Sonntag, 23. Januar 2011

Gartenarbeit

(Fortsetzung
Du siehst Marlena, meine Briefe geraten langsam zum Tagebuch, wo ich in meinen alten Erinnerungen krame und alte vergessene Bilder wieder an die Oberfläche hole. Es ist natürlich sehr angenehm und schön, sie einem lieben und aufmerksamen Menschen erzählen zu können. Doch vielleicht sind sie für dich nicht sonderlich interessant.
Hast du deine Extra-Arbeit für die Schule geschafft? Hast du dich sehr geärgert darob? Wäre es nicht einfacher und unterhaltsamer, solche Arbeiten in einem Team mit einer Kollegin oder einem Kollegen zu erledigen? Warum fragen sie immer dich, wo du doch noch etwas Freizeit haben solltest, um ein paar schöne Mails zu schreiben? Und den Baum im Garten, hast du ihn schneiden können? Ich kann dir sagen, dass ich meine zwei kleinen Bäumchen am Sonntag Nachmittag rasch geschnitten habe. Und die Vorstellung, dass du vielleicht zur selben Zeit in deinem Garten stehst, vielleicht in einer etwas dickeren Jacke und mit einer grünen Gärtnerschürze, um euren Baum zu schneiden, diese Vorstellung hat mir sehr geholfen. Sonst hätte ich die Aufgabe wieder hinausgeschoben. Und das wäre schlecht gewesen, denn die Äste waren schon voller Triebe. Hast du gelernt, wie man Bäume schneidet? Ich habe selbst eigentlich keine Ahnung davon und ich studiere immer viel, wo und wie und warum ich abschneiden soll oder eben nicht soll. Vielleicht müsste ich mal eine Instruktion lesen! In meinem Elternhaus in Visp hatten wir viele Bäume im Garten. Doch für die Arbeiten, die einen Fachmann erforderten, schickte die Firma stets einen Gärtner. Er besorgte alles und man konnte ihn da und dort um Rat fragen. Bloss den Rasen hatte man noch selbst zu schneiden. Das war ziemlich bequem und wir waren verwöhnt. Hinter dem Haus hatten wir ein wahres Wunderwerk von einem Birnbaum. Er trug nur alle zwei Jahre Birnen. Aber in diesen zweiten Jahren warern es immer reichlich viele. Der Baum war über und über behangen mit hellgrünen grossen Früchten. Man pflegte sie noch grün zu pflücken, um sie dann sorgfältig im Keller auf die Hurd zu legen. So färbten sich die Birnen innert einigen Wochen gelb und gelber, bis man sie schliesslich zuckersüss und fast butterweich essen konnte. Ach, was haben wir damals Birnen gegessen! Ich habe diesen süssen herbstlichen Geschmack noch heute auf der Zunge. Und vor allem klingt in Mund und Gaumen dieses saftig-weiche Fruchtfleisch mit einer etwas herben, mit braunen Punkten besetzten, gelben Schale nach.

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