Freitag, 16. April 2010

Souveränität der Erzählerrolle

Subject: A la très belle, à la très bonne, à la très chère (3)
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Soll ich dir ein Beispiel zeigen, welches die Souveränität der Erzählerrolle, die Erzählmaske nennt man sie ja auch, zeigt? Man sagt immer, dass der Künstler, der Erzähler, der Maler eine göttliche Rolle einnimmt, indem er wie ein Demiurg eine eigene Welt kreirt. Es ist nicht blosse Abbildung, sondern es ist die Gestaltung, die Kreation einer neuen, einer eigenen Welt. Du hast mir auf wunderschöne Art und Weise vom Fest am letzten Freitag erzählt, als sich das Dach leicht hob, ob der guten Stimmung. Und du hast den Gastgeber herausgepickt, und ihn mir freundlich vorgestellt. Und alle anderen Gäste, ausser vielleicht dich selbst, hast du weggelassen, indem du die elegante Wendung fandest, du hättest sie mir in Gedanken längst beschrieben. Du erinnerst dich sicherlich, denn eine solch schöne Wendung ist nicht unbewusst, sondern gut und bewusst erfunden. Ich habe noch selten jemanden gehört, der so elegant Dinge übergehen kann. Ich meine, du erzählst sie nicht, und trotzdem schliesst du mich ein. Du lässt mich nichtwissend wissen. Du kannst mir nicht alles erzählen, und doch lässt du mich überall dabei sein. Ach Marlena, du darfst nicht sagen, ich mache dich perfekt. Sowas ist einfach perfekt. Das ist so schön und elegant erzählt, ich kann dir kaum ausdrücken, wie mich das berührt. Ich glaube, es ist sehr ähnlich der Art, wie du tröstest. Ich habe so etwas noch nie erlebt in meinem Leben. Vielleicht habe ich es schon von Personen erfahren, aber sicherlich nie bewusst erlebt. Es ist für mich eine wunderbare Bereicherung, und ich bin dahin und meine Liebe wird immer - wie soll ich sagen - gefährlicher. Ich weiss nicht mehr, wie ich meine Seele zurückhalten kann.

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