Dienstag, 10. April 2012

Möbelstil und Central Park

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Ämne: mittwochs
Datum: den 14 april 2004 07:23

Liebe Malou
Merci für die Bilder. Ich bin immer wieder überrascht, wie aufgeräumt es bei Euch aussieht. Oder vielleicht ordnest Du rasch, bevor Du ein Bild knipsest, den Hintergrund? Auf jeden Fall macht es den Anschein, dass jedes Ding seinen Platz hat und dass man nichts umstellen kann, weil sonst alles in Fluss geraten würde und eine Änderung die nächste erfordern würde. Und das zweite, was mir auffällt, ist der leichte Charakter der Möbel. Das helle Holz macht es aus. Es ist natürlich alles in allem das, was wir hier unter nordischem Wohnen verstehen. Und voilà: in Deinen Bilder finde ich es immer wieder.
Und die Zeichnung stammt in der Tat aus dem Central Park vom letzten Sommer. Ich glaube, es war an einem warmen Sonntag Nachmittag. Der Park war voller Menschen, Familien, Kinder, Liebespaare, sogar Hochzeitspaare (die vielleicht nicht am Sonntag?) Porträtisten, Strassengaukler, Inline-Skaters, kurz und gut, alles Mögliche, um die Aufmerksamkeit des Auges zu gewinnen. Und so wollte ich, um mich zu beschäftigen, ein paar Skizzen machen. Findest Du nicht, sie erinnern an Sempé. Na ja, wenn man an die zahlreichen Zeichnungen denkt, die er von Paris und seinen Parks gemacht hat, so hat mich das bestimmt ein bisschen beeinflusst. Der Unterschied wären bloss die Leute.  ... Ich erinnere mich an einen Cartoon Sempés. Die Szene spielt vor einem typischen Pariser Strassencafé. Zwei typische Franzosen: Casquette auf dem Kopf, Jacket mit Halstuch, der eine Pariserbrot unter dem Arm, der andere die Tageszeitung, an der Leine eine dieser hässlichen, kleinen französischen Dogge, Gauloise im Mundwinkel. Da klagt der eine zum anderen: Wir veramerikanisieren zusehends!

Was mir natürlich Sorge bereitet, ist die Tatsache, wie spät Du meine kleinen Kunstwerke bemerkst. Ich kann mich erinnern, wann ungefähr ich sie in den Fotofolder gelegt hatte. Ich war - so glaube ich - ohne Brille am Werk. Und so hatte ich Dir zuerst eine oder zwei andere Zeichnungen geschickt, die bloss Einzelfiguren zeigten. Aber eigentlich hatte ich diese eine im Sinn. Und als ich diesen Fehlgriff dann bemerkte, habe ich dieses eine noch nachgeschickt.

Für mich sind diese kleinen Skizzen Erinnerungen. Es ist wunderbar, wie sehr sie ihren Wert im Laufe der Zeit steigern. Im Moment denke ich oft, ich könne die Blätter wegwerfen, denn sie sind ja nicht zu Ende geführte Zeichnungen, sondern bloss spontane Skizzen. Aber wenn ich dann später das eine oder andere Blatt wieder finde, bin ich doch ziemlich entzückt. Man sagt doch: ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Daran liegt etwas. Na ja, sagen wir vielleicht fünfhundert Worte.

Gestern war ich den ganzen Nachmittag unterwegs. Und heute will ich zur Universität und sehen, ob die Vorlesung interessant ist. Ich werde mich vorher kurz mit A treffen. Sie hat auch eine Vorlesung. Aber bis Mittag habe ich hier noch einiges zu tun.

Tut mir Leid für die Umtriebe mit Eurem Sommerhaus. Das ist unangenehm, und wenn man sich in solchen Räumen aufhält, wo irgendwelche böswilligen Fremden ihr Unwesen getrieben haben, so fühlt man sich bestimmt irgendwie verletzt und beleidigt.

Ich wünsche Dir einen schönen Tag.
MlGuK
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