den 1 april 2000 13:13
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Wie weit bist du mit der Arbeit? Trinken wir einen kurzen Kaffee
zusammen und dann erzähle? Mélange, wenn du willst, wie in Wien. Ich
habe hier gerade eine Meldung aus Wien gelesen. Da gibt es einen "1.
April-Verein". So etwas können nur die Wiener machen. Es geht den 5
Leuten, die dort offenbar dabei sind, darum, Politik zu machen. Sie
wollen der Politik zeigen, dass sie die Grenze zwischen Wahrheit und
Lüge ständig verwische mit ihren Intrigen und Täuschungen und Masken
und sie wollen beweisen, wie liebenswert doch eigentlich die Wahrheit
sei. Sie treffen sich im Café Landtmann, das ist im Herzen der Stadt an
der Ringstrasse, gleich neben dem Burgtheater und in Nähe von
Parlament und Rathaus. Das Café Landtmann war immer ein Ort der
Heimlichkeiten. "Im Café Landtmann kann man sich treffen, um nachher
unwidersprochen zu behaupten, man habe sich weder gesehen noch
irgendwas miteinander zu bereden gehabt" (wäre echt eine Adresse für
uns, und dazu schummrig, wie die Wiener-Cefés sein sollen), sagt eine
gewisse Waltraut Sikl, Mitglied dieses ominösen Vereins. Der Verein ist
1969 als "Verein zur Belebung des 1. Aprils" gegründet worden. Es war
eigentlich ein anarchodadaistischer Akt (allein das Wort für sich ist
schon ein Kunstwerk). Vorbild war Orson Welles' Film "Krieg der Welten",
der von einer Invasion der Marsmännchen erzählt und als Aprilscherz im
Amerika grosse Panik ausgelöst hatte. Der April-Verein hat sich zum
Ziel gesetzt, jeden 1. April einen neuen, völlig überflüssigen Verein
nach allen gesetzlichen Auflagen zu gründen. So wurde 1970 der "Verein
der freiwillig Schwitzenden" gegründet, und heuer soll ein "Verein für
den 2. April" aus der Taufe gehoben werden. Es hat auch einen "Verein
für Senkrechtbestattung" gegeben, oder einen "Verein für die
Vereinigung von Vereinen". Beide seien aber heute nicht mehr aktiv.Der Ursprung des 1. April ist unklar. An sich gilt der April als Unglücksmonat bei den Bauern, und sie waren seit je angehalten, keine Geschäfte zu machen und keine Bäume zu putzen. Judas soll sich am 1. April an einem Baum erhängt haben.
Es ist auch möglich, dass der 1. April vom römischen Narrenfest herkommt oder an das Herumschicken Christi von Pontius zu Pilatus erinnert.
Andere sehen seine Ursprünge Ende des 16. Jahrhunderts, als der 1. Januar verbindlich als Jahresanfang eingesetzt worden war. Die Narren waren diejenigen, die immer noch das Neujahr am Frühlingsanfang feierten.
Oder aber 1530, da sollte am 1. April ein Reichstag in Augsburg stattfinden. Doch er wurde gestrichen, sehr zum Gespött von Händlern und Geldspekulanten.
Wen man erwischt, nennt man Arpilkalb, -ochs, -esel, -narr oder -affe. In romanischen Ländern nennt man ihn den Aprilfisch. Napoleon erhielt diesen Übernamen, weil er sich am 1. April hatte trauen lassen.
Seit 20 Jahren sammelt der Verein dokumentarisch die besten Enten und Scherze. Die NZZ hatte mal berichtet, man hätte einen bisher unbekannten Brief von Goethe entdeckt und man hat ihn wortgetreu, vielleicht gar faksimile abgedruckt. Der Literaturredaktor der reputierten Zeitung Die Zeit sogar war auf diese literarische Ente hereingefallen. Der Verein aus Wien will die besten Scherze der Vergangenheit unter www.aprilscherz.de im Internet veröffentlichen.
Der 2. April soll nun aber der Tag der Wahrheit werden, so sagen die Verantwortlichen. Und er soll alle 4 Jahre am 29. Februar stattfinden, bloss. Ist ein bisschen selten, für die Wahrheit?
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