Samstag, 28. Januar 2017
Weekendmail
den 22 november 12:15
Weekendmail
Liebe Malou
(---)
Ja, der Apfel! Ich glaube, Jona Gold kenne ich auch. Aber ich bin nicht so bewandert in Apfelfragen. Sie sind ja eigentlich Rosenblütler, botanisch gesehen, nicht wahr? Sie sind - mit anderen Worten - von einer sympathischen und guten Familie. Ich habe kürzlich einen Artikel überflogen, der besagt, dass es in der Schweiz noch 400 Apfelsorten gibt. Man versucht, ihre Gene zu sammeln und aufzubewahren. In den Läden findet man dann aber bloss mehr 5 oder 6 verschiedene Sorten. Aber, das muss man zugeben, meist schauen sie ziemlich schön und gross und appetitlich aus. Und die modernen Menschen essen sie ja bekanntlich mit den Augen.
Ich habe ein paar lustige Assoziationen zum Apfel, mal abgesehen von demjenigen Evas. Ich vermute, es muss auch ein James Grive gewesen sein, den unser Evchen damals ihrem Adam unter die Nase gehalten hat. Ich denke nicht, dass sie ihn mit einer Zwetschge herumgekriegt hätte … Höchstens mich. Aber eine Zwetschge kann man auch nicht auf diese Art abbeissen. Das Mac Symbol des abgebissenen Apfels ist perfekt. Ich hatte mich sogar einmal durchgerungen, eine Neujahrskarte zu zeichnen, auf der nur ein Apfelkerngehäuse (ich kenne den hochdeutschen Begrifff dazu nicht, nur denjenigen in Dialekt) zu sehen war, rundum abgebissen. Graphisch sah das gut aus. Ich war begeistert. Aber semantisch, vom Sinn her, waren die Leute etwas irritiert. Doch ich war im Recht, das alte Jahr war wirklich aufgegessen.
Die Perser haben, wenn sie heiraten, ein Tischtuch auf dem Boden, ein Trauungstuch, wie sie sagen. Das brauchen sie ebenso am Neujahrsfest. Und es ist eine alte Sitte, beim Jahresübergang am 21. März darauf 7 Schalen mit 7 verschiedenen Dingen zu stellen, die mit dem Laut S beginnen. Dazu gehört der Apfel = Sib, als Symbol für die Gesundheit. Daneben gibt es Sir = Knoblauch, Serke = Essig, Samano = Getreidebrei, Sabsi = Pflanzenkeime, Gemüse, Sekke = Geld, Senjed = Nüsse, und schliesslich noch Somaq = ein rotes Gewürz. Kurz und gut: auch die Perser wissen von der Gesundheit des Apfels. Nebenbei gesagt gehört auf das Tuch darüber hinaus ein kleines Wasserbecken mit einem Goldfisch. Er ist das Symbol des reinen Glückes. Und - wenn er denn gut erzogen ist - soll er sich im Moment des Jahresübergangs völlig still im Wasser halten, um dann das neue Jahr mit einer abrupten Kehrtwendung zu beginnen.
Den Begriff Stedhal Syndrom habe ich weder in meinem psychologischen noch im medizinisch-klinischen Wörterbuch gefunden. Vielleicht ist es ein literarischer Begriff. Wenn ich mal Zeit habe, werde ich in meiner Stendhal Biographie nachlesen. Er war wirklich krank und stand unter Medikamenten. Wenn er in Florenz darnieder gesunken sein soll. dann vielleicht wegen einer Frau auf dem Bild ;--)
Ja, Bob Kennedy, hast du gesehen, wie er mir ähnlich sieht, oder besser, ähnlich gesehen hat? Ich erinnere mich bloss, wie ich damals, in jenen Jahren, erfreut darüber war, dass Leute eine solche Ähnlichkeit sahen. Und ich war mir ziemlich sicher, dass Robert noch besser aussieht als John F. Ich glaube, es waren Stirn und Augenstellung, in denen ich diese Verwandtschaft sah. Und dann vielleicht noch eine ähnliche Art, das Haar zu schneiden, wie man es eben zu jener Zeit getan hat. Aber sonst hatte ich bestimmt nicht viel von ihm. Ausser vielleicht, dass ich damals bei den Mädchen ziemlich erfolgreich war. Na ja damals, im erzkonservativen und katholischen Wallis, was war da schon Erfolg? Du kannst es Dir nicht vorstellen. Es war ein clin d’oeuil, mehr nicht. Aber man spürte es, und man konnte tagelang davon leben.
Wir haben diese Dinge in Amerika mitverfolgt. Es war irgendwie auch der Beginn der Medien, der Live Sendungen. Und meinem Freund H, dem Sohn des Gouverneurs des Kanton Wallis, habe ich immer wieder gesagt, seine Familie seien die Kennedys des Oberwallis. Er hat bescheiden ab gewunken, aber es hat ihn schon gefreut, diese Bemerkung zu hören. Sein Vater war gross und schlank und sehr stattlich. Und er hatte eine schöne Frau, französisch sprechend aus dem Mittelwallis. Und seine jüngere Schwester mochte ich sehr gut. Sie ist ja heute die Patin von B.
Ach, diese schönen Zeiten sind nicht mehr …
Theodor Storm :
Sie war doch sonst ein wildes Blut,
nun steht sie tief im Sinnen,
trägt in der Hand den Sonnenhut und duldet still der Sonne Glut
und weiss nicht, wo beginnen:
… das macht, es hat die Nachtigall die ganze Nacht gesungen;
da sind von ihrem süssen Schall,
da sind in Hall und Widerhall die Rosen aufgesprungen.
So ungefähr muss das Gedicht Storms aus der Sekundarschule geklungen haben. Es hat mir immer sehr gut gefallen, vielleicht wegen diesem wilden Blut mit dem Sommerhut ??
Wenn ich tiefer in mein Gedächtnis zurückgehe, muss ich zugeben, dass ich mich damals im Gedicht fragte, weshalb sie eine Frau sei, und nicht ein Mann. Ich konnte mich gut hineinfühlen in einen solch warmen Sommermorgen und war sozusagen ein bisschen neidisch, dass man diese Sensibilität nicht einem Mann zutraute. Aber heute denke ich, Storm hat schon richtig gewählt. Wenn man sich das Gedicht anhört, sieht man vor sich ein impressionistisches Bild mit einer Frau in einem hellen Sommerkleid, einem Hut und einem strahlenden blauen Himmel. Ungefähr so, wie sie Mary Casatt oder Berthe Morisot, die beiden grossen Impressionistinnen gemalt haben.
Daher vielleicht meine romantische Liebe zur Nachtigall. Und im übrigen: sie ist doch ein sehr mystischer Vogel!
Aber wir sind thematisch ja schon bei den Adventkränzen und beinahe bei Weihnachten. Es ist eine schöne Tradition, einen solchen Kranz zu haben. Aber es macht viel Arbeit, weshalb die Leute so was heute im Laden kaufen. S hat in den letzten Jahren angefangen, so was selbst zu machen. Aber sie macht nicht einen Kranz, sondern eine grosse Schale mit Zweigen und 4 Kerzen und anderen dekorativen Dingen. Wir bringen jedes Jahr auch Onkelchen so ein riesiges Ding mit. Und bei ihm muss man ja auch darauf achten, dass es nicht in Brand gerät. Ein traditioneller Kranz ist in dieser Hinsicht vielleicht ein bisschen riskant.
Ich glaube, ich habe viel geschrieben heute. Und trotzdem nicht alle Fragen beantwortet. Na ja, Du musst sie nochmals stellen.
Mit einem lieben Kuss
...
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
In einem kleinen Apfel, da sieht es lustig aus, es sind darin fünf Stübchen, grad wie in einem Haus.
AntwortenLöschenIn jedem Stübchen wohnen, zwei Kernlein hübsch und klein, sie liegen drin und träumen vom lieben Sonnenschein.
Sie träumen auch noch weiter, gar manchen schönen Traum, wie sie einst werden hängen, am schönen Weihnachtsbaum....
(ein Kinderlied zum Apfel, welches mich mein ganzes Leben schon begleitet...und meine Kinder, meine Enkel...)
Welch süsses kleines Gedicht. Ist es so? Nun muss ich mir ein Apfelgehäuse unter die Lupe nehmen. :-)
AntwortenLöschenAlles Liebe dir.
Malou
Es ist ein Kinderlied, vielleicht findest du es im großen Netz, lächel...
AntwortenLöschenEin Liedspiel sozusagen. Die Hände und alle Sinne gehören zum Singen unbedingt dazu...