Freitag, 4. April 2014

Vatikan und Schweizergardisten




Es ist natürlich eine merkwürdige Berufung, Gardist zu werden. Und ich glaube, sie haben heute Mühe, noch genügend Rekruten zu finden. Es gibt viele Studenten, die einfach während der Ferien nach Rom reisen, um dort ein bisschen als Gardist in der Hitze herumzustehen und um nach den Mädchen und dem Papa zu schauen ;--).
Der Stato della Città del Vaticano ist der kleinste Staat der Welt. Er ist sogar noch kleiner als die Schweiz. Und die Schweiz ist schon sehr eng, so dass jeder dem anderen ins Gärtchen sehen und auf die Zehen stehen kann. Ich glaube, der Vatikan ist die letzte absolute Monarchie, ein totaler Anachronismus auf dieser Welt. Ein Relikt aus der Zeit des Absolutismus, als es noch Sonnenkönige und solch gloriose Häupter gegeben hatte. Der Papst ist der Souverän und das Oberhaupt der Weltkirche. Er ist Bischof von Rom und oberster Priester, dh Summus Pontifex der universalen Kirche. Er ist im Grunde genommen ein Nachfolger der römischen Kaiser. Und die waren bekanntlich nicht sonderlich geistliche Einrichtungen. Einmal habe ich von einem katholischen Geistlichen eine hübsche Definition des Vatikans respektive der katholischen Kirche gehört. Er hat gesagt, die katholische Kirche sei eine absolute Diktatur gemildert durch die Unfolgsamkeit der kleinen Priester.
Es ist schon sonderbar, dass es heute noch so etwas gibt wie den Vatikan. Ich behaupte immer, es sei die älteste Firma der Welt. Es ist eine riesige und absolut superreiche Organisation, und sie wird von ein paar überalterten, greisen bis senilen Männern geleitet, die zudem oft noch etwas homophil sind. Er ist wirklich komisch, dieser Vatikan, und wenn es ihn nicht gäbe, dann müsste man ihn schnellstens erfinden.
Ich freue mich darauf, ihn wieder zu besuchen. Es gibt soviele schöne Bilder und Dinge zu sehen. Und es wirkt alles so enorm katholisch. Es ist der intimste Punkt dieser grossen Weltkirche. Es ist sozusagen das Schlafzimmer der katholischen Kirche. Es ist das, woher alles kommt, im Guten wie im Schlechten.
Und vor den Eingängen stehen die farbigen Svizzeri, die Gardisten, mit ihren malerischen Uniformen und stehen da so treu und ruhig, wie nur Schweizer dastehen können. Wir werden einen lustigen Witz machen und ihnen zuzwinkern, wenn wir an ihnen vorbeigehen.
Ach, es ist, als wäre ich schon dort.



April 2014


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