Donnerstag, 28. Oktober 2010

Papa-Ratzi



 Päpstliche Universität Gregoriana

...
Und über Paparatzi? Wir haben gestern hier im Büro auch ziemlich viel
darüber diskutiert. Und allein das ist schon eine Sensation. Man
könnte doch davon ausgehen, dass es absolut unwichtig sei, wer in Rom
dort oben über der Piazza Santa aus dem Fenster schaut. Aber diese
farbenprächtigen Zeremonien auf allen Kanälen ergeben den Eindruck,
dass da irgend was Wichtiges vor sich gehe. Ich hätte viel Geld
verloren, wenn ich wirklich gewettet hätte. Ich hätte 1:100 gegen
Ratzinger gewettet. Ich hatte mir nie vorgestellt, dass ein
Nicht-Italiener, ein Deutscher, was heisst ein Deutscher, ein Bayer
dort unten gewählt würde. Deutschland ist nicht mal ein katholisches
Land. Deutschland hat keine sprachverwandten Länder. Deutschland ist
... es ist einfach nicht zu fassen.
Und als ich über die akademische Karriere Ratzingers gehört habe, kam
mir die päpstliche Universität Gregoriana in Rom in den Sinn. Dort
habe ich, wie du weisst, jeweils meinen Espresso getrunken in der
bescheidenen Kantine. Die Gebäude sind offen und für jeden zugänglich.
Ich hatte sogar irgendwo in einem Korridor, der umgebaut wird, eine
kleine Tafel gefunden, die das Rauchen verbietet und die Bezeichnung
Vatikanstaat trägt, Diese Tafel, staubig wie sie war, hatte ich mir
als Souvenir eingepackt. Und auf einem anderen Stock bin ich in einen
alten Vorlesungssaal geschlichen und habe mir die ganze, urtümlich
alte Anlage angeschaut. Es sah alles wirklich sehr antik, aber auch
irgendwie ehrwürdig aus. Kurz und gut: es wirkte alles sehr katholisch
und ich fühlte mich - irgendwie - heimisch. Und natürlich erinnerte
ich mich auch an jene Erzählungen und Berichte, welche unsere
geistlichen Lehrer am Gymnasium zwischendurch zum besten gaben, wenn
sie ihre Stunde ohne Anstrengung um die Ecke bringen wollten.
Gelegentlich erzählten sie nämlich von ihrem Leben in der katholischen
Kirche, oft dabei auch von Rom. Und aus ihren Worten konnte man hören,
wie sehr sie dies alles als ihre grosse liebe Familie und als ihr
Zuhause empfanden. Di Francesco selig war dabei ein Spezialist. Nun,
er selbst war ja eigentlich aus Sizilien, ein kleiner, gedrungener
Mann oft mit einem dreitägigen Stoppelbart und kurzen, struppigen
Haaren. Er hatte ein gutes Herz und konnte mit besonderer Hingabe und
- wie uns schien - mit ziemlich viel Heimweh von Italien, von Rom oder
von seiner sizilianischen Heimat erzählen. ...

 (date 21 April 2005 06:53)

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