Subject: Willkommen
Date: Mon, 01 Sep 23:04:49
Lieber ...,
Ach! Du lässt deine ganze Batterie von Charme los. Siehst du denn nicht, dass ich längst geschlagen auf dem Boden liege. Und dieses letzte Mail von dir, dieses ganz unerwartete Extramail hat wieder alle MMM und SSS aktiviert. Bald brauche ich einen Rettungsring, um nicht darin zu ertrinken.
Wenn ich richtig denke, dann sitzt du nun schon am Flugplatz und wartest auf das Embarquement. Und nun weisst du, dass du nicht zu spät kommen wirst. Wenn ich gewusst hätte, dass du noch ein Mail von mir empfangen konntest vor der Abreise, dann hätte ich dir sofort geschrieben. In Gedanken habe ich dich auch zum Abschied geküsst, dort am Flughafen. Es war so als müsste ich zurückbleiben und dich in die ferne Schweiz reisen lassen. Und wenn du landest werde ich auch dort sein und dich Willkommen heissen, wie einen lange vermissten Geliebten. Halt Ausschau nach mir.. :-)
Wie gut du sie beschreibst, diese Zeit von Aufbruch, das Gefühl wenn eine Tür hinter einem zuschlägt und man weiss, dass es endgültig ist.
Ich freue mich auf deine Heimkehr, obwohl ich (fast) immer bei dir war. Ich glaube du wirst es geniessen, wieder in Ruhe hinter deinem Schreibtisch Platz zu nehmen. Deine fleissige Sekretärin wird alles in Ordnung gehalten haben. Und dann wirst du dir deine New York-ecke einrichten und deine kleine Freiheitsstatue aufstellen. Du wirst die Tauben begrüssen, die auch auf dich gewartet haben. Deine Emmas. ;-) Und deine Familie wird sich versammeln und glücklich sein, dich heil wiederzusehen. Und wenn du in deine Mailbox schaust, wird wohl eine Flut von Mails herausfallen und darunter auch dieses. Es war ein schönes und grosses Erlebnis mit dir in NY zu sein. Manchmal übertrifft das VL das RL.
Schön, dass du Barbara gefunden hast. Die Sängerin mit der schönen Stimme und dem tragischen Schicksal. Es gibt aber unendlich viele gute Sängerinnen auch nach Barbara. Ich habe wirklich etwas vernachlässigt, dass ich dich nicht mit ihnen bekannt gemacht habe. Manchmal habe ich stark den Eindruck, dass ich in deine Welt hineingestiegen bin und meine eigene fast verlassen habe. Und von Dingen, bei denen ich vermute, dass sie dich nicht interessieren werden, spreche ich selten, obwohl sie ein Teil meiner Welt sind. Das sollte ich eigentlich nicht tun.
*
Ich habe heute Nachmittag wie wild gekocht. Nein, lach nicht! Ich meine ich habe hungrig eingekauft und alles mögliche mitgebracht, das ich dann ja auch zubereiten musste. So habe ich nun Essen für mich für die ganze Woche und ausserdem 7 Mittagsportionen für Anna eingefroren. Fleisch, Hähnchen, Kalbsleber.. und zum Schluss habe ich noch Reis gekocht, damit ihre Portionen komplett sind. Sonst muss sie ja immer Pasta oder Kartoffeln dazu kochen.
Anna hat gute Vorlesungen gehabt heute. Sie war ganz zufrieden damit. Ich glaube es gefällt ihr, wieder eine feste Agenda zu haben. Und ich hätte jetzt noch ein diagnostisches Test ausschreiben sollen. Aber das kann bis morgen warten. Du bist wichtiger.
Du weisst, dass ich ab und zu Anna was von dir erzähle. Es ist schön jemanden zu haben, mit dem man über dich sprechen darf. Es macht dich mehr real. Und heute habe ich ihr erzählt wie du die Nationalhymne singst und sie hat genau wie ich reagiert. Es ist komisch, aber sie findet es ganz natürlich, dass es dich in meinem Leben gibt. Und es bleibt zwischen ihr und mir. Ich frage mich manchmal ob W. von meiner Existens weiss. Ich meine, man kann doch sagen dass man mit einer seriösen alten Oberstudienrätin berufliche Gedanken austauscht. ;-) Aber ich glaube er wäre trotzdem eifersüchtig. :-)
Es ist spät und ich muss dich lassen. Wenn du dieses Mail liest, dann küsse ich dich nochmals Willkommen. Ganz keusch, auf die Schläfe. Und ich umarme dich auch fest und halte dich lange vor Glück, dass du wieder da bist.
Alles Gute für diesen Tag wünscht dir
Marlena
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