Samstag, 31. Mai 2014

"Il vaut mieux rêver sa vie...


Ämne: "Il vaut mieux rêver sa vie...
Datum: den 9 september 2001 19:09


.. que la vivre, encore que la vivre ce soit encore la rêver." (Proust)

Lieber ...,
Du sagst du bist gerührt über mein Bild und vielleicht verstehe ich wie du das meinst. Vielleicht war es das Gefühl was auch bei mir am stärksten war als du mir damals die Automatfotos geschickt hast. Ich glaube es hatte etwas mit Vertrauen zu tun, als hättest du mir erlaubt dir sehr nahe zu kommen.
Aber dann sagst du etwas, was mich ein wenig überrascht und ich würde dich gern korrigieren wenn... Glaube mir, nur allzu gern würde ich ein ”lustvolles Leben” verbringen, aber nur mit dem Mann den ich liebe. :-)
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Ich habe ein schönes Wochenende verbracht d.h. ich war voll von Energie und habe eine Menge Arbeit hier zu Hause erledigt. Dann wollte ich als Belohnung eine Weile mit meinem Mausfreund verbringen.. aber es kam anders. Die Halsschmerzen die ich im Laufe des Tages nur ab und zu gespürt hatte wurden am Abend zu wirklichen Schmerzen und ich bekam auch Fieber. Na ja, es ist nicht so schlimm. Nur eine leichte Grippe die Anna auch im Moment durchmacht. Aber trotzdem war alles was ich dir gern schreiben wollte plötzlich weit weg.

Am Freitag Abend war ich sehr müde und wollte mich etwas ausruhen und dann wieder weitermachen. Aber ich bin eingeschlafen und erst um Mitternacht wieder aufgewacht. (das Alter! ;-) Dann konnte ich nicht gleich wieder einschlafen und lag lange wach. Und in Gedanken habe ich dir von meiner ersten Auslandsreise erzählt, die ich als kaum 15-jährige allein machen durfte. Und wieder bin ich erstaunt wie sehr die Vergangenheit in uns weiterlebt, wie gut ich mich sogar an kleine Dinge erinnere, an Stimmungen, Gefühle. Und dabei denke ich mit Dankbarkeit an dich, denn ich glaube ohne dich wüsste ich nicht dass es so ist. Erst wenn man etwas in Worte kleiden muss wird es wieder ganz deutlich.
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Ach ja bevor ich es vergesse. Du sprichst manchmal von den grossen Veränderungen in unserer Welt auf eine Weise die mich etwas überrascht. Ich weiss dass man in der Schweiz sogar Symposien mit diesem Thema veranstaltet. Bei uns spricht man nicht viel davon. Und dann kam mir der Gedanke warum es bei euch so dramatisch ist. Ich glaube es hat damit zu tun dass die grosse Veränderung in der Gesellschaft (die bei uns schon vor Jahrzehnten begann) bei euch zeitlich mit der IT-revolution zusammenfällt. Aber natürlich erwartet uns alle (oder lass uns sagen unsere Kinder) eine ganz neue Welt mit neuen Lebensbedingungen und neuen Problemen die sie jedoch, wie du sagst, als etwas ganz natürliches empfinden.
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Und heute gehst du wohl noch einmal zu Onkelchen und verwöhnst ihn mit einem guten Essen. Allzu gern würde ich euch Gesellschaft leisten und sehen wie du das machst.

Bist du schon fertig mit dem Packen und bereit für die Reise? Ein kleiner Tip: Wenn man die Kleider zusammenrollt nehmen sie viel weniger Platz. und sicher hast du viel weiche Textilien mit denen sich das gut machen lässt.
Ich finde deinen Titel: ”13 und eine Nacht” sehr witzig. Er verpflichtet auch ein wenig. ;-)

Ach wie ich dich beneide um diese Reise. Ich glaube du wirst alle deine Müdigkeit im Iran loswerden. Hast du denn einmal meinen Rat befolgt und dir diese ”Gerikomplex” gekauft? Ich glaube bei deinem frugalen Mittagessen könnte es schon sein dass du einen Mangel an Mineralien und Spurelementen bekommst. Warum probierst du es nicht einmal? Oder Ginseng? Es kann Wunder wirken.. :-)
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Hier ist es so still geworden seit Lollo nicht mehr singt. Ich glaube ich muss mir auch eine CD auflegen.
US Open, Chopin und australischer Chardonnay.. ja wirklich multikulturell und dabei hast du nicht einmal deine Mausfreundin im hohen Norden genannt.
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Und nun kommt mir noch etwas in den Sinn. Vielleicht glaubst du ich schreibe dem Visper von dir weil er dies mit den ”Operationen” gesagt hat. Aber es war ein reiner Zufall und ein bisschen habe ich mich schon über diesen Kommentar amüsiert. Nun ja, deine Operation war ja nicht gerade von einer ”alte Männer Krankheit” bedingt. Ach, ich hab dich so gern, chéri, und ich wage es nicht zu sagen weil du dann ganz steif wirst und sicher wieder lange schweigst.

Ich bin stolz dass du mir schreibst. Jeder Mensch auf der Welt würde es sein. Übrigens als ich neulich vor dem Eischlafen ein wenig in meinem Rilkebuch blätterte (es liegt auf meinem Nachttisch) fand ich das Kapitel ”Bibliothèque Nationale” aus dem ”...Malte Lauritz Brigge”. Und weisst du, dabei entdeckte ich dass ihr ein wenig ähnlich schreibt. Du musst es einmal lesen und du wirst verstehen was ich meine.
So, jetzt mache ich mir noch einen warmen Tee und versuche mich zu kurieren.
Ich wünsche dir einen schönen Abend und einen guten Start in die nächste Woche.
À bientôt j’espère.
Je t’embrasse
Marlena

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