Samstag, 20. Februar 2016

16/3 - hoffentlich wieder besser


Ämne: grippig noch ?.. hoffentlich wieder besser..
Datum: den 16 mars 2004 22:52

Lieber ...,
Ach, du armer! Du hast eine richtige Grippe und noch dazu in der ersten warmen Frühlingszeit. Ich habe leider noch nichts von Frühling gespürt. K sagte zwar am Telefon vorhin, dass es heute dort so wunderbar warm war, dass er zu Fuss gegangen ist.. aber ich habe hier nichts von dem schönen Wetter gemerkt. War ja auch nicht draussen und durchs Fenster sah es ziemlich grau aus, so wie wir es bereits gewöhnt sind.

Ich habe einen langen Tag hinter mir. Nach der Arbeit hatte ich noch 2 Stunden mit einer grossen Konferenz, wo man uns ungefähr mitteilte, dass unsere Schule nun dem Bankrott nahe ist und dass wir an allen Ecken sparen müssen, wenn das Geld für die Gehälter der Lehrkräfte reichen soll. Na ja, es wundert mich nicht, dass es so gekommen ist, denn in den letzten Jahren hat sich da ein politisches "Übergebäude" gebildet, das Unmengen von Geld kostet. Die Administration der Schule vermehrt sich wie die Kaninchen. Unmengen von Direktoren, ihre Sekretärinnen (die die Arbeit ausführen) und andere Büroleute... darüber ein kommunaler Verband zwischen unserer Kommune und den Randkommunen, die schon immer eifersüchtig waren auf uns, weil wir das grosse Gymnasium hier haben. So hat man in den vergangenen Jahren einige Programme in die anderen Kommunen verlegt, die dann wiederum ihre eigene Administration haben müssen mit Direktoren, Sekretärinnen u.s.w. Ach ..., ich hatte dir das schon alles etwas seriöser und deutlicher erklärt, aber mein erstes Mail ist "bergab geflossen", wie du es zu nennen pflegst. Diesmal habe ich ihm nicht allzusehr nachgetrauert, denn es hätte dich wahrscheinlich nur gelangweilt.
Nun habe ich inzwischen gekocht, gegessen und auch ein bisschen die Küche aufgeräumt - und jetzt bin ich nochmals bei dir angelangt. Ich würde dich gern telepathisch gesund pflegen. Lässt du mich?

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Nein, ich glaube nicht, dass du mich für Soutine begeistern kannst. Dagegen finde ich Bacon recht interessant. Aber man findet nicht allzu viel von ihm. Warum musst du überhaupt auf andere schielen? Mach doch wie es dir selbst einfällt.. Es muss doch schliesslich ein "..." daraus werden. Ich warte schon gespannt auf das Bild mit W auf dem Klo mit seinem Laptop.. Ich denke du wirst damit etwas Aufsehen erregen. ;-))
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Ich habe vorhin im Radio gehört, dass ungewöhnlich viele Kraniche schon auf einem Vogelsee in unserer Region gelandet sind. Der Tanz der Kraniche ist immer eine Sehenswürdigkeit im Frühling.
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Unsere jugendlichen Auffassungen von den "Erwachsenen". Für mich war es so dass ich ihnen absolut keine Schwächen zutraute. Sie waren fast wie Robote, die ihre Pflichten ausführten, die streng bewachten, dass auch wir Kinder dies taten. Vielleicht hätte ich es anders gesehen, wenn ich mit meiner Mutter aufgewachsen wäre. Noch als 25-jährige habe ich die Zeit vor dem Umzug zu meiner Tante als das verlorene Paradis betrachtet. Erst später, viel später konnte ich sehen wie ihr Leben (das Leben meiner Tante) wirklich gewesen sein muss. Es ist überwältigend plötzlich das Dasein eines anderen von Innen zu sehen. Wir hätten damals einander sehr nahe kommen können.. aber es war zu spät.
Ich glaube, dass das Verhältnis zwischen Kinder und Eltern heutzutage anders ist (jedenfalls anders sein kann). Bei Anna und mir ist ja die Situation etwas speziell. Wir haben lange allein und nahe zusammen gelebt und vielleicht liegt es an mir, dass wir eigentlich nie ein solches typisches Eltern-Kinder-verhältnis gehabt haben. Wir waren immer mehr wie richtige Freunde. Neulich, als sie mit mir am Telefon gesprochen hatte, hat sie ihr "Korridorsfreund" gefragt mit wem sie gesprochen hätte. Und er hat auf alle möglichen in ihrem Bekanntenkreis getippt bis ihm schliesslich Anna gesagt hat, es sei mit ihrer Mutter. Er konnte es nicht glauben, dass man so mit seiner Mutter reden kann. Es gibt scheinbar immer noch junge Leute, die Eltern als E.T.s betrachten.
Es ist lustig wie du sagst "nie im Leben hätte ich mir vorstellen können, dass auch ich mal auf ihre Seite geraten würde".
Für mich war die grosse Überraschung, dass man nie erwachsen wird, d.h. nie so wird, wie man sich die Erwachsenen vorgestellt hatte. Dass man innerlich immer derselbe ist.. auch wenn sich das Äussere verändert. Ach, wie schade, dass du nicht schwedisch kannst. Zu irgendeinem ehrwürdigen Geburtstag hat jemand ein Gedicht vorgetragen über das Altern (siehst du ich bin schon wieder dabei). Es sagte ungefähr, dass man alle Alter zugleich in sich trägt. Einmal ist man ein kicherndes kleines Mädchen, dann eine ernste junge Frau oder eine müde alte Person. Aber man ist es nicht in diser Reihenfolge sondern abwechselnd. Für mich ist altern dasselbe wie reicher werden. Man sammelt immer mehr Schätze in seinem Tresor. Schöne Erlebnisse, interessante neue Erfahrungen, mehr Wissen..

Es ist spät geworden und ich muss zu Bett. Morgen kommt ein Mädchen zu einer Prüfung in Französisch. Ich brauche mir keine Sorgen zu machen, denn ihr Aufsatz war ausgezeichnet. Sie hat auch schon das Fach an der Uni studiert, muss aber nun ihre Abiturnoten verbessern um dann mit diesem Zeugnis zu der Juristenausbildung angenommen werden zu können. Sie hat auch schon in Frankreich gewohnt und einen "petit ami" dort gefunden. Und morgen machen wir eine mündliche Prüfung, wo sie eigentlich nur zeigen muss, dass sie sich leicht in der Sprache ausdrücken kann.
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Ich sage dir nun gute Nacht und hoffe, dass du bald wieder kerngesund bist.
Lege dir zwei Bilder von Bacon in fotofolder und hier unten siehst du tanzende Kraniche.
MlGuK,
Malou

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