Liebe Marlena
Herzlichen Dank für dein Mail. Schön, dass du deinen Charme jetzt zugibst. Du bist wie eine ganz schlaue Schwerverbrecherin. Du gibst immer nur soviel zu, wie man dir schon bewiesen hat. Du wärst eine echt Nummer und gut für den Colombo. Ich mache dich nicht nur ein bisschen ideal für dich, sondern auch für mich. So läuft das nun einmal in der Briefliteratur. Das kann gar nicht anders gehen. Ich glaube nicht, dass etwas an dir mich sehr enttäuschen könnte. Vielleicht wenn du sehr launisch wärst. Oder wenn du einen ganz unförmigen Hintern hättest, so wie sie ihn die Amerikanerinnen manchmal in der Weltgeschichte herumtransportieren. Nein, pardon meine Liebste, das war jetzt sehr salop gesagt im Zusammenhang mit deiner Person. Aber ich wollte es ein bisschen lustig machen. Ich werde das niemals akzeptieren, deinen Vorschlag, uns erst zu treffen, wenn wir keine Hoffnungen mehr haben, wenn wir nicht mehr enttäuscht sein können. DAS KANN ICH NICHT AKZEPTIEREN, meine Liebe. UND DAS WILL ICH NICHT AKZEPTIEREN. Sonst bin ich sehr flexibel und konzessionsbereit, aber hier nicht. Da bin ich hart. Vielleicht hilft das auch nichts, aber ich bin es. Wenn ich keine Hoffnungen mehr habe, dann bin ich nicht nur tot, dann bin ich mausetot. Und dann können wir es vielleicht auch lassen.
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Ich habe diese Kopfbinden der Universität Uppsala gesehen, die sie bei den Doktorwürden verteilen. Sehen echt komisch aus, wie ein römischer Augustus mit dem Lorbeer auf dem Kopf. Schlicht und komisch. Ich würde mich hüten, Ehrendoktor an einer schwedischen Universität zu werden, wie das Reich-Ranitzky gemacht hat.
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Du hast mir nicht gesagt, wohin ihr in die Ferien reist. Ist denn das ein Geheimnis? Geht ihr ans Meer oder in eine Stadt? Oder willst du es machen wie bei Prag? Erinnerst du dich, du hast absolut kein Wort darüber gesagt. Nur im letzten Moment, aber auch dann nicht wohin. Du hast etwas von einer Überraschung gesagt. Doch darin habe ich nun überhaupt keine Ueberraschung gesehen. Eine Woche wärst du einfach weg gewesen und ich hätte nichts gewusst, vor allem nicht wo, bis vielleicht eine Woche später deine schöne Karte gekommen wäre. Nein, das ist doch keine Überraschung. Das ist ein kleines Martyrium, weiter nichts. Und die Sache mit Barbaras CDs hätten wir besser organisieren können, wenn deine Informationspolitik nicht gewesen wäre wie die Leutseligkeit des Kremls, oder vielleicht noch die Schwatzhaftigkeit des Nobel-Preis-Kommittees. Da könnte ich jetzt wieder sagen: also sowas, meine Liebste Marlena, das verstehe ich einfach nicht. Du musst doch dem Typen, der im gleichen Boot sitzt, sagen wohin du schwimmen gehst. Ist doch das absolute Minimum. Wir haben den Ausdruck im Deutschen auch: im gleichen Boot sitzen. Wir sind vielleicht bloss nicht so gute Ruderer wie die Schweden.
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Das ist mein Abendmail, meine Liebste. Ich sende es gleich. Und ich bekränze es mit vielen süssen Küssen, von der Sorte, wie man sie in Paris auf der Strasse finden soll, so mindestens behaupten es die alten Geschichtenerzählerinnen. Geniesse sie, ich habe sie schon genossen. Es werden sozusagen zweimalgebrauchte sein.
KKKKKKKKK
MMMM
SS
H
Freitag, 30. April 2010
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