Mittwoch, 17. Februar 2016

14/3 - Ach nein ...


Ämne: Weekendglitter
Datum: den 14 mars 2004 21:35

Liebe Malou
Ach nein, das solltest Du nicht, Dich alt fühlen. Du bist doch jung wie eine Circe und hast keinen Grund, 20 oder 30 Jahre zu überspringen. Das tut mir leid, wenn ich der Grund gewesen wäre.
Ich fühle mich nicht eigentlich alt. Und wenn ich in den Spiegel schaue, bin ich manchmal erstaunt, dass ich für andere Menschen so gesetzt aussehe.

Lustig, ich hatte mit Walter eine Diskussion. Wir fragten uns, ob wir eigentlich eher introvertiert oder eher extravertiert seien. Er fragte mich, und ich wusste keine Antwort. Und ebenso er, er wusste nicht, wie er sich einteilen sollte.

Ich selbst fühle mich oft sehr extravertiert, bin offen für alle möglichen Einflüsse, offen für Leute, liebe es zu reagieren und lustig zu sein. Ich bin das so sehr, dass ich manchmal das Gefühl habe, ich könnte allzu sehr in den Wellen herumschaukeln. Du weißt ja schon, wie das ist, wenn ich irgendwelche Pläne habe, die ich nach 2 Wochen - wenn irgend was dazwischen kommt - wieder liegen lasse. Dann hat Walter gesagt, seine Freundin sehe mich manchmal in L. v.a. auf dem Bahnhof. Und dort hat sie den Eindruck, ich sei sehr introvertiert und ich gehe meinen Weg, ohne mich von irgend was ablenken zu lassen.

Ich glaube, Extravertierte wirken jünger, Introvertierte eher älter. Als Gymnasiast hatte ich mich immer für Introvertiert gehalten, hatte mich eher mit Schiller als mit Goethe verglichen. Aber das ist lange her. Ich glaube, dass mein Vater introvertiert ist. Na ja, ich glaube, wir sind unterschiedliche Menschen. Und doch gibt es manchmal Leute, die weisen auf die Ähnlichkeiten hin. Und dann sage ich im Spass, dass schon möglich sei, dass er mir ein bisschen ähnlich sieht.

Aber Du solltest Dich nicht alt fühlen. Ich verstehe nicht, wie Du darauf kommst. Ich werde in Zukunft dieses Thema meiden wie die Pest. Ich fühle mich nicht wirklich alt, aber manchmal denke ich, ich müsste mich ein bisschen mit diesem Thema beschäftigen, damit es mich nicht plötzlich aus dem Hinterhalt überfällt. S tadelt mich, wenn ich davon spreche.

Na ja, mein neuestes Bild kann ich Dir noch nicht zeigen. Es ist noch nicht soweit. Manchmal braucht es etwas Zeit, bis man die Figuren richtig hat. Aber zuviel Zeit zu verwenden, ist auch gefährlich, denn die Zeichnung sieht nicht mehr lebendig aus. Du siehst, man kämpft zwischen Scylla und Charybdis.

Schön, wie Du Deine Familie wieder ziehen lässt am Sonntag Abend. Es ist wie bei einer Service-Werkstätte. Es ist bei uns ähnlich. Die Töchter kommen, um aufzutanken. Dann ziehen sie weiter. Wie sich die Familienleben verändert haben in den letzten 50 Jahren, das kann einen schon ziemlich traurig machen. Aber natürlich gab es früher auch viele Menschen, die in ihrer Familie nicht glücklich waren, d.h. viel gelitten haben. Heute hat man eher die Möglichkeit, diesem Schicksal auszuweichen. In der Eisenbahn sassen im nächsten Abteil ein Vater mit seinem etwa 8 oder 9 jährigen Sohn. Sie alberten herum und der Bub sass ihm praktisch auf dem Schoss. Ich habe mir gedacht, dass dies nun einer dieser Väter ist, der nach der Scheidung sein Kind übers Wochenende mit sich nimmt. Es ist ein bisschen traurig daran zu denken. Aber natürlich kann man sich auch mit solchen Situationen abfinden. B. hatte in ihrer Klasse der Sekundarschule eine Freundin, ein sympathisches Mädchen. Doch während jener Zeit trennten sich ihre Eltern. Und man konnte zusehen, wie dieser junge Mensch darnieder sank. In der Schule gab es Probleme. Gymnasium war plötzlich nicht möglich. Sie begann mit Drogen. B. hatte sich enorme Sorgen um sie gemacht und immer wieder versucht, sie herauszuziehen. Und sie hatte sich wirklich sehr engagiert und gelitten, als sie sah, dass sie nicht soviel ausrichten konnte. Heute hat sie keinen Kontakt mehr mit ihr.

Na ja, man sollte also eher in die Zukunft als in die Vergangenheit schauen ?

Ich wünsche Dir einen guten Wochenanfang.
MlGuKuVm
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