Liebe Marlena
*
Ich glaube ich kenne diesen Autoren Tahar Ben Jelloun. Jemand hatte mir ein Büchlein von ihm geschenkt, nachdem ich für fremdsprachige Frauen eine Information über Schule und unseren Dienst gemacht hatte. Das dünne Büchlein enthält die Erklärungen des Vaters an seine Tochter zum Thema: Was ist ein Ausländer. Aber ich habe es - ehrlich gesagt - noch nicht gelesen, sondern bloss so in kleinen Passagen überflogen. Kürzlich hatte ich dann aber ein Jugendbuch von ihm zu rezensieren, das mir eigentlich ganz gut gefallen hat. Es erzählte dort die Geschichte eines Schwarzen, der aus einem kleinen afrikanischen Dorf kam und Lehrer wurde, um wieder in sein Dorf zurückzukehren, und dann mit etlichen Situationen der Apathie zu kämpfen hatte. Ist der Autor nicht Marokkaner oder Algerier? Seine Stärke scheint mir darin zu liegen, mit eingängigen Bildern und in einfachen Worten ziemlich komplexe Konstellationen und Lebensumstände zu charakterisieren. Das ist für unsere westliche Analytiker-Mentalität der Messbarkeit und Exaktheit eine wohltuende Ergänzung wie Balsam.
*
Lieber ...,
Ach, dieses "flüchtige überfliegen". Das höre ich nicht so gern. Man kann doch nicht etwas beurteilen wenn man es nur flüchtig überfliegt. Man muss einen Teil seiner Seele engagieren.. meinst du nicht?
Dieser Ben Jelloun beschreibt also das Leben eines alten, von körperlichem Verfall geplagten Mannes. Stell dir vor, du siehst einen alten Mann in einem ziemlich elenden Zimmer, du hörst ihn husten und du erfährst seine Gedanken (meist ärgert er sich über etwas). Und trotzdem ist es so gut geschrieben, dass du den Eindruck hast das beschriebene selbst zu erleben. Alles wirkt so echt. Nichts ist verschönert. Ist das nicht einmalig? Mehrere Leben leben zu können. Nicht nur auf sein eigenes angewiesen zu sein.
Auch du machst mir das möglich. Ich lebe ja eigentlich doppelt...
...
Donnerstag, 12. April 2012
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen