Freitag, 13. September 2013
Amerika gibt es doch.. 26/8
Ämne: Amerika gibt es doch
Datum: den 26 augusti 14:22
Liebe Marlena
Es ist gleich 8 und meine Gastgeber schlafen noch. So kann ich nicht zuviel Laerm mit der Tastatur machen. Normalerweise schreibe ich sehr schnell. Heute langsam, wie auf einer mittelalterlichen Schreibmaschine. Ich habe Dir ein wunderbares Rezept. Ich druecke die zwei Eier mit einer Gabel klein, gebe etwas Maionnaise dazu und habe so eine Paste, die ich auf das Knaeckebrot streichen kann. Natuerlich noch etwas Salz. Gute waere ein Bisschen Tomate beigeben, aber die habe ich hier nicht. Das macht ein exzellentes und sehr handliches Sandwich. Allerdings wird das Knaeckobrot bis Mittag etwas weich und ist nicht mehr knackig. Trockdem, ich habe meine Erfindung gut genossen. Und ich habe mich an jenen Englandaufenthaltim Gzmnasium erinner. Damals gab es in der Schule in Bournemouth eine kleine Kantine, wo man Sandwich und kleine Dinge kaufen konnte. Der Nachmittag war schulfrei, und soholten wir dort etwas, um an die Beach mitzunehmen. Ich liebte diese Eiersandwiches mit ein bisschen Salat drin. Ich weiss nicht wesshalb, alles war ja ziemlich trocken und staubig, aber ich liebte sie. Une petite madeleine ....
Ein Ei ist aufgequollen, und das Weiss kommt ein bisschen heraus wie aus einer Muschel. Ich liebe Muscheln. Ich habe immer noch eine ganze Schachtel vom Sueden Spaniens. Sie sehen so huebsch aus. Ihre Farbe geht von schneeweiss bis braungebacken. Sie erinnern mich an den Camino. Und eine Muschel ist sogar komplett gebliebn, dh. die beiden Haelften kleben noch zusammen. Das war eine Gluecksmuschel. Ich war immer fruemorgens an den Strand gegangen, zur Kneippkur, wie ich zu sagen pflegte, weil ich barfuss durch das seichte Wasser schlenderte und nach diesen Dingen suchte, die wahrend der Nacht angeschwemmt worden waren. Ich hatte immer irgendwo ein Gefuehl, ich sollte aufhoeren, es sei genug mit Muscheln. Aber jede neue fand ich irgendwie schoen und konnte nicht wiederstehen, sie auch noch in meiner Muetze zu sammeln. Und jetzt habe ich sie immer noch in meiner Bibliothek. Einige habe ich im Buero auf dem Buerchergestell. Sie sind ein Symbol der Pilgerschaft.
Nein, Marlena, diese Art von Trance, die wir hier machen, ist therapeutisch. Die Kunst des Tranceurs (falls es ein Wort wie dieses gibt) ist es, dem Patienten oder Subject (wie sie hier in den Texten schreiben) folgen. Und wenn du in Trance bist, realisiert du das alles. Und du weisst, du koenntest dich weigern, etwas mitzumachen. Aber es ist leichter, es zu tun als sich zu wehren. Es geht alles so entspannt und leicht, dass es ein Vergnuegen ist. Die Taenzerin hat beschrieben, dass si die Trance braucht wahrend sie tanzt. Sie ist dann sehr wach und ihres Koerpers bewusst. Aber viele schauen in Trance etwas daemmerig aus. Das Gesicht ist enspannt. Die Reaktionen sind verlangsamt. Aber man sieht, sie geniessen es. Die leute wollen gar nicht mehr ins normale Wachbewusstsein zurueckkommen, so angenehm ist dieser Zustand.
Es hat also wenig zu tun mit jenen Hypnose Demonstrationen, die man manchmal im Fernsehen sieht. Sie sind autoritaer durchgefuehrt und nutzen das Phaenomen fuer eine Show. Das mag lustig oder gar interessant sein, aber es ist nicht das, was hier passiert. Ich glaube, die Oesterreicher nutzen die Heilhypnose, wie sie sagen, vieel haeufiger als wir hier in der Schweiz. Das kommt vielleicht daher, weil auch Freud von der Hypnose ausgegangen war. Die Psychoanalyse ist sicher sehr verwandt, und ich wuerde behaupten, der patient auf der Coach ist die meiste Zeit in einer Trance.
---
Kennst Du Bichsels Geschichte "Amerika gibt es doch". Gestern hat hier B. gekocht. Sie hatten einen Japaner eingeladen und wir hatten einen vergnuegten Abend. Ich wurde gefragt, weshalb ich denn nach NY gekommen waere. Und ich wollte es etwas spassig machen und meinte, nun, ich wollte doch endlich testen, ob es dieses Amerika wirklich gaebe. Man werde in Europa den Eindruck nicht los, das ganze sei bloss eine perfekte Holliwood-Produktion. Koennte doch sein, dass das alles nur eine grossangelegte Fernseserie sei, die wir in Europa am Fernsehschirm mitbekommen und naiverweise glauben. Na ja, Bichsels Geschichte hat ja dann noch den Reiz, wie er diese Reise beschreibt, diese Karawanne, die immer laenger wird, weil sie mehr Schiffe, mehr Wagen, und Wagen fuer die Wagen und Schiffe fuer die Schiffe brauchen. Es wird ein zwar globales, aber hoffnungsloses Unterfangen. Aber der erste Gedanke, mit eigenen Augen zu sehen und testen, was ist, der ist doch gut und vielleicht mehr ein amerikanischer als ein europaeischer Gedanke.
Jetzt muss ich aufhoeren. Ich bin immer noch im Pyjama hier am PC. Meine Kaffeetasse ist leer. Und eben hat mein Wecker gelautet. Das heisst, duschen und vorwaerts machen.
Ich wuensche Dir einen schoenen Tag und sende, bevor die ganze Sache abstuerzt.
Mit klebrigen Kruessen (Gruessen und Kuessen)
...
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen