Dienstag, 20. Mai 2025

Buona notte ...

 

den 16 maj  00:24  (Jahr 1)
Buona notte ...


Lieber ...,
Es ist schon wieder spät geworden - wann wird es das nicht bei mir? Ich habe eine CD mit Schubert aufgelegt und so fühle ich mich noch näher bei dir.
Hoffentlich warst du nicht zu sehr enttäuscht von der CD mit Vaya con Dios. Ich höre sie gern, aber nur wenn meine Stimmung dazu passt. Es steht ein wenig über die Gruppe in dem kleinen Folder in der CD und da kannst du sicher auch die Namen der Musiker sehen.
Ach, du machst mir immer so viele Komplimente, dass ich am Ende ganz sicher bin, dass du einmal sehr enttäuscht wärst, denn niemand kann so perfekt sein, wie du mich machen willst :-)

Es ist bald elf Uhr und es beginnt ein wenig zu dämmern. Man merkt, wie die Tage immer länger werden. Im Fernsehen zeigt man jede Woche, wann die Sonne auf- und untergeht in den verschiedenen Teilen von Schweden und letzthin (ich glaube es war am Samstag), sah man, dass die Sonne schon jetzt eine halbe Stunde länger aufbleibt oben in Luleå im Verhältnis zu hier.




Es ist schade, dass wir gerade zu dieser schönen Jahreszeit so wenig Zeit haben, die Natur zu geniessen. Im Moment blüht überall der Flieder. Da erinnern wir uns immer an den Schuster,  der um diese Jahreszeit ein Schild an seine Tür hängte mit den Worten: "Geschlossen zwischen Traubenkirsche und Flieder". Manche Jahre bekommt er nicht viel Urlaub :-)

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Wie schön du mir von dem Abend bei euch erzählt hast. Es freut mich so sehr, wenn du das tust, denn auf diese Weise lebe ich fast doppelt. Ich habe wirklich manchmal den Eindruck, dass ich zwei parallele Leben lebe. Und so kann man wohl sagen, dass ich nicht die kurze Zeit vergeude, die uns gegeben ist. Manchmal kommen mir auch Bedenken dabei. Denn wenn ich nun schon unfreiwillig gegen den § 5 verstosse so möchte ich wenigstens verhindern dass ich es auch gegen die übrigen tue. Manchmal denke ich wie schön sicher es doch war in diesem Gefängnisturm...und nun sind wir ausgebrochen und stehen auf dem minierten Feld und ich weiss nicht wohin ich treten soll...
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Es war ein sehr schönes Fest am Freitag Abend. Åke hielt es bei sich zu Hause und er hatte ein wunderbares Mittagessen für 30 Personen gekocht. Ich wurde vor dem Haus abgeholt damit ich ja nicht auf die Idee kommen sollte mein Auto zu nehmen und so konnte ich auch den "välkomstdrink" und später auch den guten Rotwein geniessen. Die Stimmung war zeitweise sehr hoch und wir lachten, dass sich fast das Dach erhob. Man konnte sich setzen wie man wollte und zum Glück kam ich an einen Tisch mit lustigen Leuten, mit denen man sich leicht unterhalten konnte. Neben mir links sass ein seit einigen Jahren pensionierter Kollege. Einer von dieser seltenen Sorte, die noch eine gediegene klassische Bildung besitzen und ausserdem sehr spirituell ist.. Er ist auch sehr vermögen und sehr geizig (eine nicht ungewöhnliche Kombination) :-) Er erzählte, dass er jetzt eine Anstellung als Kirchenältester hätte, worauf ich sagte: "Da stiehlst du sicher aus der Kollekte". Nein, nein, meinte er. Ich werde dir sagen, was ich mache. Ich lege das ganze Geld auf ein Tablett, gehe hinaus, schau zum Himmel hinauf und sage "Herr nimm was du davon haben willst und ich nehme was übrig bleibt" Dann zeigte er wie er das Geld in die Luft wirft. Nun muss man ihn vor sich sehen können, um richtig zu verstehen, wie lustig das aussah. Er stammt von Wallonen und hat grosse braune Augen, die dann vor Unfug leuchten. Ich wollte dir auch von anderen Leuten erzählen, aber das habe ich schon in Gedanken getan und ich möchte mich nicht wiederholen ;-)

Åke hat auch eine schöne Rede an mich und meinen anderen Kollegen (dessen Geburtstag wir eigentlich feierten) gehalten. Er sprach von Dingen die ich fast vergessen hatte und ich fühlte mich sehr geehrt. Ausserdem hat er ein paar schöne Lieder zur Gitarre vorgetragen. Das junge kanadische Mädchen in unserem Arbeitszimmer hatte grosse Torten gebacken zum Kaffee nachher und wir bekamen Blumen und Geschenke. Ach, es war ein schöner Abend. Man sollte öfters feiern, nur leider fehlt uns besonders in den letzten Wochen des Schuljahres eben die Zeit dazu. Hier hört der Unterricht am 9. Juni auf. Danach haben wir noch eine Woche Konferenzen vor den Sommerferien. Und dann kommt eine harte Zeit für Mausfreunde. Ach, chéri, wie soll ich das nur aushalten, so lange von dir entfernt zu sein.

Du hast recht, ich fühle mich irgendwie sehr verwandt mit dir. Unsere Jugend mit einer neuen Mutter als wir Kinder waren, aber auch später im Leben. Du darfst nicht glauben, dass deine Worte nicht zu mir dringen.. Und mit jedem Mail bindest du mich fester an dich. Du vergisst doch nicht "on devient responsable de ce qu'on apprivoise".

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Ich habe noch viele Fragen von dir zu beantworten. Ich werde es nach und nach tun. Hab Geduld mit mir, bitte. Bald habe ich weniger Stress im Beruf und dann werde ich die nötige Ruhe haben, ausführlicher zu schreiben.
Jetzt muss ich dich für heute 
verlassen (schon Morgen?).

Ich wünsche dir einen angenehmen Tag
In Sehnsucht und Maladi
Marlena

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