählen. Reich
hat einen Sohn. Er ist Professor für Mathematik in Edinburg. Das ist
es ungefähr, was ich von ihm weiss.
*

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