Sonntag, 23. Oktober 2011

Magst du Aperos?

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Magst du Aperos, Marlena? Ach, ich mag sie sehr. Ich finde sie sind
der schönste Teil des Essens. Alles ist noch offen, alle Hoffnungen
berechtigt, alle Wünsche noch gewünscht. Und der Wein in den
leeren Magen macht die Menschen so rasch überraschend vergnügt
und gesprächslustig, wie sie sonst nur nach einem Lottogewinn - also
praktisch nie - werden. Alle sind noch wach und offen und bereit,
am Buffet zu kämpfen. Sie verteidigen die Salmbrötchen, oder sie
kämpfen sich zu den Artischocken-Herzen durch. Andere bauen vor
den Crevetten einen Verteidigungsring. Nur für die nature Brötchen
interessiert sich wieder einmal kein Schwein. Und wohin denn die
Olivensteine? Sie klopfen sich zwischen zwei grossen Bissen, die sie
kaum runterbringen, klopfen sie sich übertrieben vergnügt auf die
Schultern und versprechen sich hohe Summen, die schon bei der
Suppe wieder vergessen sind. Sie planen Geschäfte und grosse
Reisen, sie flirten über den Glasrand hinweg ins nächste Decolletée
und streichen sich selbstverliebt über die Glatze. Sie lassen sich
wieder und wieder nachgiessen und schlucken die Nüsschen
handvollweise. Und je höher der Pegel steigt, desto lauter werden
sie und es wird wirklich allmählich Zeit, dass sie sich zur Suppe
hinsetzen würden.
Ach wie ich das mag, so einen verdorbenen Apero! In unserem
Club haben wir jede Menge davon. Sie sind so dekadent, dass ich
sie geradezu heiss liebe.
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