Montag, 18. Oktober 2010
retour d'afrique
Liebe Marlena
Och, da sind soviele Mails von Dir, ich weiss gar nicht, wo beginnen, um ja nichts Wichtiges zu vergessen. Wo soll ich anfangen. Du bist süss, süss bist Du. Deine schöne Mischung aus Beichte und Stolz habe ich mir schon zu herzen genommen. In einigen Zeilen hatte ich den Eindruck, dass Du Dich abends wirklich einsam fühlst und gerne jemanden hättest, um zu plaudern. Ach, Marlena, ich habe in den letzten Tagen auch oft an Dich gedacht, und diese Gedanken haben mir gut getan. Ich wusste, dass Du mit Deiner Liebe an mich denkst. Dieses grosse Wohlwollen ist wie eine Medizin. Es tut mir leid, dass für Dich die Zeit schwierig war und dass Du - wie Du oft sagst - die Wände hoch gehst. Ich weiss genau, wie Du das meinst. Ich habe das auch schon erlebt. Aber jetzt bin ich wieder einigermassen da. Mein Ohr ist zwar immer noch leicht verstopft. Aber es geht mir viel besser. Nur eine Müdigkeit spüre ich jetzt, am ersten Tag. Aber das wird sich mit der Zeit geben.
Ich lache immer noch, wie Du auf mein "geräumiges Frauenzimmer" ein bisschen empfindlich reagiert hast. Ich habe es wirklich nicht schlecht gemeint. Ich glaube wirklich, dass Du Platz hast für Vieles. Und ich muss auch zugeben, dass ich doch wohl auch ein bisschen geräumig bin. Aber ich hoffe doch nicht so eine Windfahne, wie Du sie an die Wand malst. Ich meine, zu sagen, ich mag Rilke nicht. Da kommt mir eine lustige Erinnerung. Vor etwa 15 Jahren habe ich meine Oelbilder ausgestellt. S hatte vor allem darauf gedrängt. Sie fand, Bilder solle man zeigen, und nicht einfach in den Esterich stellen. Das hat was für sich. So habe ich dann nolens volens etwa 40 Bilder gezeigt. Und ich hatte Angst, dass sie viel zu uneinheitlich und heterogen ausschauen würden, weil ich ja nicht wirklich eine formelle Ausbildung habe und sehr gefühlsmässig an die Sache herangehe.Aber ich kann Dir sagen, Marlena, ich war geradezu schockiert, wie einheitlich, wie ähnlich die Bilder sich sind. Es war für mich geradezu monoton. Ich war wirklich sehr erstaunt, wie sehr ich immer wieder ähnlich male, wo ich aber subjektiv ein völlig verschiedenes Gefühl habe. Gibt es nicht auch ein schönes französisches Sprichwort, das heisst ungefähr: Plus ça change, plus ça rest la même chose. Oder so ähnlich. Ich liebe schon sehr die Abwechslung, aber ich glaube, ich komme immer wieder auf die gleichen Begeisterungen zurück. Und daneben bin ich ganz still und kontemplativ hinter meinem Pult. Auch das ist eine der Begeisterungen, wie Du richtig siehst.
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