Samstag, 27. Februar 2016

27/3 - Samstag



Ämne: Samstag
Datum: den 27 mars 2004 09:20


Liebe Malou
Nein nein, Kompost separieren wir schon lange hier in der Schweiz. Das ist das Hobby vom Samstag Morgen für die meisten Menschen hier. Aber es sind eben nicht alle, die es tun. Und ich vermute, dass speziell die Immigranten davon keine Ahnung haben und eben auch über Merkblätter nicht zu erreichen sind, weil ja einige nicht mal lesen können. Deshalb hat man in Basel beschlossen, solche Trainer auf die Menschen loszulassen. Nun, sie machen das im Nebenjob, vielleicht Pensionisten oder unausgefüllte Hausfrauen, die wirklich noch ein bisschen Kontakt brauchen?

Und die Kraniche habe ich gesehen. Es sind für mich fremde Vögel, die mir nicht sehr bekannt vorkommen. Ich glaube zwar, dass man hier ab und zu vereinzelte Kraniche sieht. Aber doch eher selten. So denke ich auch immer an Schiller, wenn ich den Namen höre. Und das ist doch schon ziemlich abstrakt.

Und nun schlägst Du mir vor, ein Taubenbuch zu machen? Das ist lieb gedacht. Doch für mich ist es noch ein bisschen weit weg. Es gibt in Isfahan alte Taubenschläge, wo um die 10'000 Vögel Platz finden. Es sind riesige Türme, und wenn man hineingeht, fühlt man sich wie in einem Kamin. Rundum gibt es Nischen, wo die Tauben festsitzen können. Es muss ein enormes Geflatter sein, wenn sie abends von der Arbeit heimkommen ;--) Und als Arbeit haben sie bloss die Pflicht, ihren Abfall hinaus in die Landschaft zu tragen. Das ist alles. Ist ein guter Job, nicht wahr: natural fertilizer. Aber ich glaube nicht, dass die paar Tauben, die ich hier in L. kenne, in einer solchen Kolonie leben könnten. Das ist die reine Massenhaltung, schon ziemlich kommunistisch.

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Das war mein Briefchen von gestern. Ich glaube, ich hatte es noch nicht abgeschickt. Und jetzt haben wir schon wieder einen wunderschönen Samstagmorgen Himmel. Es ist zwar noch kühl, aber das Wetter gibt sich Mühe. Und am Montag Morgen wechseln wir wieder auf die Sommerzeit. Das ist schade, denn es war angenehm, um 6.00 aufzustehen, wenn es schon ein bisschen dämmerte.

Ja, ich mache Dich katholisch. Sei froh, dass ich Dich nicht gleich zu Maria mache. Ich erinnere mich, in der Gymnasialzeit gab es ein wunderhübsches Mädchen, das auch täglich von Visp nach Brig in die Schule fuhr. Na ja, eigentlich waren es zwei, die sehr hübsch waren. Aber die eine war es besonders. Ihre Eltern waren von Italien eingewandert. Und wenn Italienerinnen hübsch sind, dann sind sie umwerfend hübsch, nicht wahr. Und ein Schulkollege, um ihre Schönheit in Worte zu fassen, meinte, sie wäre ‚schön wie Madonna’. (damals bedeutete ‚Madonna’ noch keine Zweideutigkeit) Ich als Protestant hätte nie einen solchen Gedanken gehabt. Aber ich habe ihn akzeptiert und ich habe mir immer vorgestellt, dass die stillen Wünsche der Jungen in jenen pubertären Tagen nicht zuletzt auch von den vielen schönen Marienbildern in den Kirchen beeinflusst war. Der Professor für Kunstgeschichte an der Technischen Hochschule in Zürich hatte meinen Gedanken später bestätigt, indem er betonte, dass die Wangenlinie in den Madonnenbildern eine spezielle Bedeutung hätte, eine Demut sublimierter Erotik. Natürlich hatte ich mir auch vorgestellt, dass Maria - laut Theorie - unbefleckt empfangen hätte. Und das war natürlich für pubertierende Boys genau die richtige Technik, Liebe zu machen.
Wenn ich Dich so katholisch mache, dann ist darin viel Projektion, das weiss ich wohl. Es ist aber auch viel Sympathie mit dabei, das weißt Du schon, Marlena, nicht wahr? Ich bin doch so froh, eine katholische Mausfreundin zu haben. Und ich hätte nichts dagegen, wenn sie weit dogmatischer und strenger wäre. Sie könnte päpstlicher als der Papst sein, denn das wäre für mich sehr spannend und informativ. Schon Deine Bedenken gegen die Evolutionstheorie finde ich süss! Wirklich so süss, dass ich Dich auf die marienhafte Wangenlinie küssen könnte.

Und jetzt muss ich los.
Ich wünsche Dir einen ebenso sonnigen Tag.
MlGuK
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 Liebe Malou,

Das ist schon der dritte Anlauf, den ich für dieses Mail nehme. Und man weiss, dass es auch in der Leichtathletik beim Hochsprung, beim Weitsprung und beim Kugelstossen nur drei Versuche gibt. Vielleicht gelingt es dieses mal?

Jetzt, bis 15.00h, hat sich der Himmel ein bisschen überzogen. Es ist nicht bewölkt, nicht wirklich, aber doch auch nicht mehr so makellos stahlblau wie heute Morgen, als man denken konnte, eine himmlische Putzfrau wäre am Werk gewesen. Ich war in Basel, habe A. einige kleine Dinge gebracht. Sie schläft am Wochenende immer bis Mittag, deshalb bin ich nicht zu früh aufgebrochen. Wir haben noch ein bisschen über ihre Arbeit diskutiert und einen Kaffee getrunken. Sie ist gut im Schuss mit ihrer Semesterarbeit und übersetzt eifrig amerikanische Urteile. Ich kann schon nicht mehr mitreden, weil mir das Wissen fehlt. Und ich glaube, das gefällt ihr. Sie geniesst es, kompetenter zu sein als ihr Vater. Und ich bin froh darum.

Sie wohnt auf der Kleinbasler Seite fast beim Hafen. Das ist ein romantisches Quartier, wo es allerdings auch ziemlich viele Ausländer gibt. Ein Club-Kollege hat dort unten seine Gemeinschaftspraxis als Arzt und schwärmt vom Quartier. Allerdings wohnt er nicht dort, sondern in einer eleganten Gegend in einer Peripherie-Gemeinde Basels. Doch als Student würde ich auch dort unten wohnen.

Und jetzt will ich die ganze Sache wahr machen und das Ding abschicken. Sonst landetes womöglich zum Schluss noch im digitalen Kerichthaufen.

Ich wünsche Dir nochmals ein schönes Wochenende mit einen Frühlingswindchen. Und einen guten Sprung in die Sommerzeit.
Mlgukuam
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