Sonntag, 11. Mai 2025

Ende des Studiums

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Habe ich Dir das mal erzählt? Ich habe ja meine Lizentiatsarbeit mit einer Zeichnung geschmückt. Thema war: Spiel und Geschichten als Konzepte der psychologischen Diagnostik. Natürlich verrät die Themenwahl schon irgendwie die Nähe zum existenzialphilosophischen Denken. Schon das hat Uslar gefallen. Und die Zeichnung stellte einen Psychologen dar, der mit einem schweren Aktenkoffer ins Spielcasino geht. Und das Spielcasino habe ich - meiner Vorliebe entsprechend - etwas barock gestaltet. Von Uslar aber, der offenbar in Dresden aufgewachsen war, war ganz angetan von dieser Zeichnung und vom Gebäude, von dem er sagte, es erinnere ihn an den Dresdner Zwinger. Als ich später in Büchern nachprüfte, musste ich zugeben, dass meine Zeichnung mit dem Zwinger in Dresden wirklich viel gemeinsam hatte. Uslar hatte unendlich viele Studenten und immer, wenn ich mit ihm einen Termin hatte, erinnerte er sich sofort an mich als denjenigen mit der Zeichnung. Ich glaube, das hat mir viel geholfen in meinem Studienabschluss.
Übrigens, auch das ist lustig, hat mich Uslar damals an einem Wochenende plötzlich sorgenvoll angerufen. Wir lebten damals schon in Olten, also 80km von Zürich entfernt. Und so hatte ich von der Universität mittlerweile auch eine psychische Distanz. Ich war schockiert, dass der Herr Professor solcherart in mein Privatleben hereinstürzt und dachte, etwas wäre nun wirklich absolut schief gelaufen. Ich fürchtete, er würde mich durchfallen lassen oder er könnte meine Arbeit, nachdem er sie endlich gelesen hatte, nicht annehmen oder was weiss Gott. Aber der gute Herr Professor war nur besorgt, weil er dachte, ich hätte meine Zeichnung in alle Exemplare meiner Lizentiatsarbeit abgedruckt. Das wäre ihm dann vielleicht doch etwas unwissenschaftlich und boulevard-haft erschienen. Aber ich konnte ihn beruhigen, dass ich das nur in seinem Exemplar getan hatte. Und er war ganz zufrieden und hatte wohl das Gefühl, dass wir uns blendend verstehen würden.
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Ach, es ist ein kleines Vergnügen, wie die Erinnerungen an jene Zeit wieder hochkommen. Es war wirklich eine schöne Zeit, das Ende des Studiums. Ich kann mich noch blendend erinnern, als ich nach meinen letzten Prüfungen ganz allein und leicht schwebend durch das Zürcher Niederdorf schlenderte. Das Niederdorf ist Zürichs Soho, oder die Reeperbahn, wie Du willst. Ich glaube, noch nie habe ich die Welt so lebendig und farbig wahrgenommen. Es war ein sonniger Tag. Vor den Fenstern der Häuser blühten die Geranien. Und aus den Restaurants hörte man vergnügte Stimmen. Es war wirklich ein sehr schwebender Moment.



 Und dann ging ich ins Malatesta, jene spanische Bar, die den besten Kaffee Zürichs servierte, und feierte mit Patricia und Franco, mit denen zusammen ich mich auf die mündlichen Prüfungen vorbereitet hatte, bei einem kleinen Essen. Die Tischtücher waren so blütenweiss und lang und die Kellner so nett, wie ich sie im Leben nie mehr gesehen habe. Nur S  war etwas enttäuscht, dass ich das so für mich allein feiere, und nicht in einem grossen Familienfest. Das Doktorat haben wir dann zusammen zelebriert, mit einem Essen in einem Pub (damals eine chicke Novität in Zürich). Und R eine liebe Freundin, die gerade ihr Liz gemacht hatte, haben wir auch mitgenommen. Sie hat die Übergabe ihres Lizentiates auch ganz allein und ohne Freund und Familie erlebt. S konnte nie begreifen, dass die Europäer so einzelgängerisch sein können. Wenn man in Persien ein Zeugnis entgegennimmt, ist die ganze Sippe anwesend und will daraus ein schönes Fest machen.
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Da siehst Du, wie ...

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