Mittwoch, 21. April 2010

monogam

Liebe Marlena
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Ich habe mich - mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen - erinnert, wie du damals mit viel Ernst betont hast, du seist monogam, eindeutig und endgültig und per saecula saeculorum monogam. Und ich glaube, im nächsten Mail hast du dann noch ein bisschen ausgeführt und gemildert, weil du vielleicht den Eindruck hattest, deine erste Formulierung wäre zu hart gewesen. Ich hatte das Gefühl, du denkst, ich sei beleidigt, weil du so eindeutig gewesen bist. Und ich muss dir sagen, ich habe deine Relativierungen sehr genossen, sie haben mich irgendwie erlöst und getröstet. Doch ich glaube, ich verstehe schon, wenn du sagst, du seist monogam. Es ist natürlich immer auch eine Frage, in welchem Stadium einer Beziehung man sowas sagt. Es ist ja gewissermassen nicht nur eine Aussage zur eigenen Situation in der Welt, sondern auch eine strategische Bemerkung zur Beziehung, in der man spricht.

Ich würde von mir auch sagen, ich sei monogam, obwohl ich im strengsten und naturwissenschaftlichen Sinne das nicht immer war, natürlich "monogam", aber manchmal "untreu" oder nicht immer "treu". Wenn es eine starke Liebe ist, dann kreisen alle Gedanken um diese Person. Dann bewegt sich die gesamte Seele auf dieses schöne Gegenüber zu. Dann entstehen diese Kilometermails. Und ich weiss, dass die Sexualität für uns nur dann wirklich schön und erfüllend ist. Doch auch hier glaube ich, dass wir ein bisschen altmodisch sind, oder dann vielleicht wieder hochmodern. Die Sexualität hat sich in den letzten Generationen infolge der Pille und der Anticeptiva sehr verändert. Die Monogamie qua sexuelle Treue war ein wichtiges Element der bürgerlichen Ideologie, also gute 200 Jahre alt. Sie war teil der Familienideologie (jetzt kommt dein Stück Don't break my heart..., die CD läuft immer wieder), und natürlich vor allem ein Machtinstrument der Männer zur Kontrolle ihrer Frauen. In der Akkumulation von Reichtum, einer Funktion der Familie, ging es darum, zu sichern, dass nur leibliche Nachkommen das Erbe übernehmen können. Da waren Kuckuckseier nicht zu gebrauchen. Heute hat sich die Sexualität weitgehend von der Reproduktion, dh. vom Kinder zeugen, getrennt. Sie hat sich zu einer allgemeinen Sinnlichkeit emanzipiert. Und sie ist durch ihre Präsenz in allen Medien und allezeit und überall aus der privaten Sphäre in die öffentliche gerissen worden. Ich glaube, diese Entwicklung hat dazu geführt, dass die sex. Treue sich sehr gewandelt hat. Auf der anderen Seite haben Faktoren wie AIDS eine grosse Rolle gespielt.

Ich denke oft an meine Töchter und an das Problem von AIDS. Es ist ungeheuerlich. Wenn wir ihnen sagen, sie dürfen nur geschützten Sex machen, so arbeitet in einer romantischen ersten Nacht dem doch alles entgegen. Wenn man mit jemandem verschmelzen möchte, zum ersten mal im Leben dieses grosse Gefühl erlebt, kann man doch nicht gleichzeitig noch misstrauisch sein gegen diese Person. Es ist doch fast unmöglich! Ich weiss wirklich nicht, wie die Jungen das hinkriegen sollen. Und ich denke, sie brauchen einfach einen starken Schutzengel.

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