Sonntag, 27. April 2014
Rom und der Vatikan
Liebe Marlena
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Soll ich dir noch ein bisschen über Rom erzählen. Ich habe ein bisschen weitergelesen. Aber allzu spannend ist es nicht, weil noch allgemein.
Bis im Jahre 1870 war das geistliche Oberhaupt der Kirche, der Papst, auch weltlicher Herr über den Kirchenstaat. Die Mauern und Befestigungen machten durchaus einen Sinn. 1870 wurde dann im ersten Vatikanischen Konzil die Unfehlbarkeit des Papstes festgenagelt (damals trennten sich die Neukatholiken von der römischen Kirche, weil sie dies nicht akzeptieren konnten. Und im gleichen Jahr verlor der Papst den Staat, da dieser vom neuen Königreich Italien annektiert wurde. In die päpstliche Hauptstadt drangen die Truppen, doch vor den Mauern des Vatikans blieben sie stehen. Erst 1929 gab Musolini die weltliche Souveränität des Territoriums wieder zurück und seither ist die vatikanische Residenz der kleinste Staat der Welt.
Der "Heilige Apostolische Stuhl" ist die Zentralregierung der katholischen kirche. Sie steht an der Spitze einer Kirche mit 800 Mio Gläubigen oder nahezu Gläubigen, mehr oder weniger. Von hier aus wird die Kirche regiert. Aber nicht nur. Es gibt auch zahlreiche Ministerien und Aemter ausserhalb des Vatikans, etwa im Palast der Kongregationen, oder sie haben eigene Paläste.
Roma locuta causa finita, heisst der lateinische Satz. Rom hat entschieden und die Sache ist erledigt. Das ist heute noch so, aber keiner weiss, wie die Entscheidungen zustande kommen. Es ist sehr intransparent, und wie gesagzt, letztlich unfehlbar.
Gegenüber den päpstlichen Gemächern residiert der "Rat für die öffentlichen Angelegenheiten der Kirche". Er ist die Schaltzentrale der Kurie, aller Kongregationen und Kommissionen.
Das Geheimnis des Vatikans liegt im Paradox einer höchsten Prätention - nämlich die Gewissen von Millionen von Menschen zu bestimmen - und dabei auf einer zwerghaften weltlichen Machtbasis zu stehen.
Am Sonntag kann man den Papst vom Petersplatz aus sehen, wenn er im obersten Stock seines Palastes das Angelus betet und dann den Segen erteilt. Und am Mittwoch kann man ihn an der Generalaudienz in der grossen Halle treffen.
Am einfachsten ist der Eintritt in die Basilika San Pietro, der Hohe Tempel des Katholizismus. Er ist grandios und hat Platz für 60'000 Gläubige. Das kann man kaum glauben, das sind soviele, wie sie ein ganzes Fussballstadion füllen. Aber sie ist schon sehr geräumig, diese Basilika in der Form eines lateinischen Kreuzes. Und in der Mitte steht dieser Altar unter dem Baldachin mit den geschwungenen barocken Säulen.
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