Gestern habe ich die kleine Biographie über Virginia Woolf zu Ende gelesen. Wie könnte man sie zusammenfassen? Ich glaube, der Film the Hours trifft den Grundton ziemlich gut. Das Schreiben war für V. als Medizin gegen ihre drohende Erkrankung gedacht. Ihr Ehemann war stets sehr bemüht, dass sie beschäftigt, vor allem auch mit Handarbeiten beschäftigt war. Auch die kleine Druckerei, die Hogarth Press, hatten sie nur aus therapeutischen Gründen eingerichtet. Sie haben damit einen kleinen Verlag geführt und unter anderem russische Autoren, sogar auch Rilke in England verlegt. Der letzte Brief, den V. geschrieben haben soll, ist offentsichtlich authentisch, ein rührendes Dokument der Liebe zwischen dem kinderlosen Ehepaar. Offenbar hat auch Virginia W. ihren Roman zuerst the Hours genannt, und erst später Mrs Dalloway. In jenem Roman ist Clarissas Freund nicht an Aids, sondern an einer Psychose erkrankt. Er stürzt sich aus dem Fenster, weil er der Einlieferung in eine Klinik verhindern will. Insgesamt scheint die Atmosphäre am Beginn des neuen Jahrhunderts ziemlich revolutionär gewesen sein. Die jungen Leute wollten alte Konventionen von sich werfen. Der Bloomsbury-Kreis der Stephens war dafür ein gutes Beispiel. Es gab auch Bewegungen wie jene von Monte Verità im Tessin, von der Hesse angezogen war. Andere waren die Expressionisten wie jene der Brücke, zumeist nicht professionelle Maler sondern Architekten. Es ist merkwürdig, wie jene Zeit jetzt plötzlich auftaucht in den Rückblicken. Wir hatten gerade eine kleine Expressionistenausstellung im Kunstmuseum Basel. Man hört zur Zeit viel über Kirchner. Der erwähnte Film ist ein weiteres Beispiel. Dazu gehören auch Nietzsche und Rilke. Ich glaube, wir liegen enorm gut im Trend, Marlena, mit unseren rückgewandten Interessen. Das war die Zeit unserer Grosseltern. Und heisst es nicht: wenn du aus einem Mädchen eine Lady machen willst, beginne mit seiner Grossmutter. Drei Generationen, das scheint die überblickbare Grösse. Was früher liegt, ist nicht mehr Gegenwart im engeren Sinne.
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Morgen, so höre ich gerade, soll es wieder sonniger werden. Lass uns darauf hoffen.
Ich wünsche Dir einen schönen Tag
Mit lieben Grüssen
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Mittwoch, 16. April 2025
Fortsetzung: Wetter, Politik und Virginia Woolf
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