Ämne: Mina
Datum: den 4 september 2002 17:00
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...
Dies also Dr. Z., der mit seiner Frau zugegen war. Er schaute immer noch aus
wie eh und je, nur etwas gebückter, etwas zitteriger, etwas greisenhafter.
Ich sprach mit ihm über seinen Sohn. Er ist einige Jahre jünger als ich,
eher so alt wie mein Bruder. Damals hatte dieser junge Z. den Mut, mit
seiner jungen Frau nach Frankreich auszuwandern und unten im Rhonetal einen
alternativen Lebensstil zu probieren. Wir hatten damals alle viel Respekt
vor dieser Entscheidung, haben aber nicht gedacht, dass sie ein Leben lang
hinhalten sollte. Am Sonntag hat mir Dr. Z. erzählt, dass aus dem Dorf, in
welches sein Sohn eingewandert ist, viele Franzosen in der Zwischenzeit
abgewandert sind, weil sie keine Lebensgrundlage mehr finden. Und er hat
dies mit der "germanischen Ausdauer" begründet, die im Gegensatz zur
romanischen Reagibilität zu solchen Effekten führt. Es ist wirklich paradox,
dass in einem kleinen französischen Ort schliesslich alle Franzosen
ausgewandert sind, und schliesslich nur noch ein Immigrant übrig bleibt.
Tragisch irgendwie! Offenbar kämpft er wirklich mit seiner Landwirtschaft,
hat auch grosse Rückschläge infolge Witterung zu verkraften. Ich glaube, es
ist auch für die Eltern nicht leicht, den Sohn in einer solch schwierigen
Lage zu sehen, obwohl er ja mittlerweile selbst bald Grossvater geworden,
oder bereits ist.
Weitere Gäste waren eine alte Kusine, die wie meine Mutter in Florenz
geboren worden war und heute in Genf lebt. Sie war eine stille und ziemlich
elegante Dame, die unser Treiben mit Interesse und Schmunzeln verfolgte. Und
auch die zwei weiteren Leute, ein Ehepaar aus Genf, waren aus der Romandie
und unterhielten sich mit meinem Bruder und seiner Frau, die ja auch
Französisch als Umgangssprache haben. Und schliesslich war da noch eine alte
Freundin meiner Mutter, die als Witwe hier in der Region lebt. ...Ich habe mich
am nachmittag einige Zeit mit ihr unterhalten, und ich war erstaunt, wie
wach und intelligent sie in ihrem Alter noch ist. Sie hat mir natürlich viel
über ihre Kinder und Enkelkinder erzählt. Das scheint das Grösste zu sein,
worüber alte Leute reden. Es ist ihre Familie und die Tüchtigkeit der Enkel.
Davon leben sie im Wesentlichen.
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Donnerstag, 13. Oktober 2011
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