... über die Theatervorstellung in Bern
Liebe Malou
Ach, das war ein nasses und kühles Wochenende. Erstmals habe ich richtig geheizt in meiner kleinen Wohnung. Ich hatte die Kälte nie so gespürt bisher, weil ich nie einen ganzen Tag lang zuhause gewesen war.
Am Samstag waren wir in dieser Vorstellung Penthesilea. Das Theater war gut besetzt, obwohl diese Art von Musik ja nicht jedermanns Sache ist. Meine auch nicht besonders. Es gab da keine echten Melodien, sondern eine Art Sprechgesang, bei dem einem manchmal die Frage aufkam: warum drücken sie sich nicht knapper und klarer aus? ;-) Die Musik hatte hier die Funktion, Stimmungen darzustellen. Und die Geschichte war ja mehr als tragisch und endete in einer blutigen Schlussszene, in der Penthesilea auf einem alten Rollstuhl blutige Koffern mit den Gebeinen Achilles' hereinfährt und sie sozusagen umarmt und küsst, so dass sie schlussendlich so blutig wie ein mit Ketchup vollgespritzter Hamburger dasteht.
B hat das alles gut gefallen. Und sicherlich war die klare Bühne sehr gut gemacht. Die Amazonen, allesamt tüchtige Frauen in langen dunkelblauen Mänteln haben einen guten und kompakten Chor abgegeben. Wenn sie mit Pfeil und Bogen erschienen sind, konnte man fast ein bisschen zusammenzucken. Und am lustigsten war das Männerheer, eine Gruppe von vielleicht 20 Männern, echte Pistoleros, Cowboys, Sheriffs, ein englischer Soldat im Kolonialstil etc. etc., also ein lustiges und buntes Gemisch von verschiedensten Machotypen. Achilles hatte eine gute Stimme. Und zum Schluss ist er in weissem Anzug und Borsalino wie ein echter Geck dahergekommen.
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