Ämne: Mina
Datum: den 4 september 2002 17:00
(3)
...
Überigens war es auch am vergangenen Wochenende sehr regnerisch.
Teilweise hat es richtig heruntergeschüttet. Morgens sah es eigentlich noch
ganz gut aus. Die Sonne brach leicht durch die Wolken, und ich habe nicht
einmal im Entferntesten an einen Schirm gedacht. Vielmehr habe ich mir die
Sonnenbrille und den Hut geschnappt, um für diesen Tag gewappnet zu sein.
Das Essen war ganz gut. Meine kleine Schwester hat mit ihrer Familie einige
Sketches vorgeführt. Das war nicht in jeder Beziehung nach meinem
Geschmack. Aber es war gut gemeint. Gut waren ja auch meine Worte
gemeint.
Ich habe also ein bisschen zusammengefasst, was meine Schwestern und
Brüder über unsere Mutter nachgedacht und geäussert hatten. Es gab
auch einige Komplimente und Erfahrungen, die wiederkehrten. Andere
Bemerkungen waren individuell. Aber zum Schluss musste ich mich mit
meinen Ausführungen etwas beeilen. Ich hatte den Eindruck, dass mein
Reden etwas zu lange dauere. Und das ist immer ein schlechtes Gefühl.
Lustig war die Zusammensetzung der eingeladenen Gesellschaft. Neben
den Geschwistern mit ihren Ehepartnern und Kindern gab es da nähere
und weitere Verwandte von der Seite des Vaters wie der Mutter.
Beispielsweise waren zwei ältere Tanten dabei, die auch hier in L wohnen
und seit Urzeiten zusammen leben. Sie sind beide ohne Mann und Familie
geblieben. Und sie schauen aus wie Virginia Woolf im Doppelpack.
Ich hatte lange die Idee, sie einmal zu porträtieren. Sie gäben ein gutes
Doppelporträt ab. Mit ihrem Alter wären sie für mich dankbare Objekte.
Und dann gab es da einen alten Nachbar aus Visp. Er war damals Chemiker
in der Lonza und hat viel für die Jungen Leute getan. Er hat beispielsweise
die Pfadfinder mit ruhiger Hand über die Jahre hinweg und im
Hintergrund geführt. Er hat die Initative genommen, um ein Schwimmbad
zu bauen. Das war für mich wohl die beste Errungenschaft in Visp zur
damaligen Zeit. Stell Dir vor, wie es vorher gewesen war. Man hatte im
Sommer keine Möglichkeiten der Freizeitfreuden. Gut, rundum waren Berge,
und man konnte Spaziergänge, Bergwanderungen oder, wer das wollte,
Bergtouren unternehmen. Aber sonst gab es nichts, ausser vielleicht der
grosse Sportplatz, wo man Leichtathletik betreiben konnte. Ich hatte eine
Zeit in meinem Leben, wo ich mich begeistert dort unten aufhielt und die
erwachsenen Männer beobachtete, auch selbst da und dort mittat, vor
allem dann ja im Turnunterricht und im militärischen Vorunterricht, wie
das genannt wurde. Ich war nie ein besonders starker Sportler gewesen,
im Grunde guter Durchschnitt. Ausser vielleicht später im Schwimmen,
da war ich ziemlich schnell, und ich erinnere mich, wie ich während der
militärischen Ausbildung in einem Wettschwimmen alle meine Kameraden
und zum Schluss noch meinen Chef überflügelte. Das war vielleicht nicht
so sehr meine Kraft, sondern die Gewandtheit und Gewohnheit im Wasser.
Schwimmen hatte ich im Grunde in Lenzburg gelernt. Dort hatte es ein
grosses und schönes Schwimmbad gegeben, und an Wochenenden pflegten
wir zusammen mit Nachbarsfamilien dorthin zu gehen. Später, als wir bei
Onkelchen und Tantchen in den Ferien weilten, genossen wir ganze Tage
im Bad. Von morgens 9h bis abends 17h waren wir dort. ¨Da war es
unumgänglich, dass man sich im Wasser gut bewegen lernte.
Ich erinnere mich vor allem noch der Stunden morgens, wenn das Bad noch
still und leer war. Vom Lautsprecher her grölten deutsche Schlager. Der
Boden war kühl. Da und dort war Personal beschäftigt mit Reinigungen und
kleinen Reparaturen. Und das Wasser im Becken war absolut ruhig und ohne
Bewegung. Man konnte jedes Zwanzigrappenstück am Boden ausmachen.
In dieses jungfräuliche, etwas kühle Wasser zu steigen und ein paar Längen
zu schwimmen, das war ein ganz spezielles Gefühl, welches das Feriengefühl
noch verdoppelte und vergoldete. Ich habe diese Momente damals wirklich
sehr genossen. Siehst du, und erst mit etwa 14 oder 15 Jahren hatte ich dann
in Visp wieder ein Bad. Aber wir haben es in jeder freien Minute besucht.
An Wochenenden, an schulfreien Nachmittagen, oft sogar abens nach der
Schule sind wir dort hinausgefahren und haben das kühle Nass genossen.
Das Bad lag etwas ausserhalb Visps, mit dem Velo war es in gut 7 Minuten
zu erreichen.
Donnerstag, 13. Oktober 2011
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen