Sonntag, 11. Mai 2025

Um die Warnung voll zu machen ...

Fortsetzung 

Ach Marlena, überlege es Dir, ob Du Heidegger lesen willst. Es ist nicht leicht. Es ist vielleicht schwieriger als Rilke. Überigens hat man bei Rilke oft den Eindruck, er sei ein Vorfahre Heideggers. Wenn man die Bedeutung des Todes für die Existenz nimmt, wie sie Rilke in seinen Gedichten anklingen lässt, so denkt man, das sei früher Heidegger.
Wenn Du also in die Buchhandlung gehen solltest, um dort - vor aller Leute Augen und Ohren - "Sein und Zeit" von Heidegger zu verlangen, dann werden sich alle umdrehen nach dem Fossil, welches solch einen Schwarten kauft. Oder falls Du das Buch in der Bibliothek zu bekommen versuchen solltest, sieh zu, dass die Frau am Schalter nicht in Ohnmacht fällt.
Ich zitiere Dir, um die Warnung voll zu machen, ein paar Zeilen aus Sein und Zeit, Seite 175:
§ 38. Das Verfallen und die Geworfenheit
Gerede, Neugier und Zweideutigkeit charakterisieren die Weise, in der das Dasein alltäglich sein "Da", die Erschlossenheit des In-der-Welt-seins ist. Diese Charaktere sind als existenziale Bestimmtheiten am Dasein nicht vorhanden, sie machen dessen Sein mit aus. In ihnen und in ihrem seinsmässigen Zusammenhang enthüllt sich eine Grundart des Seins der Alltäglichkeit, die wir das Verfallen des Daseins nennen. Der Titel, der keine negative Bewertung ausdrückt, soll bedeuten: das Dasein ist zunächst und zumeist bei der besorgten "Welt". Dieses Aufgehen bei ... hat meist den Charakter des Verlorenseins in die Öffentlichkeit des Man. Das Dasein ist von ihm selbst als eigentlichem Selbstseinkönnen zunächst immer schon abgefallen und an die "Welt" verfallen. Die Verfallenheit an die "Welt" meint das Aufgehen im Miteinandersein, sofern dieses durch Gerede, Neugier und Zweideutigkeit geführt wird. Und so weiter und so fort ...

Diese langen Wortkombinationen wie "In-der-Welt-sein" sind typisch für Heideggers Sprache. Sie haben dann grosse Mode gemacht und mein guter Professor von Uslar hat sie geliebt wie Zuckerwatte. Ich habe mich diesem Stil ja auch ein wenig angeglichen, und ich glaube, die Tatsache, dass Uslar mir mein Doktorat so leicht gegeben hat, hing nicht unwesentlich mit dem Sprachstil zusammen. Er hat gedacht, wer so reden und schreiben kann wie er und Heidegger, der ist ein gescheiter Kopf. Na ja, war ich ja auch, aber vielleicht doch nicht ganz so, wie er gedacht hat.

Habe ich Dir das mal erzählt? Ich habe ja ....



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