Samstag, 1. Januar 2011

Roman von John Irving

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Schliesslich habe ich diesen 800 Seiten Roman von John Irving doch noch bewältigt. Das Ende ist dann doch noch etwas trivial geworden. Im Wesentlich geht es in diesem Roman um Eddie, der als 16 jähriger Student bei einem Schriftsteller einen Ferienjob antritt und dabei die Geliebte seiner schönen Frau wird. Die Frau verlässt dann ihren Mann und ihre Tochter und verschwindet für die nächsten 35 Jahre. Ihre Tochter, die damals 4 Jahre alt ist, wird später Schriftstellerin, und Eddie wird das auch. In ihren Büchern versuchen sie ihre Lebensprobleme zu bewältigen. Sie beispielsweise das Verschwinden ihrer Mutter. Er seine Liebe zu einer älteren Frau. Schliesslich schreibt aber auch die verschwundene Mutter Romane, Kriminalromane. Sie tut es unter einem Pseudonym. Aber Eddie erkennt sie in den Romanen.
Ist das nicht eine arg konstruierte Geschichte? Nun gut, zum Schluss des Romans wird deutlich, dass viele Ereignisse und Details am Anfang der Geschichte schliesslich zu ihrer Bedeutung kommen. Daraus sieht man, das der gute Irving das ganze Projekt intensiv durchdacht hat.
Was mich vor allem gestört hat war die Tatsache, dass viele Figuren detailliert und umfangreich geschildert wurden, die eigentlich nebensächlich sind. Ich hatte mich immer wieder überlegt, ob ich mich darauf einlassen sollte, oder ob ich die Seiten besser überspringen würde. Das ist ja nicht einfach, weil man oft dann Dinge verpasst, die später für das Verständnis wichtig würden. Aber es gab soviele Personen, mit denen sich Irving akribisch beschäftigt hat, die später wieder aus seiner Geschichte verschwinden. Es ist ja doch wie wenn deine Töchter Freunde mitbringen. Man soll sich nicht mit jedem verbrüdern und Freundschaft schliessen, weil er nach 3 Monaten vielleicht wieder in der Vergessenheit landet.
Und weiter hat mich am Roman gestört, dass sie alle sexoman sind, diese Amerikaner, die Frauen wie die Männer. Die Schriftsteller wie die Gärtner. Wenn sie eine Frau sehen, schauen sie sich erst einmal die Brüste und und das Becken an und fragen sich, wie sie es mit ihr im Bett anstellen wollen. Das ist auf die Länge wirklich ziemlich monoton. Irving arrangiert die Bettepisoden wie ein Historienmaler Schlachtszenen. In allen hässlichen Details und mit ganzer Palette malt er sie aus, von hinten und von vorne und von oben und von unten. Er erspart unserer Fantasie wirklich absolut gar nichts. Es ist geradezu tierisch.
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Ich werde mir im neuen Jahr meinen Walter vornehmen. Er soll seinen Irving verteidigen, wenn ich ihn nach Noten niedermache. Und er muss schon gute Argumente finden, um sein Leben zu retten. Sein literarisches natürlich. Was mich betrifft, so habe ich meine Hausaufgaben gemacht. Ich werde in meinem kommenden Leben mit einiger Wahrscheinlichkeit kein Buch von Irving mehr zur Hand nehmen. Soviel Zeit für sowenig Profit, das will ich mir nicht mehr leisten. Und mein 800-Seiten-Exemplar werde ich getrost weiterschenken können. Vielleicht ist das eine Idee? Ich schenke dieses 800 Seiten Büchlein Walter zum Neuen Jahr. Zwar glaube ich, dass er schneller liest als ich. Er hat auch ein ruhigeres Familienleben und kann sich besser auf seine Lektüre konzentrieren. Aber dennoch, er soll auch daran leiden!

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