Sonntag, 29. September 2013
Stockwerk in die Höhe (9 sept 06:44)
den 9 september 06:44
Stockwerk in die Höhe
Liebe Marlena
Ach, Du gibst mir wirklich Fragen zum Anbeissen! Golf gespielt? Klar habe ich Golf gespielt. Und ich war sogar ziemlich gut. Ich spielte lange, und spiele manchmal heute noch mit dem Gedanken, mit Golf anzufangen. Allerdings ist der Sport bei uns recht teuer. Wir haben nicht soviel Platz in der Schweiz, so haben sich einige Clubs jenseits der Grenze in Frankreich oder in Deutschland entwickelt. Aber die Anreise dauert mindestens eine Stunde. Und die Einkaufpreise sind hoch.
Diese Bedingungen bedeuten, dass man mindestens einen halben Tag für eine Partie reservieren müsste. Und wann hätte ich schon Zeit? Vielleicht am Samstag, wenn schon alle dort sitzen und in einer Reihe warten, bis sie starten können? Ich bin eben leider nicht der Chef einer kleinen Firma, wie viele meiner Kollegen im Club, die während der Woche sich das Wetter und den Tag aussuchen können. Du siehst, ich habe an diesem Thema bereits gelitten. S. hatte mir auch einmal zum Geburtstag 10 Lektionen geschenkt, die ich dann aber, aus diesen Ueberlegungen, nie konsumiert hatte. Und im Club, wo noch vor 10 Jahren alle Tennis gespielt hatten, spielen heute die meisten Golf. Ich bin ein bisschen im Rückstand ;--)
Und ich tröste mich mit der Frage, die man hier gelegentlich hört, und die sehr sarkastisch klingt: 'Sind Sie noch sexuell aktiv, oder spielen Sie schon Golf?'
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Ja, wir können die Wolken pink malen, oder auch violett, wie diese Kuh der Milka-Schokolade, die ich immer fürchterlich gefunden habe. Aber die Architektur ist wirklich zweitrangig. Die Mauern sollten sich bekanntlich danach richten, was im Raum gemacht und gelebt wird. Deshalb warten wir noch damit. Ich hatte kürzlich einen kurzen Dokumentarfilm über den Architekten Liebeskind am TV gesehen. Und er hatte mir bestätigt, dass es noch Architekten gibt, wie ich es ursprünglich gerne geworden wäre. Liebeskind hat das neue World Trade Center in NY geplant, und auch in Berlin das jüdische Museum gebaut. Er ist ein begeisterter Mensch und hat nach dem Architekturstudium noch Philosophie und Soziologie studiert. Genauso hätte ich es auch gesehen, meine Ausbildung zum Architekten. Es ist doch eher ein sozialwissenschaftlicher als ein technischer Beruf, war immer meine Meinung. Aber an der ETH hat sich die Ausbildung eher nach den technischen Erfordernissen gerichtet. Und das hatte mich nicht sonderlich interessiert.
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Für das Mail am Morgen war die Zeitverschiebung zwischen Europa und USA nicht schlecht, nicht wahr? Und natürlich auch die Tatsache, dass ich viel Zeit hatte. Wenn B nicht am Computer war, konnte ich dort stundenlang sitzen und meine Mails eintippen. Das kann ich leider hier weniger. Heute ist es ein schöner Zufall. Ich bin früh aufgewacht, weil ich schon um 545h aufstehen wollte. Ich muss schon nach 07.00h in Basel sein. Und weil ich noch ein bisschen früher aufgewacht bin, habe ich jetzt Zeit, Dir zu schreiben.
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In der Schweiz beginnt die Jagdsaison. Ein alter Schulkollege, jener aus Raron, ist auch Jäger. Und Golfspieler dazu, wie mir gerade einfällt. Die Jäger sind eine ganz besondere Art Männer. Ich weiss nicht, ob sie auch singen. Aber sie fühlen einen archaischen Drang, vor allem in den Bergen den Gemsen und dem Wild nachzustellen, um sie zu erlegen. Es ist nicht der Braten, der sie lockt. Es ist wirklich diese alte Mission des Mannes, hinauszugehen, um sich in gefährlichen Situationen zu bewähren. Na ja, so gefährlich sind sie eigentlich nicht mehr. Aber sie haben noch diese Atmosphäre. Im Wallis und im Kanton Graubünden sind die Männer jeweils zu diesen Jahreszeiten völlig aus dem Häuschen. Ich sollte meinen Freund mal fragen, wie das genau vor sich geht.
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Du redest von einem Dachstock. Das war nie mein Begriff, meine Liebe. Und Du bringst immer wieder architektonische Vorstellungen ins Spiel, die unseren Lebensraum begrenzen. Meine Idee war es, neue Möglichkeiten, nicht neue Grenzen zu schaffen. Der Begriff STock betraf nur die Idee eines neuen und höheren Niveaus. Das ist alles. Ich habe niemals in meinem Leben an ein Dach gedacht. Ich habe nie an Mauern gedacht. Mit dem Panoramafenster konnte ich mich gut anfreunden. Und mit der losen Möblierung auch. Aber ich möchte das alles nicht zu schwer, sondern sehr luftig und offen und bereit für alle Arten von verrückten Aktionen. Ich bin eben manchmal so weltfremd, dass ich nicht an den nächsten Regen denken will.
Da kommt mir etwas in den Sinn, das mir im Leben immer wieder unterläuft. Es gibt oft Situationen, auf die ich mich sosehr freue, dass ich die Zeit danach völlig vergesse. Es kann sein, dass ich sehnlichst auf ein Wochenende warte, dass mein Unbewusstes sozusagen meint, die Zeit würde damit stillstehen. Es gäbe kein Nachher. Und dann bin ich ein bisschen erstaunt und enttäuscht, wenn der nächste Montag kommt. Bei meinem NY Aufenthalt war es ein bisschen ähnlich. Ich habe viel meiner Energie darauf gesetzt. Und jetzt sitze ich hier in der Tinte, und muss die Dinge tun, die ich damals hinausgeschoben hatte. Ist das nicht ein sehr kindlicher Zug, nicht wahr? Diese meine Neigung hatte mich immer wieder gestört im Leben, und ich wollte es ändern. Aber ich war nicht in der Lage. Es ist noch heute so. Ich meine, es ist eine Art Romantik, die eben nach Ronda führt. Man unternimmt eine verrückte Aktion und überlegt sich nicht, was nachher kommt. Du siehst, ich bin ein bisschen verrückt!!
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Frage: Welches ist Dein grösster Traum in Deinem Leben, auf dessen Erfüllung Du noch wartest?
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Ich wünsche Dir einen wundervollen Tag, von dem Du erstaunt bist, was er Dir alles geschenkt hat.
Mit lieben Grüssen
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