Freitag, 12. Februar 2016

5/3 - über Ehen



Ämne: freitags immer
Datum: den 5 mars 2004 10:16



Liebe Malou
Vielleicht hast Du doch recht mit den Tauben. Im Moment ist das Dach gegenüber leer. Vielleicht machen sie ihre Diätkur bei Euch oben. Das ist gut möglich, denn auch in der Luft sieht man sie nicht. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wo sie sonst sein könnten. Auch möglich, dass sie in einem Hinterhof eine Party feiern?

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Ich weiss jetzt gar nicht, ob ich Dir den Namen des Briefe-Schreibers verraten sollte, der eine solche Sackgassen-Ehe geführt hatte. Dazu muss man ja auch sagen, dass die bürgerliche Ehe in der neuen Zeit zu einem Problem geworden ist. Ach, wir haben schon oft darüber diskutiert:

1) Sie basiert auf dem Gefühl der romantischen Liebe, d.h. der besonders intensiven Zuneigung zu einem absolut einmaligen Menschen;

2) Sie verlangt bei der heute entstandenen Rollendiffusion der Geschlechter vom Paar eine Unmenge an Entscheidungen, die es alle in Eintracht und Vernunft treffen sollte

3) Sie ist im Übrigen von so vielen äusseren und inneren Störfaktoren bedroht, die man gar nicht alle aufzählen kann: die Liberalisierung der Sexualität, die Trennung von Sex und Schwangerschaft, die Mobilität, die Sexualisierung des Lebens durch Werbung, die grossen finanziellen Möglichkeiten, die Individualisierung. Natürlich hängen die Faktoren miteinander zusammen, sind teilweise bloss verschiedene Aspekte desselben Komplexes.

Ich behaupte stets ein bisschen zynisch, dass man, um eine entscheidungsfähige Mannschaft hinzukriegen, niemals ein Paar nehmen sollte. Allenfalls sollten es drei Personen sein, denn ein Duo hat in sich die Dynamik, dass es sich mit der Zeit zu blockieren beginnt. Dann jedenfalls, wenn beide Personen sich als gleichberechtigt empfinden. Wenn man es sich genau überlegt, ist es fast nicht anders möglich. Falls es klappt, dh. falls ein Paar über Jahre erfolgreich und glücklich zusammenlebt, dann hängt das damit zusammen, dass sich eine Person der anderen irgendwie fügt, oder dass sie Bereiche ausgesondert haben, in welchen jeweils die eine oder die andere Person entscheidet, und die andere jeweils sich fügt. Doch schon eine kleine Rivalität hat in sich die Tendenz, sich zu verstärken. Und ein Paar, das zusammenlebt, kann kaum mehr aussteigen.

Na ja, das ist ein pessimistisches Bild. Aber ich glaube, die Entwicklung wird dahin laufen, dass Mütter ihre Kinder in Zukunft allein aufziehen werden. Sie haben aber das Privileg, sich den Vater ihres Kindes auszusuchen. Die finanziellen Folgen trägt mehrheitlich der Staat, denn er ist ja schliesslich besonders an Kindern interessiert. Das ist ja eigentlich das schwedische Modell, nicht wahr? Und die Vorstellung von einer schönen Familie, von einem lebendigen Mittagstisch, von familiären Kirchgängen und Sonntagsspaziergängen, das wird eine Vorstellung verlorener Zeit werden.

Mit lieben Gs und Ks
...


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Ämne: RE: freitags immer..
Datum: den 5 mars 2004 12:06


Lieber ...,

(---)Ja, die Ehen. Ich glaube sie sind so unterschiedlich, dass man eigentlich nicht von "der" Ehe sprechen kann. Würdest du es wagen, mir zu sagen wie deine Variante davon ist? Ganz offen und ohne jegliche Retuschierung? Ich weiss nicht ob ich bereit wäre, was ähnliches zu tun. ...

So grüsse ich dich nochmals lieb an diesen Freitag,
Mit S und K,
Malou

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Ämne: Studentenleben, Strohwitwen, Literatur..
Datum: den 5 mars 2004 19:56


Lieber ...,
Freitag Abend. Ein ungewöhnlicher, denn ich habe ihn ganz für mich selbst. Das ist ein bisschen ein Luxus. Wenn K nicht in der Nähe ist, können meine Gedanken frei laufen - und man braucht sich nicht zu fragen wohin. Wenn ich das etwas früher gewusst hätte, wäre ich wahrscheinlich irgendwohin gegangen oder hätte mir Gäste eingeladen. Aber so ist es auch gut. Ich kann tun was ich will und nichts ist vorausbestimmt.
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Der elende, briefschreibende Ehemann, von dem du sprichst, könnte Rilke sein. Ich will es nicht, kann es aber auch nicht ausschliessen. Aber wie ich sagte, ein Künstler und sein Werk sind zwei verschiedene Sachen.

So, nun mache ich eine Pause. Ich habe schon zu Abend gegessen. Ratatouille von gestern mit Fleisch von heute.. :-) Hat ausgezeichnet geschmeckt. Und dazu Vodka... nein ich mache nur Spass. Bin ja schliesslich kein schwedischer Student.

Ich wünsche dir noch einen schönen Abend, meine liebe Wand.
Mit Gs und Ks,
Malou

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